11. Woche - NGC 2683, eine Spiralgalaxie im Luchs

 -  Astrofoto der Woche  - 

Und wieder eine Galaxie, diesmal aus dem Sternbild Luchs. Dort befindet sich NGC 2683, eine Spiralgalaxie des Typs Sb/Sc in sehr starker Schräglage, fast schon in Kantenlage ("edge-on"). Die NASA Extragalactic Database (NED) gibt 9,3' x 2,2' für den scheinbaren Durchmesser an. Niemanden, der das AdW als regelmäßige Rubrik kennt, wird es wundern: Dieser Wert ist zu klein, basiert er doch auf Auswertungen alter fotografischer Platten. Im aktuellen AdW werden dagegen bis in die schwächsten Außenpartien 11,3' x 3,6' gemessen. Das ist deutlich mehr! Aus der NED folgt auch eine Radialgeschwindigkeit von 411 km/s. Sie zeigt: NGC 2683 liegt relativ nahe im "Lokalen Universum", welches bis etwa 35 Mio. Lj hinausreicht. Und welche reale Entfernung (Lichtlaufzeit) hat die Galaxie? Das ist in der Fachliteratur sehr uneinheitlich. Der kleinste Wert liegt bei 5,7 Mpc (18,5 Mio. Lj), der größte bei 14 Mpc (45,7 Mio. Lj) - so riesig ist die Spannweite. Das mag einmal ein Hinweis an diejenigen Astrofotografen sein, die mit großem Eifer auf ihrer Webseite notieren: Entfernung 25 Mio. Lj., so als wäre das absolut klar. Als Astrofotograf muss man sich ebenso mit Streuungen anfreunden wie mit dem Rauschen. Natürlich darf man jetzt sagen: Dann nehmen wir doch den Mittelwert. Das sind 9,85 Mpc (32 Mio. Lj). Und genau das ist die Glättung, die dann die unterschiedlichen Messwerte "weichzeichnet".

Die Farbe von NGC 2683 zeigt einen gelben inneren Kernbereich, stark von Staubwolken durchsetzt. Hier liegen alte Sterne vor. Der äußere Bereich geht eher in die Richtung weißlich mit bläulichen Armen, wobei die bläuliche Farbe mit den vielen Sternentstehungsgebieten kräftiger zur Geltung kommen könnte - eine Folge der nicht so guten Transparenz im hohen Norden. Und NGC 2683 besitzt - ebenso wie unsere Milchstraße - zahlreiche Begleitgalaxien. Vor kurzer Zeit wurde von der TBG-Gruppe der Fachgruppe Astrofotografie ein sehr lichtschwacher Begleiter entdeckt. Das als GALEXASC J085326.78+331818.3 katalogisierte Objekt wurde im Anschluss an unsere tiefen Amateuraufnahmen mit dem russischen 6-m-Teleskop in Hα und im roten Kontinuum belichtet, dazu spektroskopisch vermessen. Die heliozentrische Radialgeschwindigkeit des Zwergs konnte durch die russischen Profis zu 325 km/s bestimmt werden. Sogar auf diesem AdW ist das Objekt bei den Pixelkoordinaten (1435/2204) deutlich abgebildet, muss aber zur Sichtbarmachung im Kontrast stark angehoben werden (hier klicken). Unsere eigene Fotometrie (Harald Tomsik) ergab eine scheinbare visuelle Helligkeit von 18,33 mag (± 0,11 mag). Legt man 9,85 Mpc wie für NGC 2683 als Entfernung zugrunde, dann kommt der Zwerg bei einem Entfernungsmodul von 29.98 mag auf eine visuelle Absoluthelligkeit von -11,65 mag. Damit hätte der neue Begleiter von NGC 2683 in etwa die gleiche Leuchtkraft wie IC 10, eine der bekannten Begleitgalaxien des Andromedanebels - allerdings 13-mal weiter weg als dieser.

Gotthard Stuhm, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, hat in der Zeit zwischen Januar und Anfang März dieses Jahres die Galaxie von Flensburg aus belichtet. Optik war ein 300-mm-Newton (TS ONTC) mit 1530 mm Brennweite, dazu als Kamera eine astromodifizierte DSLR des Typs Canon 600 D. Bei ISO 800 bis 1600 wurden fast 250 Einzelaufnahmen zwischen 60 s und 150 s getätigt, das ergibt in Summe 8,8 Stunden. Weitere technische Details: Montierung EQ6, Nachführung mit Lacerta MGEN (Dithering aktiviert), Software: Pixinsight, Fitswork,  NeatImage, keine Flats / keine Darks bei durchschnittlichem Himmel.

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Gotthard Stuhm präsentiert uns ein Bild, welches handwerklich gut gemacht ist. Der Fokus sitzt, das Guiding lief gut und so hat Herr Stuhm, unter vermutlich nicht optimalen Bedingungen, dem Flensburger Himmel ein gutes Bild abgetrotzt. Die Belichtungszeit in Summe ist mit knapp 9 h schon üppig, unterteilt wurden diese in viele Einzelaufnahmen zwischen 60 s und 150 s. Eine Vorgehensweise, die durchaus funktioniert und somit ihre Berechtigung hat, aber man hätte es hier einfacher haben können, indem man die Belichtungszeit einheitlich und länger gewählt hätte. Eine einheitliche Vorgehensweise vereinfacht die anschließende Datenreduktion. Wo wir bei einem weiteren Kritikpunkt wären. Es wurden keine Darks und Flats verwendet. Auf Darks kann man durchaus verzichten, die Auswirkungen dadurch sind erträglich. Flats hätten allerdings einen erheblichen, positiven Einfluss auf das hier gezeigte Bild gehabt. Mit einer Flatfieldfolie ist das Erstellen von Flats so einfach geworden, dass es eigentlich keinen Grund gibt, keine Flats zu machen. Solche Folien sind auch, im Vergleich zum Rest der Ausrüstung, günstig zu erwerben. Man erkennt die Auswirkungen der fehlenden Flats freilich erst, wenn man das Bild einmal etwas aufhellt. Bei Galaxien, die zentral im Bild stehen, ist ein fehlendes Flat dann weniger kritisch wie etwa bei einem weitläufigeren Nebel.

Die Bildbearbeitung ist sehr gut. Es gibt also viele Dinge, die bei der Aufnahme schon sehr gut umgesetzt wurden. Wir ermutigen Herrn Stuhm dazu, Kalibrationsbilder zu erstellen und so zu noch besserem Ausgangsmaterial für die Bildbearbeitung zu gelangen.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Objektkoordinaten (J2000):

RA = 08 h 52 min 41 s, DE = +33° 25´ 18´´

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