Aus dem Weltall zu Gast in Blaubeuren

 -  Aktuelles aus der Astronomie
Meteorit "Blaubeuren" Bildnachweis: DLR

Schwerster Steinmeteorit Deutschlands wird bis zum

25. Oktober 2020 im Urgeschichtlichen Museum ausgestellt

Wer in Blaubeuren in der Erde gräbt, kann spannende Sachen finden: „Das einmalige weit verzweigte Höhlensystem unter dem Blautopf und die ältesten Kunstwerke der Welt haben wir in unserer Region schon entdeckt“, sagt Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold. „Und jetzt dieses Geschenk des Himmels!“ Gemeint ist der schwerste Steinmeteorit Deutschlands. 1989 von einem Blaubeurer in seinem Garten beim Ausheben eines Kabelgrabens gefunden, dann Jahrzehnte lang unerkannt herumgelegen und erst kürzlich als größter je in Deutschland gefundener Steinmeteorit der Öffentlichkeit vorgestellt. Von 30. Juli bis 25. Oktober dieses Jahres wird der Rekord-Meteorit nun im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) ausgestellt. Das verkündete Seibold am Mittwoch, 29. Juli, auf einer Pressekonferenz.

Der Stein, der aus der Entstehungsphase unseres Sonnensystems stammt, ist viereinhalb Milliarden Jahre alt, vermutlich schon vor mehreren hundert Jahren vom Himmel gefallen und seitdem weitgehend der Verwitterung ausgesetzt gewesen. „Bei der ersten Begutachtung des Steins tippte ich auf Eisenerz“, sagt Dieter Heinlein, Astrophysiker und Meteoritenexperte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er hat den Fund als erster Fachmann analysiert: „Doch dann griff ich zur Diamantsäge. Und in den geschnittenen Stücken erblickte ich die für Steinmeteorite typische Matrix aus Millimeter kleinen Chondren. Kügelchen, die bei der Entstehung des Sonnensystems entstanden und die Urbausteine aller Planeten darstellen.“ Außerdem entdeckte Heinlein typische Einschlüsse von Eisen und Nickel. Damit war gesichert, dass es sich bei dem Fund um einen Stein aus dem Weltall handelte. Und mit 30 Kilogramm Gewicht um den schwersten seiner Art in Deutschland.

Der Meteorit kann besonders mit seinen inneren Werten beeindrucken: Wenn etwa die nur wenige tausendstel Millimeter dicken Dünnschliffe unter dem Mikroskop liegen, leuchten mal runde, mal längliche Einschlüsse in allen erdenklichen Farben wie in einem modernen Kunstwerk. Das zu entschlüsseln ist die jetzt anstehende Aufgabe für Heinlein: „Derzeit laufen viele Untersuchungen, was die Mineralzusammensetzung oder die Isotopen in dem Stück angeht, um noch mehr von der kosmischen Herkunft und Geschichte des Gesteins zu erfahren.“

Steine, die aus dem Weltall auf die Erde fallen, haben keine Vorbesitzer. Wer sie findet, darf sie behalten und über sie bestimmen. So verhält es sich auch mit dem neuen Sensationsfund, dem Meteoriten, der offiziell den Namen „Blaubeuren“ trägt. „Als Stadt sind wir dem Finder, Herrn Hansjörg Bayer, sehr dankbar für seine Aufmerksamkeit und Umsichtigkeit“, sagt Bürgermeister Seibold. Der Finder, der in jüngster Zeit einen wahren Medienrummel erlebt hat, möchte dass die Aufmerksamkeit künftig dem Meteoriten zukommt. Dazu solle er dauerhaft in einem Museum ausgestellt werden. „Natürlich hat die Stadt ein Interesse an einer dauerhaften Präsentation des Meteoriten „Blaubeuren“. Die Entscheidung liegt aber beim Eigentümer und wird respektiert“, sagte Seibold, „wir sind jetzt erst mal froh, dass wir den Meteoriten bei uns im Urgeschichtlichen Museum zeigen können und die erste Neugier nach seinem plötzlichen Berühmtwerden stillen können.“

 

 

Weitere Informationen über den Sensationsfund auf der Internetseite des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt – https://www.dlr.de/content/de/artikel/news/2020/03/20200715_groesster-deutscher-steinmeteorit-in-blaubeuren-gefunden.html

 

 

Über das urmu:

Das urmu liegt inmitten der Steinzeithöhlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Das Museum für altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen erklärt das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“.

Öffnungszeiten: Di bis So und feiertags, 10 bis 17 Uhr – www.urmu.de

 

Hinweise auf die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie:

Im Museum sind Mund-Nase-Masken zu tragen. In den Räumen sind die angegeben maximalen Besucherzahlen einzuhalten. Daher sollte für den Besuch etwas mehr Zeit eingeplant werden, vor allem an Wochenenden. Dafür haben Gäste die Chance auf eine sehr persönliche und ungestörte Begegnung mit dem kosmischen Ausstellungsstück.

 

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