16. Woche - Oriongürtel und Barnard´s Loop

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW zeigt ein Standardobjekt - den inneren Bereich des Sternbildes Orion mit den drei Gürtelsternen bis hin zum bekannten, bogenförmigen Nebel namens Barnard´s Loop. Norden liegt auf 13 Uhr, das Bild deckt 10,2° x 10,2° ab. Den südlich anschließenden Teil mit dem Orionnebel M 42 durften wir im AdW 10/2017 vorstellen. Obwohl der Zentralteil des Orions ca. 15° vom galaktischen Äquator entfernt liegt (also weit aus der Milchstraßenebene heraus), sticht hier eine überwältigende Fülle interstellarer Materie ins Auge. Ursache dafür sind die jungen, heißen Sterne der Assoziation Orion OB1 mit ihren Teilbereichen OB1a bis OB1d. Sie sorgen nicht nur für die Emission der Nebel, sondern ihre Sternwinde sind auch für die Formgebung dieser Nebel im Bildfeld verantwortlich.

Welche Details fallen auf? Von den drei Gürtelsternen Delta, Epsilon und Zeta Orionis (von rechts nach links) ist Zeta ein O9-Stern, die beiden anderen vom Typ B0. Um Zeta herum finden sich zahlreiche Nebel: NGC 2024 von gelblicher Farbe mit enthaltenen Dunkelfetzen, darunter die langgestreckte HII-Region IC 434 mit einem markanten "bright rim" sowie dem enthaltenen Pferdekopfnebel. Vom Pferdekopfnebel in Richtung NGC 2024 erkennt man einen hellen blauen Reflexionsnebel, NGC 2023. Verlängert man den Pferdekopf-Dunkelnebel etwa dreifach nach Westen (hier: rechts unten), so stößt man auf den O9-Stern Sigma Orionis (Pixelkoordinaten 1162/1650). Das AdW zeigt sehr schön, dass er erstens den Mittelpunkt eines elliptisch geformten HII-Ringes bildet. Zweitens lässt er den Staub blau aufleuchten, so dass das Rot ins Pink variiert. In unseren Breiten wird man sich mit dem Blau schwer tun, in Namibia kommt es aber wegen der viel besseren Transparenz und Dunkelheit viel stärker zur Geltung. Ferner ist natürlich Barnard´s Loop zu nennen (Sharpless 276), der den Nordostteil einer riesigen Blase formt. Sie hat ihre Ursache - wie bereits oben angedeutet - in den Sternwinden der zentralen Orion-Sterne. Sie sorgen für die Expansion von Barnard´s Loop, die in ferner Zukunft dann schließlich zur Auflösung führt. Am hellsten Teil von Barnard´s Loop gibt es zwei wenig beachtete, fotografisch aber durchaus interessante Motive. Einmal zweigt dort ein roter Nebel nach Norden ab, mit einer strukturierten Dunkelwolke darin: Dobashi 4781. Scheinbar in Barnard´s Loop liegt der etwa 2 Milliarden Jahre alte offene Sternhaufen NGC 2112 (922/750). Er ist sehr locker aufgebaut. Er befindet sich etwa doppelt so weit weg wie das Orionzentrum. Wäre das nicht einmal ein Motiv für etwas längere längere Brennweiten von 200 bis 400 mm - Dobashi 4781 mit NGC 2112? Als letztes ist noch unterhalb von Barndard´s Loop in Richtung Sigma Orionis der Komplex von Reflexionsnebeln um M 78 zu erwähnen.

Mit Schmunzeln denke ich an die Zeit der 1970er Jahre zurück, als die ersten Hα-Surveys auf spektroskopischem Kodakfilm in Verbindung mit Rotfiltern oder sogar Hα-Filtern in Gang kamen (J.P. Sivan 1974, R. Dubout-Crillon 1976). Was damals in Schwarzweißdarstellung eine Sensation war, funktioniert heute problemlos in Farbe. Manuel Jung gelang diese imposante Ansicht am 01.09.2016 auf der Farm Tivoli (Namibia). Als Aufnahmeoptik wurde ein Zeiss Apo Sonnar T* verwendet mit 135 mm Brennweite. Die Offenblende von 2,0 wurde auf 2,8 abgeblendet. Mit einer modifizierten Canon EOS 6D wurde 24 x 5 Minuten bei ISO 800 belichtet. Die Bildbearbeitung erfolgte mittels Photoshop Lightroom 6, Registar und Photoshop CS 5. Was auffällt, sind die farbigen Ringe um die Gürtelsterne, die auf den ersten Blick HII-Regionen vorgaukeln. Jedoch merkt man sofort, dass hier optische Gründe vorliegen, denn in der Bildmitte sind die Ringe zentriert, zum Rand hin sind sie exzentrisch. Dazu schreibt der Bildautor: "Die Beugungsringe um die hellen Sterne gehören zum Charakter dieser Optik." Tipp: Auch wenn´s schwer fällt: Hier hilft nur weiteres Abblenden.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Astrofotografie unter namibischem Himmel erfreut sich steter und wachsender Beliebtheit, und das nunmehr schon seit fast zwei Jahrzehnten. Der fantastischen Infrastruktur in Form von Astrofarmen sei Dank. Auch Manuel Jung hat sich 2016 eine Namibiareise gegönnt und uns unter anderem das heutige AdW mitgebracht. Die astronomische Kernreisezeit für Namibia liegt zwischen Mai und August, auf der Südhalbkugel ist dann Winter. In dieser Zeit ist der Himmel fast durchgehend kristallklar und es gibt so gut wie keine Niederschläge. Zudem sind die Nächte sehr lang.

Dadurch vorgegeben ist natürlich ein bestimmter Sternenhimmel, der dominiert wird von den markanten Sternbildern Kreuz des Südens, Zentaurus, Skorpion und Schütze. Erst in den frühen Morgenstunden gehen dann die Wintersternbilder auf. Es ist also recht ungewöhnlich den Orion in Namibia zu fotografieren. Anfang September, als die hier vorliegende Aufnahme entstand, geht der Orion aber bereits in der zweiten Nachthälfte auf, und man hat gute zwei Stunden Zeit, um ihn erfolgreich zu beobachten oder zu fotografieren. Das Bild zeigt sehr schön die Vielfalt der Objekte im Orion, natürlich sind dabei die Hα-Gebiete durch ihre rote Farbe sehr dominant. Für meinen Geschmack gehen diese hier zu weit ins Pinke. Hα-Strahler sehen allerdings keineswegs immer gleich aus, es gibt durchaus Abstufungen in den Rottönen von bräunlichrot bis pink. Eine saubere Farbkalibrierung und ein solides Wissen über die physikalischen Vorgänge in der betreffenden Himmelsregion bringen dann erst die Gewissheit, welcher Farbton nun der richtige ist.

Etwas unruhig wirkt das Bild auf mich auf Grund der (dunklen) Ringe, die um die Sterne zu sehen sind, vor allem dort, wo die Sterne vor einem Nebel stehen. Solche Ringartefakte entstehen meistens beim Schärfen eines Bildes. Bei einer Aufnahme mit einem 135-mm-Objektiv sollte man auf solche Bildbearbeitungsschritte aufgrund des Undersamplings gänzlich verzichten. Diese Lektion habe ich selber bei der Bildbearbeitung meiner Namibiabilder aus dem Jahr 2011 lernen müssen.

Eine etwas konservativere Bildbearbeitung hätte mich interessiert. Aber zum einen ist das immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, zum anderen sind solche Bilder nicht für die Ewigkeit. Nach einer Zeit verändert man Arbeitsschritte und kann ein Bild noch einmal ganz anders bearbeiten. Barnard´s Loop mit kräftigen Farben ist in jedem Fall ein Hingucker, und für Manuel Jung sicher eine tolle Erinnerung an die Zeit in Namibia.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten der Bildmitte (J2000.0):

RA = 05 h 49 min 23 s, DE = -00° 24' 10"

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