6. Woche - Im Staub der Cassiopeia

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW zeigt eine chaotische Zone aus der Milchstraße im Sternbild Cassiopeia. Wir befinden uns knapp westlich vom Rand des bekannten Herznebels IC 1805 bzw. Sharpless 190. Das 43' x 34' große Bildfeld (Norden oben, Osten links) wird durch einen Emissionsnebel elliptischer Form bestimmt, der von einem zerklüfteten Dunkelwolkenstrang durchzogen wird. Auch die Nebelränder sind von mächtigen Dunkelwolken eingerahmt. Rein vom Anblick her gleicht der Nebel einem westlich blickenden Fisch mit kräftigen Kiemen, Körper und Rückenflosse, aber ohne Schwanz. Dieses Nebelgebiet wird einerseits als IC 1795 bezeichnet, andererseit als NGC 896. Beide liegen jedoch in ihren Koordinaten rund 6 Bogenminuten in Nordsüdrichtung auseinander. Auch die Bezeichnung Cederblad 6 ist treffend, denn sie bezieht sich auf den gesamten Fischkörper. Noch besser ist es, den unter Amateuren weniger bekannten, aber astronomisch gebräuchlichen Namen W3 zu verwenden. Er ist dem "Westerhout-Katalog" (1958) entnommen, der insgesamt 82 diskrete Radioquellen aufführt und seit 2000 auch online zur Verfügung steht. Man sollte nämlich stets daran denken, dass die HII-Regionen auch im Radiobereich intensiv strahlen und vermessen wurden, sowohl im kontinuierlichen Radiobereich als auch in der bekannten 21cm-Linie des neutralen Wasserstoffs HI.

Die Astronomen verstehen W3 als eine riesige Zone sowohl aus leuchtenden Nebelanteilen sowie aus dunklen Staub, dichten Molekülwolken und eingebetteten Sternentstehungsgebieten. Und dies alles gehört ja tatsächlich zusammen, denn die innerhalb der Molekülwolken gebildete HII-Region und die dort befindlichen jungen Sterne sind ja aus eben diesem Material der Molekülwolke hervorgegangen. In W3 selbst wurden verschiedene Infrarotobjekte gefunden, überwiegend sehr junge Sterne. Hellster Stern in W3 ist der 10,28 mag helle BD+61 411, mit einem Alter von nur 4 Millionen Jahren sehr jung und etwa 7000 Lj entfernt. Er bildet sozusagen das Auge des Fisches. Welche Energien er als dominanter Anregungsstern in die umlagernde Molekülwolke pumpt, erkennt man an dem stark zerklüfteten Südrand des Fischkopfes. Wie das AdW sehr schön zeigt, heben sich dort helle Ionisationsfronten ("bright rims") und die bekannten "Elefantenrüssel" ab - klare Hinweise für einen fortschreitenden Zerstörungsprozess. Direkt vor dem Fischkopf, in den dichten Dunkelwolken kaum erkennbar, sitzt ein ebenfalls heißer Stern vom Typ O7 (Pixelkoordinaten 1578/568). Als solchen würde man ihn wegen seiner dichten "Vermummung" und Rötung auf dem AdW aber niemals erkennen. Zudem finden sich um ihn herum im Staub noch 3 heiße B0-Sterne (Navarete et al. 2011), die nur im IR-Bereich durch ihr Spektrum identifiziert werden konnten.

Am unteren Bildrand links ist ein ausgedehnter, aber lichtschwacher offener Sternhaufen zu sehen, Tombaugh 4. Er wurde 1941 von Clyde Tombaugh entdeckt, der ja auch den Pluto entdeckte. Tombaugh 4 scheint in einer materiefreien Zone zu stehen, doch der Schein trügt. Selbst in diesem Gebiet beträgt die Absorption mehr als 3 Magnituden. Sein Winkeldurchmesser beträgt laut Entdecker 2,5' x 2,0'. Im AdW messen wir 4,6' x 4', also nahezu die doppelte Größe. Schätzte Tombaugh selber noch etwa 30 Sterne zum Haufen gehörig, so zeigt das AdW bereits an die hundert. Das Haufenalter kommt auf 1 Milliarde Jahre, die Entfernung liegt bei 7000 Lj (Maciejewski & Niedzielski, 2007), wie beim Zentralstern des Nebels.

Jens Zippel ist Bildautor. Am 11. und 13.11.2016 konnte er von Bremen aus diese großartige Szenerie ins Bild setzen. Aufnahmeoptik war ein 10-Zoll-Newton mit f/4 (Lacerta), dazu dann eine Atik 460 EX mono als CCD-Kamera. Fokal wurde in sechs Filterbereichen belichtet, Hα: 23 x 1200 s, [OIII]: 13 x 1200 s, [SII]: 9 x 1200 s, RGB je 36 x 300 s, gesamt also 18,0 h. Dazu schreibt der Bildautor: „In das Hubble-Bild wurden neben 100% der RGB-Sternenfarben auch etwa 20% der RGB-Farbinformation als Luminanz eingearbeitet, um einen natürlicheren Gesamteindruck der Region zu bekommen.“ Interessant wäre es zu sehen, wie das Bild ohne diese RGB-Einarbeitung wirken würde. Aber davon ab: Die Darstellung nach der Hubble-Palette bringt die Struktur der unterschiedlichen chemischen Nebelanteile sehr detailliert heraus.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Jens Zippel präsentiert nach dem Oktober 2016 erneut ein AdW. Damals war das Motiv ein LRGB-Bild, diesmal die kunstvolle und perfekt gelungene „Falschfarbendarstellung“ in Anlehnung an die Hubblepalette, aufgenommen durch einen Hα-, [OIII]- und [SII]-Filter. Für die Sternfarben und auch um einen „natürlicheren Gesamteindruck“ (so die Worte des Bildautors) zu erzeugen, wurden 20% der Deckung aus den zusätzlich angefertigten RGB-Kanälen der Luminanz zugeschlagen. Möglicherweise bewirkte das die diskreten Brauntöne im Bild, eine Farbe, die ja eigentlich in der Palette der Sternfarben von IR bis UV gar nicht vorkommt, die aber dennoch in den kosmischen Nebelgebieten immer wieder mal auffällt.

Die Gesamtbelichtungszeit betrug 18 Stunden. Unsere Kritik aus dem Oktober 2016 betreffs der recht kurz belichteten RGB-Kanäle passt da heute überhaupt nicht - es gibt einfach nix zu meckern. Jens Zippel beweist hiermit, dass er nicht nur LRGB-Bilder sondern auch die Verarbeitung von Falschfarbenbildern exzellent beherrscht.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 02 h 25 min 44 s, DE = +62° 06' 13"

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