12. Woche - Sternhaufen im Fuhrmann

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW zeigt uns einen Blick in das Sternbild Fuhrmann (Auriga) mit verschiedenen offenen Sternhaufen und leuchtenden Nebeln. Norden ist auf 10 Uhr bei 143' x 94' Bildfeld. Dominierender Sternhaufen im Bildfeld ist links Messier 38. Sein Durchmesser beträgt etwa 24'. Er ist ca. 4500 Lj entfernt und 375 Mio. Jahre alt (Jacobson 2002). Rund 30 Bogenminuten südlich (hier nach rechts) schließt sich NGC 1907 an. Die früher diskutierte physikalische Zusammengehörigkeit zu M 38 dürfte erledigt sein, denn NGC 1907 ist mit 5700 Lj erheblich weiter entfernt als M 38. Das Alter liegt bei 310 Mio. Jahren (Pandey 2007). Verlängert man die Strecke von M 38 nach NGC 1907 einmal um sich selbst nach Süden (rechts), so stößt man auf den unscheinbaren Sternhaufen Alicante 11. Noch ein Stückchen weiter liegt der Emissionsnebel IC 417 (Sh2-234). Westlich von ihm (hier also knapp oberhalb) ist der Sternhaufen Stock 8 zu sehen. Er besteht aus etlichen jungen, heißen OB-Sternen, die IC 417 zur Emission anregen. Stock 8 und Alicante 11 sind mehr als 9000 Lj entfernt.

 

Oben im Bild erstreckt sich ein roter Nebel über rund 1,3°. Dieser Nebel, im Lynds-Katalog als Nr. 794 eingetragen, hat in seiner direkten Umgebung keinen heißen, blauen O-Stern zur Emissionsanregung. Daher sieht man auch keine typischen "bright rims". Das passt zu einer interessanten Theorie von Kang, Koo und Salter (2012). Danach könnte es sich um den Südwestteil eines 2° großen, alten Supernovarestes handeln. Belegt wird das durch Messungen im Radiokontinuum bei 11 cm Wellenlänge. Dort zeigt sich tatsächlich eine rundliche Filamentstruktur. Diese reicht im Nordosten (hier nicht mehr im Bild) an die HII-Region Sh2-232 heran. Wäre das nicht einmal ein Motiv für Tiefbelichter???

 

Ein auffälliger Stern liegt rechts unten in der Bildecke. Was ist daran so außergewöhnlich? Seine extrem rote Farbe. Es handelt sich um den veränderlichen Stern S Aurigae. Der 8,2 mag helle Stern hat einen extrem hohen Farbindex, nämlich B-V = 5,28 mag. Im Blauen ist er demnach nur 13,48 mag hell. So extrem rot sind nur die so genannten Kohlenstoffsterne, zu denen auch S Aurigae gehört.

 

Fachgruppenmitglied Karsten Möller reichte dieses Bild ein. Als Teleskop wurde ein Skywatcher ED80 mit 510 mm Brennweite verwendet, dazu eine Canon EOS 400 Da, alles auf einer Montierung des Typs Skywatcher NEQ6 mit Sucherguiding. Das Farbbild wurde 6 x 600 s und 69 x 300 s bei ISO 800 belichtet. Hinzu kam eine Hα-Belichtung von 26 x 600 s bei ISO 1600 mit Optolong-Filter (HWB = 12 nm). Bildgewinnung mit APT, Bearbeitung mit Pixinsight. 

 

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Das Bild von Karsten Möller zeigt eines der prominentesten Sternhaufenpaare des nördlichen Himmels. Oft werden Sternhaufen von Astrofotografen nur als kurzbelichtete Lückenfüller benutzt, wenn die Zeit für richtig tiefe Belichtungen anderer Objekte nicht ausreicht. Karsten Möller hat es hier einmal anders gemacht, und dem Objekt einige Stunden gewidmet. Zusammen mit dem eher ungewöhnlichen Bildausschnitt und dem Beifang in Hα ergibt sich eine ganz andere, eher selten gezeigte Sicht auf M 38 und NGC 1907.

 

Auffällig im Bild sind die extremem Halos, vor allem um die helleren Sterne. Während diese bei den hellen Sternen eher stören und das Auge des Betrachters von den eigentlichen Objekten ablenken, betonen sie bei den schwächeren Sternen schön die Sternfarben. So kommen diese besonders zur Geltung. Solche Halos können unterschiedliche Ursachen haben. Durchziehende Zirruswolken oder leichter Tau auf der Optik können Gründe sein, aber auch mangelhaft vergütete Filter oder Linsen im Strahlengang. Im vorliegenden Fall könnte der verwendete Reducer, oder ein Filter der Verursacher der Halos sein. Durch systematische Tests lässt sich der Übeltäter sicher leicht bestimmen.

 

Zoomt man ins Bild hinein, fällt noch etwas auf, nämlich ein unruhiger Hintergrund, nicht untypisch für Aufnahmen mit DSLR-Kameras. Man erkennt eine Drift, die von links unten nach rechts oben im Bild verläuft. Dies ist ein Effekt, der durch eine ungenaue Polausrichtung zustande kommt, bei einer mobilen Ausrüstung aber kaum zu vermeiden ist. Um dieses Streifenmuster zu vermeiden, empfiehlt es sich unbedingt die Aufnahmen zu dithern. Das heißt, nach jeder Einzelaufnahme wird das Bildfeld der Kamera durch die Autoguidersoftware leicht versetzt. In der anschließenden Bildverarbeitung rechnen sich solche Artefakte dann durch die sogenannnte Rejection heraus. Außerdem sollte man die Darks sehr sorgfältig erstellen (bezüglich ihrer Temperatur) oder im Zweifel keine Darks verwenden.

 

Zum Dithering mit DSLR Kameras gibt es ein paar Missverständnisse in der Amateurastrofotografieszene. Dithering diente ursprünglich dazu (und tut es primär immer noch), den Rauschanteil durch Kalibrationsbilder (Darks,Bias und Flats) gering zu halten. Es zeigte sich, dass Dithering einen sehr positiven Effekt auf DSLR-Aufnahmen hat. Jeder Astrofotograf sollte also unbedingt dithern.

 

Karsten Möllers Bild zeichnet sich primär durch die ungewöhnliche Tiefe und die dadurch sichtbar gewordenen Emissionsnebel aus. Die bemängelten Halos sind sekundär und lassen sich beheben. Ich gratuliere Karsten Möller zu seiner tollen Aufnahme. 

 

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten (J2000.0):

RA = 05 h 35 min 17 s, DE = -05° 23' 28"

 

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