7. Woche - Sternhaufen - nichts Besonderes?

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW von Fachgruppenmitglied Manfred Mrotzek zeigt erfreulicherweise wieder einmal, dass der Astrofotograf mit seiner CCD-Kamera nicht nur die üblichen (L)RGB-Aufnahmen als Motiv wählen kann. NGC 7419 ist ein Paradeobjekt für solche offenen Sternhaufen, die mit Hilfe der Infrarot-Technik Besonderheiten offenbaren. Hier existieren Sternarten (Populationen), die nicht generell in offenen Sternhaufen verbreitet sind. Sind offene Sternhaufen sehr massereich, dann können auch massive Einzelsterne beobachtet werden. Und die entwickeln sich zunächst aus frühen Spektraltypen (OB-Sternen) und durchlaufen dann bei ihrer weiteren Entwicklung hin zu Roten Riesen recht bald das Stadium als Rote Überriesen. Wohlgemerkt - Rote Riesen sind alt und gehören der Poulation II an, im Gegensatz zu den jungen Sternen der Population I. Rote Überriesen jedoch sind jung! Das passt zu den anderen in NGC 7419 enthaltenen Sternen, die zum Großteil junge B-Sterne sind (Marco & Negueruela, Astr. & Astophys. 552A, 2013) und dazu auch Emission in Hα und/oder Hβ aufweisen (Be-Sterne). Ein weiterer Großteil junger Sterne sind vom Typ T Tauri.

Das Bildfeld beträgt 52' x 42', Norden oben, Osten links. NGC 7419 liegt im Perseus-Arm unserer Milchstraße. Sein Alter wird auf nur 14 Mio. Jahre geschätzt, seine Masse auf 7000 bis 10.000 Sonnenmassen. Das ist viel! Die Entfernung beträgt etwa 13.000 Lj (Autoren siehe oben). Astronomen, die anders gemessen haben, kommen auf ein Alter von 22 Mio. Jahren und 10.500 Lj Distanz (Joshi et al., MNRAS 391, 2008). Wie auch immer, diese Entfernung lässt bereits vermuten, dass NGC 7419 stark gerötet sein muss durch vordergründige interstellare Materie. Junge, blaue Sterne werden also gelber! Schon das allein ist Grund genug für Infrarotbilder, mit denen der Staub merklich durchdrungen werden kann.

Jetzt ins Zentrum des Haufens (hier klicken). Nummeriert sind die Roten Überriesen, zwei Sterne tragen Buchstaben. Wer sich dafür näher interessiert, schaue in die Tabelle mit den aufgelisteten Daten dieser Sterne (hier klicken). Auffällig ist, dass die Roten Überriesen generell extrem rot in Erscheinung treten, denn ihr Strahlungsmaximum liegt im Infrarotbereich und dank der speziellen Filterung kommt das deutlicher heraus als nur mit einem R-FIlter! Auch ein Kohlenstoffstern sticht dunkelrot ins Auge. Der hellste Stern in NGC 7419 ist der G5-Stern NGC 7419 BNSW f mit visuellen 10,5 mag (Buchstabe a). Hingegen ist der blaue A3-Stern HD 216721 (Buchstabe b) ein Vordergrundstern, denn er ist entschieden zu hell für die vergleichsweise lichtschwachen B-Sterne ähnlicher Leuchtkraft.

Der Bildautor schreibt: "Die Aufnahmen entstanden bei Mondlicht und durch Hochnebel, was ein bisschen Tiefe gekostet hat. Ich habe sie in meiner Gartensternwarte in Buxtehude, also im Hamburger Umland unter der kombinierten Buxtehuder und Hamburger Lichtglocke, mit dem TEC 140 mit Riccardi-Reducer 0,75x (deshalb 750 mm Brennweite) gewonnen. Und es ist ganz offensichtlich eine Kurzzeitbelichtung. Die Einzelbilder wurden je Kanal mit Giotto (das Programm hat sich bei mir seit fast 15 Jahren bewährt!) unter Verwendung eines Darkabzugs gestackt und im Kontrast angehoben, danach mit Fitswork zu einem Falschfarbenbild kombiniert, geebnet und entrauscht. Entrauscht wird nur der Untergrund. Den Untergrund trenne ich zuvor mit AstroArt vom Rest des Bildes, d.h. den helleren Partien, und kombiniere hinterher beide Bildanteile wieder. Die letzten Retuschen habe ich dann mit PicturePublisher (auch ein Uraltprogramm, aber sehr leistungsfähig) durchgeführt."

Aufnahmedatum war der 31.10.15, Teleskop TEC 140, f = 750 mm (f/5,4). Das Nachführen erledigte ein TVGuider mit Watec 120N an einem 90-mm-Refraktor f/5,6. Dazu kam als CCD-Kamera eine Atik 460EX. Gesamtbelichtungszeit für R und G: 45 min bzw. 36 min (Einzelbilder: 180 Sekunden), Gesamtbelichtungszeit für IR = 50 min (Einzelbilder: 600 Sekunden). Als Filter wurden verwendet: R und B aus Astronomik LRGB-Filtersatz IIc, ProPlanet 807 IR-Pass Filter von Astronomik.

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Das AdW von Manfred Mrotzek ist wieder einmal etwas sehr Besonderes. Wir hatten erst vor kurzem eine Infrarotaufnahme und heute wieder, wir begrüßen ausdrücklich die Vielfalt der eingereichten AdWs.

Manfred Mrotzek hat diese Aufnahme mit einer monochromen CCD-Kamera erstellt. Unter Berücksichtigung der spektralen Empfindlichkeit des CCD-Sensors wurden dann die Filter gewählt. Grundsätzlich kann man die drei Grundfarben im sichtbaren Spektrum ungefähr wie folgt anordnen: Blau um 450 nm, Grün um 550 nm und Rot um 650 nm. Alle Wellenlängen oberhalb von 700 nm sind normalerweise nicht mehr relevant für eine RGB-Aufnahme und ab 800 nm spricht man von Nahinfrarot. Der verwendete IR-Filter von Astronomik lässt Wellenlängen ab 800 nm durch, der CCD-Sensor ist in diesem Bereich noch ausreichend empfindlich, erst ab 1000 nm macht die CCD-Kamera zu. Mit entsprechend längeren Belichtungszeiten war es Manfred Mrotzek also möglich im Nahinfrarot zu belichten. Zusätzlich kamen handelsübliche Rot- und Blaufilter zum Einsatz, um zwei weitere Kanäle zu erhalten, aus denen dann später ein RGB-Bild erstellt wurde.

Jetzt kommt das eigentlich Interessante des heutigen technischen Kommentars. Die gefilterten Aufnahmen wurden in der anschließenden Bearbeitung den Farbkanälen des RGB-Bildes zugeordnet. Allerdings nicht nach ihren realen Farben, sondern in einer sogenannten Falschfarbenzuordnung. Der Rotkanal wurde dabei grün eingefärbt, die IR-Aufnahme dem Rotkanal zugeordnet und der Blaukanal tatsächlich auch blau eingefärbt. Diese Zuordnung (im englischen würde man von mapping sprechen, siehe Vergleich zum AdW der Vorwoche) entspricht exakt der Zuordnung, die man auch bei der Hubblepalette anwendet. Der Sinn einer solchen Zuordnung wird  anschaulich sehr deutlich, wenn man sich die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau einmal in einem sogenannten Farbrad anschaut (hier klicken). Man erkennt schön, dass die drei Farben in einem maximalen Winkel von 120° auseinanderliegen, und so eine maximale Spreizung der Farbtonwerte erzielt wird. So kann man im Bild einen maximalen, farblichen Kontrast der einzelnen Kanäle darstellen. Und so kommen die Sterne, die im Infraroten sichtbar sind, hier im Bild klar heraus und heben sich von den anderen, überwiegend grünen und blauen Sternen ab. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht mehr um reale Sternfarben, aber darum geht es eben in einer solchen Darstellung auch nicht.

Das Tonemapping in Falschfarben wird zu unrecht von einigen Amateurastronomen verteufelt. Wir sehen im heutigen AdW sehr anschaulich den Nutzen dieser Technik, der in vielen Bereichen der bildlichen Darstellung von Sachverhalten verwendet wird. Wir gratulieren Manfred Mrotzek zu diesem tollen Bild und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Objektkoordinaten (J2000):

RA = 22 h 54 min 20 s, Dec = +60° 48´ 54´´

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben links auf den Namen. Sie können auch den Autornamen anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

 

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