31. Woche - Abell 2151, der Herkules-Galaxienhaufen

 -  Astrofoto der Woche  - 

Der Galaxienhaufen Abell 2151 im Herkules ist Teil eines größeren Superhaufens, dem auch noch Abell 2148 und Abell 2152 angehören. Was den Galaxienreichtum betrifft, lässt sich Abell 2151 zwischen dem Virgohaufen und dem Comahaufen einordnen. Das heutige AdW (Norden oben, Osten links) hat 56,5' x 42' Bildfeldgröße und zeigt den Zentralbereich von Abell 2151. Elliptische Galaxien und Spiraltypen weisen vielfältige Formen auf. Wo die Galaxien dicht stehen, setzen auch sofort gravitative Wechselwirkungen ein. Sie führen zu auffälligen Gezeitenschweifen wie bei IC 1178 am unteren Bildrand. Man sollte sich die wahren Größenverhältnisse dieses engen Galaxienpaares vor Augen führen. Der gesamte Komplex aus Gezeitenschweifen erstreckt sich, so wie wir es in Projektion sehen, auf ca. 330.000 Lj. Laden Sie das Bild herunter und zoomen Sie hinein, es werden noch andere interessante Galaxien mit Wechselwirkungsanzeichen sichtbar. Auf weitere Galaxiennamen soll hier jedoch verzichtet werden, es sind einfach zu viele. Man erkennt im „Gewimmel“, dass die Galaxien nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern Klumpungen bilden. Das wird von den Astronomen als Hinweis darauf gedeutet, dass sich Abell 2151 noch in einer dynamischen, jungen Phase befindet. Bird et al. (Astrophys. J. 404, 81-93, 1993) machen auf drei wesentliche Klumpungen innerhalb von Abell 2151 aufmerksam, die das AdW gut wiedergibt (hier klicken). Im Klickbild ist das Haufenzentrum laut Koordinaten der Datenbank SIMBAD als rotes Kreuz markiert. Ob diese Position aber den Schwerpunkt des Galaxienhaufens kennzeichnet, möchte ich bezweifeln. Noch kurz zur Entfernung von Abell 2151: Für 124 Mitgliedsgalaxien wurde aus radioastronomischen Messungen eine mittlere Radialgeschwindigkeit von 11043 km/s abgeleitet. Das lässt mit der gegenwärtigen Hubble-Konstante 73 km/s/Mpc auf eine Distanz von gut 490 Mio. Lj schließen. Damit wäre Abell 2151 etwa achtmal weiter weg als der Virgohaufen.

Der helle Stern rechts im Bild ist HD 144149, ein Veränderlicher. Mit Helligkeiten von 7,96 mag im Blauen und 6,75 mag im Visuellen erreicht der Stern einen Farbindex von B-V = 1,21 mag, was einem satten Gelb entspricht und damit auch dem Spektraltyp K0 gerecht wird. Die Sternfarben passen, die Aufnahme ist demnach gut farbkalibriert.

Franz Klauser ist der Bildautor. Die Aufnahmen erfolgten am 27., 28. und 30. Mai 2017 auf 900 m Seehöhe in Puchenstuben, Niederösterreich. Optik war ein 300-mm-Astrograph mit 1080 mm Brennweite des Fabrikats ASA, dazu eine CCD-Kamera FLI ML 8300 sowie ASA-Montierung DDM85. Belichtet wurde 20 x 10 min für die Luminanz, dazu RGB je 8 x 10 min. Alle Einzelbelichtungen geschahen ohne kontrollierte Nachführung. Manfred Wasshuber erledigte die Bildbearbeitung. Der Bildautor schreibt: „Der dunkle Himmel an meinem Standort brachte trotz der relativ kurzen Gesamtbelichtungszeit von 440 Minuten einiges an auch schwachen Galaxien zutage.“ Das ist in der Tat bemerkenswert. Dennoch sei der Leser auch auf das AdW 33/2016 hingewiesen, dort präsentierte Thomas Henne seine Aufnahme von Abell 2151. Der Astrofotograf ist ja stets an Vergleichsbildern interessiert.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Wieder einmal liegt uns ein Bild aus Österreich vor, und wieder einmal handelt es sich um eine Kooperation. Franz Klauser hat diesen schönen Galaxienhaufen aufgenommen, und Manfred Wasshuber hat diese Einzelbilder zu einem stimmigen Endergebnis gebracht. Das Aufnahmegerät möchte ich heute einmal genauer betrachten. Es handelt sich um einen auf fotografische Zwecke getrimmten Newton der Firma ASA aus Österreich, und eine CCD-Kamera der Marke Finger Lakes Instrumentation aus den USA. Ferner kam eine hochwertige Montierung, ebenfalls des Herstellers ASA, zum Einsatz. Der Autor schreibt, dass die Aufnahmen „ungeguidet“ erstellt wurden, also ohne Korrektur eines gekoppelten Systems aus Nachführkamera und Teleskopsteuerung. Möglich ist das durch den sog. Direct Drive, ein Antrieb der Montierungsachsen ohne Getriebe. Dadurch sind Schneckenfehler und andere Unzulänglichkeiten eines Antriebes obsolet. Hinzu kommt, dass die Montierung mit hochwertigen und sehr genauen Encodern ausgestattet ist, die alleine schon dafür sorgen, dass das Teleskop an einem Punkt am Himmel verharrt. Die Optik besticht durch ihr gnadenlos auf Astrofotografie getrimmtes Design. Der 12-Zoll-Spiegel mit nur 1080 mm Brennweite konzentriert das einfallende Licht auf den Kamerachip, wodurch kurze Belichtungszeiten möglich sind.

Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Ist eine solche hochwertige und teure Ausrüstung alleine verantwortlich für das Gelingen eines solch hervorragenden Bildes? Natürlich nicht, aber es erleichtert dem Astrofotografen die Arbeit doch um einiges. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass eine solche Ausrüstung dem Astrofotografen einiges an Erfahrung abverlangt. Ein schneller Newton kann sehr justageanfällig sein, und eine hochwertige und hochtechnisierte Teleskopsteuerung erfordert technisches Geschick bei der Bedienung. Letztendlich ist es aber die Geduld des Fotografen und die Erfahrung des Bildbearbeiters, die hier das Endergebnis entscheidend prägen.

Wir gratulieren zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim 

Koordinaten von Abell 2151 (J2000): 16 05 15 +17 44 55

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