Der König der Monde

 -  Aktuelles aus der Astronomie  - 
Roberto Molar-Candanosa, Carnegie Institution for Science

der Königsplanet, sondern auch der König der Monde: Ein internationales Astronomenteam unter der Leitung von Scott Sheppard von der Carnegie Institution of Science in Washington meldet die Entdeckung von zehn weiteren Begleitern des größten Planeten unseres Sonnensystems. Damit umkreisen Jupiter insgesamt 79 Monde unterschiedlichster Größe auf höchst unterschiedlichen Bahnen. Die Entdeckungen wurden heute – wie in solchen Fällen üblich – online in einem „IAU Circular“ der Internationalen Astronomischen Union bekannt gegeben.

Es handelt sich um einen Zufallsfund: Sheppard und seine Kollegen waren eigentlich auf der Pirsch nach anderer Beute. Mit einem Großteleskop, dem vier Meter großen Blanco-Spiegel des Inter-American Observatory auf dem Cerro Tololo in Chile, waren die Forscher auf der Suche nach einem weiteren großen Planeten weit draußen in unserem Sonnensystem. „Jupiter befand sich rein zufällig in der Nähe der Himmelsregionen, in denen wir nach diesem weit entfernten Himmelskörper gesucht haben“, sagt Sheppard. „Deshalb konnten wir einfach nebenbei Ausschau nach bislang unbekannten Monden von Jupiter halten.“

Mit Erfolg – insgesamt gingen dem Team zwölf neue Monde ins Netz. Vor einer Bekanntgabe mussten die Forscher allerdings sicher sein, dass es sich tatsächlich um Monde handelt, nicht um zufällige Objekte im Hintergrund und vorbei fliegende Asteroiden. Die Umlaufbahnen von zwei der Himmelskörper ließen sich recht schnell bestimmen, ihre Entdeckungen wurden bereits 2016 und 2017 gemeldet. Doch bei den anderen zehn Objekten dauerte es länger – erst nach über einem Jahr weiterer Beobachtungen waren die Umlaufbahnen genau genug bestimmt, um eine gesicherte Entdeckung der Monde zu melden.

Bei allen neuen Begleitern handelt es sich um kleine Himmelskörper mit Durchmessern von nur einem bis drei Kilometern. Neun der neuen Monde lassen sich drei Gruppen von Begleitern zuordnen, die den Jupiter weit außen „retrograd“ – also entgegen der Rotationsrichtung des Planeten – mit Umlaufzeiten von etwa zwei Jahren umkreisen. Die Astronomen vermuten, dass diese Trabanten bei Zusammenstößen aus drei größeren Objekten entstanden sind. Zwei der Monde kreisen in normaler Umlaufrichtung mit Umlaufzeiten von etwa einem Jahr auf sehr ähnlichen Bahnen – auch hier vermuten die Forscher, dass es sich um Fragmente eines ursprünglich größeren Objekts handelt.

Der zwölfte der neu entdeckten Monde – vorläufig auf den Namen „Valetudo“ getauft – bewegt sich auf einer ganz ungewöhnlichen Bahn: Sie ist stärker gegen die normale Bahnebene der anderen Monde geneigt und kreuzt die Orbits der retrograd kreisenden Monde. „Das ist eine instabile Situation“, so Sheppard, „ein Frontalzusammenstoß würde das Objekt zerstören.“ Möglicherweise ist dieser seltsame Mond das letzte Bruchstück eines größeren Begleiters, der bei Kollisionen mit anderen Monden zur Entstehung der retrograd umlaufenden Mond-Gruppen geführt hat.

Quelle: www.eurekalert.org/emb_releases/2018-07/cifs-adn071018.php

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