VISTA blickt durch den staubigen Schleier der Kleinen Magellanschen Wolke

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VISTA-Aufnahme der Kleinen Magellanschen Wolke

Selbst mit bloßem Auge ist die Kleine Magellansche Wolke ein markantes Merkmal des südlichen Sternhimmels. Wolken aus interstellarem Staub blockieren jedoch einen Teil des sichtbaren Lichts, sodass nur Infrarot-Teleskope wie VISTA überhaupt eine Chance haben, einen klaren Blick auf das zu erhaschen, was innerhalb dieser kleinen Galaxie verborgen ist. Mit VISTA gelang es Astronomen nun, die unzähligen Sterne in der Nachbargalaxie so klar aufzulösen wie nie zuvor. Herausgekommen ist das größte Infrarotbild, das je von der Kleinen Magellanschen Wolke aufgenommen wurde.

Die Kleine Magellansche Wolke (engl. Small Magellanic Cloud, kurz SMC) ist eine Zwerggalaxie und der kleinere Zwilling der Großen Magellanschen Wolke (engl. Large Magellanic Cloud, kurz LMC). Sie gehören beide zu den uns nächstgelegenen Nachbargalaxien im Weltraum — die SMC ist etwa 200.000 Lichtjahre von uns entfernt, was nur einem Zwölftel der Entfernung zur viel bekannteren Andromedagalaxie entspricht. Infolge von Wechselwirkungen untereinander sowie mit der Milchstraße selbst haben beide eine eher ungewöhnliche Form erhalten.

Die vergleichsweise große Nähe zur Erde macht die Magellanschen Wolken zu idealen Kandidaten, um zu erforschen, wie Sterne entstehen und sich entwickeln. Zwar hat sich die Verteilung und Geschichte der Sternentstehung in solchen Zwerggalaxien als komplex herausgestellt, das größte Hindernis bei der Beobachtung der Sternentstehung in Galaxien ist jedoch der interstellare Staub. Riesige Wolken aus winzigen Staubkörnern streuen und absorbieren einen Teil der Strahlung, die von den Sternen innerhalb der Galaxien abgegeben wird – besonders das sichtbare Licht – so dass Teleskope auf der Erde nicht alles beobachten können. Diesen Effekt nennt man Staubextinktion.

Die SMC enthält reichlich Staub, so dass das sichtbare Licht der in ihr enthaltenen Sterne zu einem nicht unerheblichen Teil der Extinktion zum Opfer fällt. Glücklicherweise wird aber nicht sämtliche elektromagnetische Strahlung in gleicher Weise vom Staub beeinflusst. Infrarotstrahlung kann den interstellaren Staub deutlich leichter durchqueren als das sichtbare Licht, sodass wir viel über die neu entstandenen Sterne innerhalb der Staub- und Gaswolken lernen können, wenn wir die Galaxie im Infraroten untersuchen.

VISTA, das Visible and Infrared Survey Telescope, ist so konzipiert, dass es Infrarotstrahlung abbilden kann. Der VISTA Survey of the Magellanic Clouds (VMC) konzentriert sich auf die Kartierung der Sternentstehungsgeschichte der SMC und der LMC, sowie ihrer dreidimensionalen Struktur. Im Rahmen des VMC gelangen den Forschern bereits einmalige Aufnahmen von Millionen von Sternen, die im sichtbaren Licht nicht möglich gewesen wären.

Alle Sterne, die in diesem gewaltigen Bild zu sehen sind, gehören zur Kleinen Magellanschen Wolke. Es enthält auch tausende Hintergrundgalaxien und mehrere helle Sternhaufen, einschließlich des Kugelsternhaufens 47 Tucanae, rechts im Bild, der der Erde deutlich näher ist als die SMC. Da man in das hochauflösende Bild hineinzoomen kann, lässt sich so die SMC besser erkunden als je zuvor!

Die Fülle an neuen Informationen in diesem 1,6 Gigapixel (43.223 x 38.236 Pixel) großen Bild wurde von einem internationalen Team unter der Leitung von Stefano Rubele von der Universitätf Padua in Italien ausgewertet. Mithilfe innovativer stellarer Modelle erhielten sie überraschende Ergebnisse.

Die VMC hat gezeigt, dass die meisten Sterne innerhalb der SMC jünger sind als die der größeren Nachbargalaxien. Diese ersten Ergebnisse sind nur ein Vorgeschmack auf die neuen Entdeckungen, die noch kommen werden, da der VMC noch weitere blinde Flecken der Magellanschen Wolke unter die Lupe nehmen wird.

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