19. Woche - „Tierkreislicht der Sonne“ über den Bergen des Kap Formentor auf Mallorca

 -  Astrofoto der Woche  - 

Heute bewegen wir uns mit dem AdW gewissermaßen im „Vorgarten“ der Sonne. Fachgruppen-Mitglied Wolfgang Bischof aus Recklinghausen zeigt uns ein aus unserer meist lichtverschmutzten Gegend eher schwierig zu beobachtendes Lichtphänomen, welches unter günstigen Bedingungen nach Ende der Abenddämmerung bzw. vor Beginn der Morgendämmerung sichtbar ist. 

Zu bestimmten Jahreszeiten kann man das zart leuchtende Zodiakallicht oder Tierkreislicht, wie es auch genannt wird, in Form einer abgerundeten Lichtpyramide sehen, die schräg vom Horizont aufragt. Der große Kreis durch die Sternbilder Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische wird lateinisch als „Zodiakus“ bezeichnet. Die beste Sichtbarkeit (auf der Nordhalbkugel) besteht besonders in den Monaten Januar bis März abends im Westen und Oktober bis Dezember morgens im Osten, da es in diesen Jahreszeiten besonders steil aufragt, und so besser zu beobachten ist. Die Abendsichtbarkeit bietet im Allgemeinen günstigere Bedingungen. In den Sommermonaten Juni und Juli ist es in unseren nördlichen Breiten nicht zu sehen, da es aufgrund der nicht tief genug unter dem Horizont befindlichen Sonne in die letzten Dämmerungserscheinungen eintaucht. 

Entlang der Linie, auf der sich die Sonne, Mond und Planeten bewegen, hängt dabei eine Art leuchtender Nebel, der in der Nähe der Sonne am breitesten und hellsten ist und zu den Seiten immer schmaler ausläuft. Auf der einen Seite der Sonne befindet sich der Teil des Zodiakallichts, das wir morgens sehen und auf der anderen Seite jenes, das wir abends sehen. Dieses Licht selbst ist sehr schwach und in etwa vergleichbar mit der Helligkeit der Milchstraße, allerdings verschwommener. 

Das Zodiakallicht entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts in einer riesigen Linse aus interplanetarem Staub, welcher die Sonne umgibt. Die Dichte des Staubs an den verschiedenen Sellen dieser Linse und wie weit er sich über die Erdbahn hinaus erstreckt, ist nicht genau bekannt, wird aber u.a. mit Hilfe von Raketen untersucht. Der unmittelbare Raum um die Sonne ist aufgrund der enormen Hitze der Sonne frei von Staubteilchen. Die Staubwolke wird immer heller, je mehr sich unser Blick der Sonne nähert. Je größer der Abstand von der Sonne ist, umso geringer ist der Einfluss der Dämmerung (unter 30° Abstand zur Sonne überwiegt diese), doch auch umso schwächer wird das Zodiakallicht, erstens wegen der Winkelabhängigkeit der Streuung und zweitens, da die Staubwolke hier dünner wird. 

Mondlicht und andere Fremdlichtquellen, selbst helle Planeten wie Venus und Jupiter wirken sich sofort störend aus. Etwa 2 Stunden nach Sonnenuntergang, wenn die Sonne 17° unter dem Horizont steht, wird im Westen ein schwacher Lichtkegel sichtbar, der schräg in südwestlicher Richtung aufragt.  Die Aufnahme zeigt am oberen Ende des Kegels die Plejaden im Sternbild Stier, welches sich Ende März im Westen befindet. Im Laufe der Nacht und mit sinkender Sonne unter den Horizont richtet sich das Zodiakallicht immer weiter auf und bleibt im Wesentlichen in Bezug auf die Sterne nahezu positionsgetreu. In sehr klaren Dezembernächten bei tiefdunklem Himmel könnte man um die Mitternachtszeit eine der am schwierigsten beobachtbaren Lichterscheinungen sehen, den sogenannten „Gegenschein“, eine im Sonnengegenpunkt äußerst schwache Lichtbrücke, die die Spitzen des Ost- und des West-Zodiakallichts miteinander verbindet. 

Wolfgang Bischof wählte einen günstigen Standort und die richtigen „teleskopischen“ Bedingungen für die Sichtung des abendlichen Tierkreislichts aus. Abseits der größeren Ansiedlungen mit entsprechender Lichtverschmutzung nutzte er die Halbinsel Formentor, wo sich sehr schöne Beobachtungsmöglichkeiten in Richtung Westen über Norden bis Nordosten ergaben. Dieser Teil der Baleareninsel Mallorca liegt im Norden in der Nähe von Port de Pollenca. Die Aufnahme entstand am 28. März 2017 mit einer Spiegelreflexkamera der Marke Nikon D600 und einem Weitwinkelobjektiv von 14 mm Brennweite bei Blende 2,8, um den Lichtkegel ausreichend solitär zum restlichen Bildfeld abzulichten. Als Montierung diente eine Reisemontierung der Marke iOptron. Man sollte aufgrund der Diffusität des Lichts nach Möglichkeit immer nachführen, um Verwaschungen durch die Erddrehung zu vermeiden. Die Belichtungszeit betrug 30 Sekunden.

Im Winter ist es durchaus möglich, von einem geeigneten Standort das Zodiakallicht über 6 Monate morgens und abends zu beobachten. Es ist auch denkbar, unter günstigsten Bedingungen sogar ein „Zodiakallicht des Mondes“ vor Mondaufgang oder nach Monduntergang zu beobachten, aber das ist mindestens so schwierig wie die Sichtung des Gegenscheins.

„Obwohl der Himmel leicht schlierig war konnte man das interplanetare Staubband nach Ende der Dämmerung sogar mit dem bloßen Auge sehen.“, so der Autor. Wir beglückwünschen Wolfgang Bischof für diese reizvolle Aufnahme.

Text: Jens Leich

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