8. Woche - NGC 1333, Sternentstehungsgebiet im Perseus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW dreht sich um ein bekanntes und oft fotografiertes Deep-Sky-Objekt, um den Reflexionsnebel NGC 1333 im Perseus. Das Bild zeigt Norden links und Osten unten bei einem Feld von 125´ x 94´. Bildautor Peter Knappert wohnt im Hochschwarzwald und betreibt dort auch seine Astrofotografie. Er unternimmt aber in seinem Urlaub gelegentlich Astro-Exlursionen, um an noch dunkleren Orten noch tiefer in den „deep sky“ vorzustoßen. Dabei ist Südfrankreich sein bevorzugtes Ziel. Auch das heutige AdW entstand dort, am 08.09.2018 in Cornillac, Drome Provence. Das Teleskop, ein TMB LZOS 105 mit Riccardi-Reducer, hat 105 mm Öffnung und 500 mm Brennweite (Blende 4,8). Als Kamera kam eine Moravian G2-8300-FW zum Einsatz. Belichtungszeit: Luminanz 3 h, RGB 2,5 h. Die Montierung – eine Vixen GPD2 – sitzt auf einem Berlebach Planet, die Nachführkontrolle geschieht über Offaxis-Guiding (MTS-3SDI, ASI 290mm, PHD2 Guiding). Für die Bildbearbeitung wurde CCDStack, PixInsight und Photoshop CS4 verwendet.

Jetzt die gewohnten Informationen für all diejenigen, die neben den Aufnahmedaten auch etwas über das fotografierte Motiv erfahren möchten. NGC 1333 befindet sich in der riesigen Perseus-Molekülwolke. Als Entfernung darf man nach T. Preibisch (2003), Astronomy & Astrophys. 401, 543-555, etwa 310 pc (~ 1000 Lj) annehmen, wobei unterschiedliche Astronomen je nach Messmethode unterschiedliche Entfernungen gemessen haben. Die Molekülwolke enthält genügend Material für eine bis heute andauernde Sternentstehung. So ist es kein Wunder, dass infrarote Aufnahmen sehr viele junge Sterne zeigen. Im fortgeschrittenen Stadium sind das zum Großteil T-Tauri-Sterne. Die Verteilung aller YSOs (young stellar objects) zeigt zwei deutlich voneinander getrennte offene Sternhaufen innerhalb von NGC 1333. Der erste Sternhaufen befindet sich verborgen im gesamten leuchtenden Nordteil des Nebels. Sein hellster Einzelstern ist der B8-Stern BD+30°549 mit V = 10,5 mag. Er steht im Zentrum des bläulichen runden Lichtscheins und genau er ist es, der den Nebel zum Reflexionsnebel macht. Der hellste Stern des Südhaufens, BD+30°547, ist ebenfalls ein B-Stern mit V ~ 10 mag bei den Pixelkoordinaten (943/730). Parallaxenmessungen (Hipparcos) ergeben für BD+30°549 und BD+30°547 gemäß Datenbank Simbad eine nahezu gleiche Entfernung von 960 bzw. 950 Lj.

In der gesamten Nebelregion verteilt, aber besonders gut im Südbereich zu erkennen, liegen einige rötliche Fleckchen. Die Astronomen Herbig und Haro haben sich um die Erforschung dieser Objektklasse besonders verdient gemacht, daher werden diese Nebelchen auch „Herbig-Haro-Objekte“ (HH-Objekte) genannt. In anderen jungen Sternentstehungsgebieten findet man sie ebenfalls. HH-Objekte beherbergen sehr junge Sterne. Sie erzeugen in ihrem Entwicklungsstadium Ausflüsse, die nach außen wegfliegen und mit dem direkten Umgebungsmaterial wechselwirken. Für Astrofotografen wichtig: Die HH-Objekte leuchten bekanntlich zum Großteil im roten Hα-Licht, dazu auch im roten [S II]-Licht. Im aktuellen AdW finden wir HH 12 bei den Pixelkoordinaten (858/733). Etwas südöstlicher davon (nach rechts unten) liegt bei (922/756) das knotige Gebiet HH 7-11. Und bei (893/688) erkennt man den gelblichen Reflexionsnebel GN 03.25.6, dessen Südbereich (rechts) bogenförmig verläuft.

Noch zwei weitere Reflexionsnebel sollen kurz angesprochen werden. Oben im Bereich des linken Bildrandes liegt bei (510/78) der gelbe und strähnige Nebel [RK68] 7 aus dem Katalog von Rojkovskij und Kurchakov 1968. Dieser Nebel wird durch den Stern HD 21110, einen gelben K4-Riesen von V = 7,3 mag, erleuchtet. Rechts oben befindet sich bei (1203/150) der blaue Nebel [RK68] 8, der durch den 9,2 mag hellen B8-Hauptreihenstern BD+30°540 angestrahlt wird. Das wären doch einmal Objekte für längere Brennweiten, und man kenbnt sie wohl kaum.

Die Koordinaten (J2000.0) werden in der Datenbank Simbad für meine Begriffe nicht angemessen angegeben. Die objektzentrierte Wiedergabe steht für uns Astrofotografen im Vordergrund. Für uns ist es immer günstig, die Koordinaten für denjenigen Punkt im Nebel anzugeben, für den innere und äußere Objektdetails in einem passenden Umkreis stehen. So ist es hier auch geschehen.

Anmerkungen zum Bild: Der Bildautor verdeutlicht dank des sehr guten Himmels sehr schön, wie und in welchem Maß NGC 1333 in der umgebenden interstellaren Materie steckt. Die Fülle der verschiedensten Nebel im Wechselspiel mit dunklen Staubwolken ist bemerkenswert! Sehr markant fällt z.B. die riesige, verästelte Dunkelwolke LDN 1450A auf, die den direkten Südbereich von NGC 1333 abschattet und kaum Licht des Hintergrundes durchlässt. Noch eine zweite Anmerkung sei gestattet. Im Bild fehlt nach meinem Objektempfinden (nicht nach meinem Geschmack!) ein wenig Rot. Erkennbar wird das an den Herbig-Haro-Objekten, die im sichtbaren Spektralbereich – wie weiter oben beschrieben – sowohl in Hα als auch in [S II] emittieren. Vielleicht lässt sich die Kalibrierung der Farben noch ein wenig optimieren?

Für dieses informative Bild ein herzliches Dankeschön, und zum gelungenen AdW die Gratulation unseres gesamten Teams!

Peter Riepe

 

Koordinaten von NGC 1333 (J2000.0):

RA = 03 h 29 min 07 s, DE = +31° 21´ 15´´

 

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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