Kosmische Kultstätten der Welt

 -  Buchbesprechung / Allgemein  - 

„Was ist nicht erklären kann, sehe ich astronomisch an“ ist eine Abwandlung des bekannten Archäologenspruchs „Was ich nicht erklären kann, sehe ich kultisch an“ und offenbart die Schwierigkeiten, die darum bestehen, archäologische Fundorte ihrem echten oder vermeintlichen Zweck zuzuordnen. All zu leicht machten es sich in der Vergangenheit Archäoastronomen wie Alexander Thom (1894-1985), seines Zeichens eigentlich Ingenieur und Hobbyarchäologe, indem sie Stätten wie Stonehenge, Carnac und einige andere Ort so lange vermaßen, bis irgendeine Ausrichtung auf einen Stern hinkam, nachdem dann das Objekt ausgerichtet sein sollte. Diese unseriösen Forschungen, wie auch die von Thom unermüdlich vorgetragene Idee einer megalithischen Elle – die sich bis heute nicht hat nachweisen lassen – haben den Wissenschaftszweig der Astroarchäologie oder Ärchäoastronomie in Verruf gebracht.

Angenehm wohltuend ist daher das vorliegende Buch, das viele echte und unechte Steinsetzungen, Megalithbauten, Kreisgrabenanlagen oder Tempel beschreibt, dabei aber nie den Bezug zur Wissenschaft verliert und auch ehrlich zugibt, wenn man nicht weiß, wozu dieses oder jenes einst diente. Die grundsätzliche Problematik alter Bauten ist nicht nur deren Ausrichtung, sondern auch deren Nutzung, dass sie vielleicht mehrfach umgebaut wurden - wie etwa Stonehenge, wo die heutige Ausrichtung der Steine nicht mehr mit der ursprünglichen übereinstimmt – oder auch, dass man ihr Material für etwas anderes verwendete, sie umdeutete oder auch ein Opfer der Erosion wurden. Häufiger Mangel in den Untersuchungen ist auch die erschreckende Unkenntnis über die Präzessionsbewegung der Erdachse, die bei vielen Archäologen anzutreffen ist.

In diesem Buch geht es darum, die in der Regel von Kulten und kultischen Handlungen geprägten Vorstellungen früher Menschen herauszuarbeiten. Dass die Sonne dabei an erster Stelle steht, ist nur natürlich, denn die Sonnenkulte sind weltweit mehr verbreitet als Mondkulte, die im zweiten großen Abschnitt behandelt werden, gefolgt von Sternen und Planeten als unsterbliche Körper bis hin zu Vorstellungen über einzelne Sternbilder und – besonders auf der Südhalbkugel der Erde – die Milchstraße.

Jedem Abschnitt ist eine Kurzbeschreibung des zu besprechenden Himmelskörper vorangestellt. Im Hauptteil werden dann die bekannten und auch weniger bekannten Kultstätten in Europa, Nordafrika, Mittel- und Südamerika, Asien und Australien beschrieben. Unterstützt werden die Beschreibungen durch ausgesprochen schöne Bilder und erläuternden Zeichnungen. Wenn man sich für prähistorische Astronomie und deren Stätten interessiert, kommt man an diesem derzeit nicht vorbei!

Titel: Kosmische Kultstätten der Welt – Von Stonehenge bis zu den Maya-Tempeln
Autor: Ken Taylor
Verlag: Franckh-Kosmos-Verlags GmbH & Co. KG
ISBN: 978-3-440-13221-0
Jahr: 2012
Infos: http://d-nb.info/1021746835

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