12. Woche - Der Rosettennebel – einmal anders

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im AdW 13-2017, also fast vor einem Jahr - zeigten wir den Rosettennebel NGC 2237-46, eine große HII-Region von 1,5° Winkeldurchmesser um den offenen Sternhaufen NGC 2244. Jetzt erhielten wir freundlicherweise eine neue Falschfarbendarstellung des Nebels in Anlehnung an die Hubble-Palette. Alle Fakten zu diesem Objekt wurden 2017 ausführlich vorgestellt, daher kann der Teil zum Objekt diesmal kürzer ausfallen.

Bildautor Peter Remmel ist Fachgruppenmitglied und Vorsitzender der Sternwarte Limburg e.V.  (siehe http://sternwarte-limburg.de/). In der Zeit vom 5. bis 13. Februar dieses Jahres nahm er das Motiv von Kirberg aus auf. Dabei nutzte er ein Celestron 14 Hyperstar mit 350 mm Öffnung und 688 mm Brennweite. Mit diesen Werten kommt diese Optik auf ein Öffnungsverhältnis von 1:1,9. Das entspricht einer Apertur von f/1,9 (der Unterschied zwischen Öffnungsverhältnis und Apertur wird vielfach nicht verstanden). Kamera war eine QHY9. Belichtet wurde insgesamt 3 h 45 min, im Detail: Hα 13 x 300 s, [OIII] 14 x 300 s, [SII] 18 x 300 s. Die Bildbearbeitung erfolgte in Regim und PixInsight, dazu ein wenig Photoshop

Das AdW zeigt Norden oben und Osten links (wie astronomisch üblich). Der Bildausschnitt von 1,3° x 1,0° bedeutet, dass der Rosettennebel nicht ganz in seiner vollen Ausdehnung erfasst ist. Das macht aber gar nichts, denn hier geht es um „tiefe Einblicke“ in den Nebel, und das ist diesmal wunderbar gelungen. Die gewählte Farbdarstellung resultiert aus der Filterverwendung. Frank Sackenheim schreibt in seinem Part unten, dass eine sehr geschmackvolle Darstellung gewählt wurde und die Details ebenso sehr schön herausgearbeitet wurden, so dass sich ein sehr schöner, plastischer Eindruck ergibt. Hier anknüpfend füge ich an: Die gewählte Darstellung ist sehr realitätsnah, denn sie zeigt sehr deutlich, dass die bräunlich leuchtenden Außengebiete klar in die schwarz-dunkle Nebelumgebung übergehen. Das Plastische daran ist, dass der blaue Nebelanteil offenbar weiter im Hintergrund liegt. Damit bildet er eine in die Molekülwolke nach hinten hineinreichende Höhle, durch die wir auf den Sternhaufen blicken. Er steht „solo“, hat also den Rosettennebel erst durch Wegblasen der Staub- und Molekülreste als Leuchterscheinung ermöglicht. Wäre diese weggeblasene interstellare Materie unbeweglich um den Sternhaufen verharrt, sähe man heute nichts vom Emissionsnebel, weil die Materie dann alles verdecken würde. Schön wird auch erkennbar, dass die bläulich leuchtenden Hochgeschwindigkeitsknoten südwestlich und südlich des Sternhaufens weiter innen im Rosettennebel liegen, während die rotbräunlichen bzw. rötlichen hellen Ränder der Ionisationsfronten weiter im Vordergrund am Übergang zu der Molekülwolke zu finden sind. Diese Realitätsnähe fällt mir hier erstmals so krass auf. Gratulation, Peter Remmel! Üblicherweise erwecken (L)RGB-Aufnahmen nämlich den Eindruck, ein rot leuchtender Emissionsnebel stünde isoliert und ohne Bindung an eine Molekülwolke im dunklen Raum.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Die heutige Aufnahme entstand mit einem Schmidt-Cassegrain-Teleskop C14 bei einem sensationellen Öffnungsverhältnis von 1:1,9 bzw. f/D = 1,9 und einer Brennweite von 688 mm. Möglich ist das durch die sogenannte Hyperstar-Konfiguration. Dabei wird die Kamera mittels einer zusätzlichen Optik im Primärfokus des Schmidt-Cassegrains betrieben. In den 1990er Jahren hat Celestron diese Konfiguration unter dem Namen Fastar eingeführt, doch Mitte der 2000er Jahre wieder vom Markt genommen. Etwa zur gleichen Zeit hat die Firma Starlight eine solche Optik unter dem Namen Hyperstar angeboten. Der eigentliche mechanische Umbau eines SC Teleskops, und damit die Vorbereitung des SC Teleskops für den Hyperstar-Betrieb, wird als Fastar-Umbau-Kit angeboten. Danach kann die Hyperstar-Optik adaptiert werden. Fastar und Hyperstar meinen häufig dasselbe, auch wenn es sich um zwei verschiedene Produkte handelt. Warum diese Optik erst in den letzten Jahren so populär geworden ist, darüber kann man nur spekulieren. Womöglich liegt es an den immer leistungsfähigeren Kameras, die darüber hinaus heute gerne in zylindrischen Gehäusen verbaut werden, was der Hyperstar Konfiguration sehr zuträglich ist.

Zum Bild selber: Es handelt sich um eine klassische Hubble-Palette, die bei der Farbgebung ja viele Freiheiten erlaubt. Diese Freiheit hat sich Peter Remmel genommen, und eine sehr geschmackvolle Darstellung gewählt. Die Details wurden ebenso sehr schön heraus gearbeitet, und so ergibt sich ein sehr schöner, plastischer Eindruck. Zoomt man in das Bild hinein, erkennt man links unten, im Bereich des Himmelshintergrund bzw. der sehr schwachen Nebelausläufer eine feine Textur. Dieses Streifenmuster (man erkennt den Richtungsverlauf sehr deutlich an dem roten Hotpixel) ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Aufnahmen nicht gedithert wurden. Dithern ist nicht nur eine Mode, oder ein Mittel um kosmetische Reperaturen vorzunehmen. Es ist vielmehr eine durchdachte Methode, die nötig wird, sobald man mit Kalibrationsbildern arbeitet (Stichwort Kalibrationsrauschen). Wir ermutigen Peter Remmel und alle mitlesenden Astrofotografen unbedingt, Astrofotografien zu dithern. Auch wenn das etwas Belichtungszeit kostet und auch das Bildfeld dadurch etwas eingeschränkt wird, verbessert Dithern die Bildqualität dramatisch. Natürlich immer vorausgesetzt, man legt Wert auf perfekte Aufnahmen in druckfähiger Qualität.

Wir gratulieren Peter Remmel zu der gelungenen Aufnahme und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 06 h 31 min 40 s, DE = 04° 57' 48"

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