28. Woche - Deep Sky im Sternbild Musca

 -  Astrofoto der Woche  - 

Musca, lateinisch „die Fliege“, ist ein wenig beachtetes Sternbild des Südhimmels. Ganz zu Unrecht, denn hier zeigt unser aktuelles AdW ein sehr schönes Motiv - den Kugelsternhaufen NGC 4372 an der „Musca Dark Cloud“, auf Deutsch: die Musca-Dunkelwolke (ab hier: Mus DW). Das Bildfeld beträgt 2,6° x 2°, Norden ist oben, Osten links. NGC 4372 gehört der inneren galaktischen Scheibe an. Nach Harris (2003) ist er 23.000 Lj vom galaktischen Zentrum entfernt, 19.000 Lj vom Sonnensystem. Seine Ausdehnung ist schwer abzuschätzen, weil die Fülle der Milchstraßensterne kaum die Außengrenze erahnen lässt. Kukarkin (1974) gibt 18,6' an. Damit lässt sich ein echter Durchmesser um 100 Lj berechnen, was bei Kugelsternhaufen im Durchschnitt gut passt. NGC 4372 ist einzigartig, weil er (im Gegensatz zu den meisten anderen Kugelsternhaufen) nur eine Sternpopulation enthält, die dazu noch sehr metallarm ist.

Laut Datenbank SIMBAD hat der Kugelsternhaufen eine Blauhelligkeit von 10,86 mag, eine visuelle Helligkeit von 9,85 mag. Die Differenz dieser beiden Werte (der Farbindex B-V) beträgt also 1,01 mag. Das entspricht im Mittel der Farbe Gelb. Ursache dafür ist eine recht deutliche Rötung durch interstellare Materie am Ort des Kugelsternhaufens. Diese Materie führt zu einer visuellen Absorption von 1,2 mag. Wäre keine interstellare Materie im Weg, wäre NGC 4372 erstens um 1,2 mag heller und zweitens nicht so gelb. Die hellsten Sterne des Haufens - Rote Riesen - kommen auf visuelle 12,5 bis 13 mag (Alcaino 1991). Generell sind Kugelsternhaufen sehr alt. Die rein galaktischen Kugelsternhaufen (d.h. diejenigen, die nicht von außen durch Zwerggalaxien eingefangen wurden) kommen auf 10 bis 13 Mrd. Jahre.

Für Fotografen und Beobachter ist die scheinbare Helligkeit relativ unergiebig. Sie sagt nichts über die Lichtmenge, die pro Fläche auf dem Chip oder im Auge eintrifft. Damit kann die Erkennbarkeit nicht ausgedrückt werden. Sinnvoll ist deshalb die Angabe der mittleren zentralen Flächenhelligkeit. NGC 4372 ist mit 20,5 mag pro Quadratbogensekunde relativ dunkel. Im Vergleich dazu kommt M 13 auf 16,8 mag pro Quadratbogensekunde. Er ist also in seinen hellsten zentralen Partien um 3,7 mag heller als NGC 4372. Das bedeutet: NGC 4372 ist 30-mal dunkler als M 13. Dementsprechend wirkt sich das auf die Belichtungszeiten bzw. auf die visuelle Sichtung im Okular aus.

Die Mus DW, auch als Sandqvist 149 katalogisiert (Sandqvist 1977), ragt von oben her zu einem Teil ins Bild. Sie gehört einem großen Molekülwolkenkomplex an und ist filamentförmig aufgebaut. Das wird bei schwachen Hintergrundnebeln und galaktischem Zirrus oft beobachtet. Der dunkle Wolkenbereich ist aber nicht alles, was die Wolke ausmacht. Sowohl nach Norden als auch nach Süden (ins Sternbild Chamäleon) findet man helle Fortsetzungen in Form von Reflexionsnebeln. Um die wahre Gestalt der Mus DW bewundern zu können, bitte hier klicken! Das weitwinkelige Bild aus dem online-Sternatlas ALADIN zeigt ein größeres Feld, invertiert und im Kontrast gesteigert. Darin erstreckt sich die Mus DW über 2,5° Länge. Bei einer Entfernung von 150 pc (490 Lj, Knude & Hog 1998) entspricht das einer wahren Länge von 6,5 pc (21 Lj). Im nördlichen Teil (hier nicht im Bild) hat man einen T Tauri-Stern gefunden, hier findet also in geringem Ausmaß Sternentstehung statt. Das Problem der Astrophysiker: Wie entstehen aus filamentförmigen Wolkensträngen eigentlich verdichtete Globulen?

Zum Namen: Der amerikanische Amateur Di Cicco hat 1986 für die Mus DW den seltsamen Namen „Dark Doodad Nebula“ erfunden. Was das bedeutet, habe ich nicht herausfinden können, aber das ist auch unerheblich. Seltsam jedenfalls, dass Amateure so etwas sofort gierig aufgreifen und die üblichen Katalogbezeichnungen vergessen (wenn sie überhaupt bekannt waren). Für so etwas gibt es noch weitere Beispiele …

Die Aufnahme stammt von Annette und Holger Manz. Sie entstand am 26. und 27. Februar 2017 mit einer Reiseausrüstung: Apochromat 80 mm / 480 mm, 3-Zoll-Reducer 0,79x, AZ EQ 5, Moravian G2 8300 FW, dazu LRGB-Filter von Astrodon. Das LRGB-Bild wurde wie folgt belichtet: Blau 6 x 600 s + 8 x 60 s, Grün 8 x 600 s + 8 x 60 s, Rot 10 x 600 s + 8 x 60 s, Luminanz 10 x 600 s + 8 x 60 s.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Die Hacienda ist eine Lodge im Kolonialstil, die vor einigen Jahren mit hochwertigen Geräten zur Astrofotografie und Beobachtung ausgestattet wurde. Die Lodge liegt im Rio Hurtado Tal, nur wenige km Luftlinie entfernt von den Profisternwarten am Cerro Pachon (Gemini South) und Cerro Tololo (CTIO). Chile ist neben Namibia einer der besten Standorte für die astronomische Beobachtung des Südsternhimmels. Während die Monate Mai bis August beste Beobachtungsbedingungen in Namibia bieten, ist man in Chile besser aufgehoben in den Wintermonaten. Insbesondere die Sternbilder Vela, Monoceros und Orion bieten sich dann für die Beobachtung an. Aber auch die Sternbilder Carina, Centaurus und das Kreuz des Südens sind in der zweiten Nachthälfte gut sichtbar. Südlich des Kreuz des Südens befindet sich das Sternbild Musca, in dem der hier gezeigte Dunkelnebel liegt.

Die Aufnahme ist sehr gut gelungen. Die besondere Schwierigkeit in der Bildbearbeitung liegt darin, den Kugelsternhaufen und den Dunkelnebel gut herauszuarbeiten. Versucht man den Dunkelnebel herauszuarbeiten, läuft man Gefahr den Kugelsternhaufen zu verunstalten. Holger und Anette Manz ist aber eine stimmige Bearbeitung des Bildes gelungen.

Den Bildausschnitt hätte man etwas anders wählen können. Denn nach Norden zieht sich der Dunkelnebel noch weiter und verzweigt sich in eine schöne, hammerförmige Struktur. Das Hochformat wäre geeigneter gewesen um den ganzen Nebel einzufangen. Auch die Belichtungszeit hätte höher ausfallen können, aber Zeit ist eben begrenzt wenn man eine solche Reise macht.

Vielleicht ist diese Aufnahme eine Inspiration für den ein oder anderen, auch mal eine Astroreise zu planen. Die Hacienda Los Andes in Chile bietet eine ausgezeichnete Infrastruktur für einen Astronomie-Urlaub unter dem Südhimmel. Ein ausführlicher Bericht von Daniel Verschatse steht im VdS-Journal für Astronomie (Heft 57). Annette und Holger Manz werden sicher mit großer Freude an ihren Aufenthalt in Chile zurückdenken. Zur Erinnerung haben sie eine schöne Serie von Bildern mitgebracht.

Die astrofotografische Infrastruktur auf der Hacienda Los Andes wurde vom belgischen Astrofotografen Daniel Verschatse realisiert. Daniel verstarb am vergangenen Samstag nach langer Krankheit. Er lebte zuletzt in Chile und hat dort mit viel Engagement seine eigene Sternwarte erbaut, und für den Astronomiebetrieb auf der Hacienda Los Andes gesorgt. Daniel hat sich für den Erhalt des dunklen Nachthimmels eingesetzt, Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Astronomie betrieben und war als Vermittler zwischen Profiastronomen und Amateuren in Chile tätig.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten von NGC 4372 (J2000):

RA = 12 h 25 min 45 s, DE = -72° 39' 33''

 

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