Der Sternenhimmel ganz nah - Astrourlaub, auch für Rollstuhlfahrer

 -  Erfahrungsberichte

Nur 70 km westlich von Berlin sei die Nacht so dunkel, dass die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht erstrahlt. Etwas ungläubig dachten wir an nächtliche Augenblicke in fernen Ländern, wo die Sterne zu tausenden zum Greifen nahe schienen. Doch bei Berlin?

Unser Interesse war geweckt, zumal die Ferienhausvermietung Liane Zemlin in Lochow, mitten im Naturpark Westhavelland, eine rollstuhlfreundliche Unterkunft anbietet. Denn diese benötigen wir, weil meine Frau und ich beide Rollstuhlfahrer sind. Das Ferienhaus ist sehr geräumig. Die Ausstattung für Gäste mit dem Rollstuhl ist optimal, wenn man, wie wir, kein Pflegebett benötigen. Ein Pflegebett ist aber auf Anfrage möglich.  

Gemeinsam mit Freunden reisten wir zum Sterne beobachten. Die Lage des Ferienhauses kann idyllischer nicht sein. Angekommen, erkundeten wir bei einem Spaziergang die Umgebung. Nur ein paar wenige Häuser gibt es hier. Gleich dahinter durchrollten wir eine urige Auenlandschaft mit Wiesen und Bächen. Auf der anderen Seite der Siedlung erwartete uns ein kleiner See. Eine unglaubliche Ruhe breitete sich hier aus, nur vom gelegentlichen Plätschern der Wellen oder von Vogelrufen durchbrochen. Die Wege sind recht uneben, so dass eine Schiebehilfe oder Elektropower benötigt wird. Wir nutzten unsere Swiss-Tracs als Elektrozuggeräte für unsere Rollstühle und kamen damit gut zurecht.

Der Vermieter, Herr Zemlin, bot uns am Abend eine 2 stündige Sternführung an. Bei Einbruch der Dunkelheit trafen wir uns am Sterne-Beobachtungsplatz im Nachbargarten. Auf einem stabilen Stativ war ein Celestron NexStar Evolution 6 aufgebaut, ein mobiles, computergesteuertes Teleskop. Dank WLAN kann mit einem Tablett gesteuert werden, so dass uns keine Kabel störend im Weg waren. Ein erster Test ergab, dass das Stativ zudem geschickt positioniert worden war. Trotz der ausladenden Stativbeine kamen wir gut an das Teleskop heran.
Nachdem wir beide getestet hatten, dass alles auch für uns im Rollstuhl akzeptabel eingestellt war, wurde das helle, störende Licht gelöscht. Unsere Augen mussten sich nämlich erst einmal langsam an die Dunkelheit gewöhnen. Dies dauert ungefähr eine halbe Stunde. Damit wir uns trotzdem orientieren konnten, wurde ein rotes Lämpchen eingeschaltet. Diese Farbe stört die HellDunkel-Adaption des Auges nicht.  

Die Zeit nutzte Herr Zemlin, um uns die Geschichte der Sternebeobachtung im Westhavelland zu erzählen. Das Gebiet ist vergleichsweise nur dünn besiedelt, die des Nachts abgestrahlte künstliche Lichtmenge somit recht gering. Ergänzende Massnahmen wurden ergriffen, wie eine richtig platzierte Beleuchtung und entsprechende Lichtfarben. Durch gemeinsame Anstrengungen im öffentlichen und privaten Bereich gegen die sonst allgegenwärtige Lichtverschmutzung entstand eine der dunkelsten Regionen Deutschlands. Einer der Gründe, weshalb der Naturpark Westhavelland 2014 von der International Dark Sky Association 2014 als erster Sternenpark Deutschlands anerkannt wurde. Je dunkler der Himmel, desto heller sehen wir natürlich die Sterne.  Eine gute Überleitung, um uns von den Planeten, Sternen, Galaxien und planetarischen Nebeln zu erzählen. Untermalt hat Herr Zemlin dies mit Bildern auf seinem Tablett und einem selbstgebauten Lichtkasten der Milchstrasse. Weiterhin nutzten wir den Lichtkasten um mittels Sternenkarte selbst die Sternenbilder am Himmel zu entdecken.

In der Zwischenzeit war die Nacht ganz hereingebrochen. Strahlend hell leuchtete an dem Abend der Jupiter. Doch durch das Teleskop sahen wir ganz klar auch 4 seiner Monde, unglaublich, dass dies sogar nur mit einem Handy fotografisch festgehalten werden konnte. Als wir danach noch einen Blick auf den Saturn warfen, um seine Ringe zu betrachten, begann sich der  Mond über dem Horizont zu erheben. Sein Licht überstrahlte Teile des Himmels. Was sich im ersten Moment als etwas störend erwies, stellte sich dann aber, zumindest für uns Astrolaien, als einmalige Gelegenheit dar. Es war fast Vollmond und wir hatten einen ungetrübten Blick auf die Mondkrater, so nah, so plastisch, jede Einzelheit war erkennbar. Für uns war dies ein einzigartiges Erlebnis. Bei einem nächsten Besuch werden wir vorher trotzdem die Mondphasen im Auge behalten.  

Faszinierend war, daß trotz der Mondhelligkeit am Himmel immer noch bedeutend mehr Sterne zu sehen waren, als wir es selbst bei dunkleren Nächten in Berlin erleben. Und so konnte der helle Mond uns nicht davon abhalten, uns interessanten Deep-Sky-Objekten zu widmen. Über das Tablett richteten wir das Teleskop erst auf den Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules aus, bestaunten die Andromeda-Galaxie und den Planetarischen Nebel M57 im Sternbild Leier. Diese Objekte befanden sich an den unterschiedlichsten Stellen am Himmel und das Teleskop war 

 
entsprechend unterschiedlich positioniert. Wir waren begeistert, dass es trotzdem möglich war, im Rollstuhl ebenso gut durch das Okular schauen zu können, wie die „Fussgänger“. Am beeindruckendsten fanden wir jedoch den Blick auf den offenen Sternhaufen H & Chi im Sternbild des Perseus. Mit blossem Auge glitzern alle Stern irgendwie gelblich. Doch die Nahansicht zeigt, das viele auch in Blautönen leuchten, eine Folge verschiedener Sterntemperaturen. Durch das Teleskop hatten wir den Eindruck, auf eine Handvoll glitzernder Diamanten zu schauen.
Petra und Horst Rosenberger (www.hope-rosenberger.de)

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