Eine kosmische Fledermaus in der Dunkelheit

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Eine kosmische Fledermaus in der Dunkelheit
Der Fledermausnebel im Sternbild Orion

Versteckt in einer der dunkelsten Ecken des Sternbilds Orion, breitet diese kosmische Fledermaus ihre diffusen Flügel durch den interstellaren Raum in zweitausend Lichtjahren Entfernung aus. Sie wird von den jungen Sternen in ihrem Innern beleuchtet – obwohl sie von undurchsichtigen Staubwolken umgeben sind, leuchten ihre hellen Strahlen dennoch den Nebel aus. Mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar, enthüllt NGC 1788 dem Very Large Telescope der ESO in diesem bisher detailreichsten Bild seine dezenten Farben.

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat einen Blick auf einen geheimnisvollen Nebel geworfen, der sich in den dunkelsten Ecken des Sternbildes Orion (Der Jäger) – NGC 1788, auch Fledermausnebel genannt, versteckt. Dieser fledermausförmige Reflexionsnebel strahlt kein Licht aus, sondern wird von einer Gruppe junger Sterne in seinem Inneren beleuchtet, die nur schwach durch die Staubwolken sichtbar ist. Wissenschaftliche Messgeräte haben seit der ersten Beschreibung von NGC 1788 einen langen Weg der Entwicklung beschritten. Dieses vom VLT aufgenommene Bild ist das detaillierteste Porträt dieses Nebels, das je aufgenommen wurde.

Obwohl dieser geisterhafte Nebel im Orion von anderen kosmischen Objekten isoliert zu sein scheint, vermuten Astronomen, dass er von starken Sternwinden der massereichen Sterne hinter ihm geformt wurde. Diese Ströme aus glühendem Plasma werden mit unglaublicher Geschwindigkeit aus der oberen Atmosphäre eines Sterns geschleudert und formen die Wolken, die die sich entwickelnden Sterne der kosmischen Fledermaus umhüllen.

NGC 1788 wurde erstmals vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel beschrieben, der den Nebel in einen Katalog aufnahm, der später als Grundlage für eine der bedeutendsten Sammlungen von Deep-Sky-Objekten diente, den New General Catalogue (NGC)[1]. Ein schönes Bild dieses kleinen und schwachen Nebels wurde bereits mit dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am ESO-Observatorium La Silla aufgenommen. Aber diese erneut beobachtete Szenerie lässt es dagegen sprichwörtlich verblassen. Wie im Flug eingefangen, wurden die winzigen Details der staubigen Flügel dieser kosmischen Fledermaus zum zwanzigsten Jahrestag eines der vielseitigsten Instrumente der ESO, des FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph 2 (FORS2), aufgenommen.

FORS2 ist ein Instrument, das auf Antu, einem der 8,2-Meter Unit Teleskope des VLT am Paranal-Observatorium, montiert ist. Seine Fähigkeit, große Teile des Himmels in außergewöhnlichen Details darzustellen, hat FORS2 zu einem begehrten Mitglied des Orchesters modernster wissenschaftlicher Instrumente der ESO gemacht. Seit dem ersten Licht vor 20 Jahren ist FORS2 als „das Schweizer Taschenmesser der Instrumente“ bekannt. Dieser Spitzname hat seinen Ursprung in einer einzigartig breiten Palette von Funktionen[2]. Die Vielseitigkeit von FORS2 geht über den rein wissenschaftlichen Einsatz hinaus – seine Fähigkeit, solche schönen, hochwertigen Bilder aufzunehmen, macht es zu einem besonders nützlichen Werkzeug für die Öffentlichkeitsarbeit.

Dieses Bild wurde im Rahmen des Cosmic Gems Programms der ESO aufgenommen, einer Öffentlichkeitsarbeitsinitiative, die mit Hilfe von ESO-Teleskopen Bilder von interessanten, faszinierenden oder optisch attraktiven Objekten für die Bildung und Öffentlichkeitsarbeit erstellt. Das Programm nutzt die für wissenschaftliche Beobachtungen nicht nutzbare Teleskopzeit und liefert mit Hilfe von FORS2 atemberaubende Bilder von einigen der markantesten Objekte am Nachthimmel, wie zum Beispiel diesem filigranen Reflexionsnebel. Für den Fall, dass die gesammelten Daten für zukünftige wissenschaftliche Zwecke nützlich sein könnten, werden diese Beobachtungen gespeichert und den Astronomen über das ESO Science Archive zur Verfügung gestellt.

Endnoten

[1] 1864 veröffentlichte John Herschel den General Catalogue of Nebulae and Clusters, der auf umfangreichen Katalogen aufbaute und Einträge für mehr als fünftausend faszinierende Deep-Sky-Objekte enthielt. Vierundzwanzig Jahre später wurde dieser Katalog von Johan Ludvig Emil Dreyer erweitert und als  New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars (NGC) veröffentlicht, einer umfassenden Sammlung atemberaubender Deep-Sky-Objekte.

[2] Neben der Möglichkeit, große Teile des Himmels präzise abzubilden, kann FORS2 auch die Spektren mehrerer Objekte am Nachthimmel messen und die Polarisation ihres Lichts analysieren. Die Daten von FORS2 bilden die Grundlage für über 100 wissenschaftliche Studien, die jedes Jahr veröffentlicht werden.

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