Licht und Schattenspiele

Licht und Schattenspiele - Nicht Parallele Schatten

Behauptung: Schatten müssen stets parallel erscheinen. Grund: Die Sonne ist im Unendlichen.

Dass die Schatten von Objekten, die von der Sonne beleuchtet werden, parallel erscheinen, ist prinzipiell richtig. Die Sonne steht näherungsweise im Unendlichen und ihre Ausdehnung beträgt nur rund ein halbes Grad.

Allerdings entscheidet allein die Perspektive, unter der ein Beobachter die Schatten betrachtet, darüber, ob wir die Schatten als parallel erkennen oder sie auf einen Fluchtpunkt hin, bzw. weg laufen sehen. Ein unebener Untergrund sorgt zusätzlich durch eine Verschiebung der Perspektive für die beobachteten Effekte.

Sollten Sie das dennoch nicht glauben, dann machen Sie folgendes Experiment: Suchen Sie sich einen Boden aus, der mit quadratischen Fliesen versehen ist. Messen Sie sicherheitshalber alle Fliesen aus ;-) und stellen ihre Gleichmäßigkeit und die Parallelität der gegenüberliegenden Seiten fest.
Direkt (!) von oben betrachtet ist alles schön parallel. Legen Sie sich nun auf die Fliesen und blicken Sie entlang ihrer Kanten. Was erkennen Sie? Richtig, die von oben gesehenen Kanten laufen plötzlich zusammen und erscheinen alles andere als parallel!

Der auf merksame Leser bemerkt sicherlich, dass die Seiten der Fliesen auf dem Frontalbild etwas tonnenförmig verzeichnet sind. Das wird vom kurzbrennweitigen Objektiv hervorgerufen. Wer dem Autor das nicht glaubt (!), kann es daheim selbst ausprobieren. ;-)

Ähnliches können Sie z.B. während der Fahrt auf einer Autobahn und überall dort nachvollziehen, wo es parallele Linien gibt ...

An dieser Stelle sei angemerkt, das von einem deutschen Verschwörungsvertreter als Demonstration für parallele Schatten ein Foto mit Holzklötzchen verwendet wird, dass die Parallelität bei Sonnenschein beweisen soll. Leider zeigt sich bei genauem Hinsehen, das seine parallelen Schatten auch nicht parallel sind. Der Grund ist, dass sein Foto etwas von der Seite aufgenommen wurde und somit wieder die Perspektive mit dem Fluchtpunkt einwirkt: Ein Beleg für die schlampige Ausführung der „Beweisführung“ dieses Verschwörungstheoretikers!

Licht und Schattenspiele - Beleuchtete Schattenseiten

Behauptung: Aufgrund des schwarzen Himmels und des fehlenden atmosphärischen Streulichts müssen alle Schatten pechschwarz sein.

Diese Behauptung stimmt nur bei ebenen Schatten auf einer Oberfläche: Sie erhalten kein Streulicht vom schwarzen Mondhimmel.
Alle Objekte, die erhaben sind, werden von dem reflektierten Licht der Umgebung angeleuchtet. Somit sind die sonnenabgewandten Seiten von erhabenen Objekten natürlich nicht pechschwarz.
Das ist z.B. gut erkennbar, wenn Sie das Visier eines aufrecht auf dem Boden stehenden Astronauten betrachten. In seinem Visier spiegelt sich das Licht der Umgebung wider. Dieses Umgebungslicht beleuchtet natürlich auch den Anzug und das LEM.

Licht und Schattenspiele - Lichtreflex an Sohle

Behauptung: Der Reflex an der Sohle stammt von einem Scheinwerfer, weil im Schatten des LEM kein Licht sein darf.

Wie bereits im vorherigen Abschnitt "Beleuchtete Schattenseiten" festgestellt wird, befindet sich in der sonnenabgewandten Seite eines erhabenen Objekts sehr wohl Licht, und zwar von der umgebenden Mondoberfläche.
Einige Verschwörungstheoretiker versuchen mit komplizierten geometrischen Betrachtungen zu belegen, dass ein Scheinwerfer hinter dem Astronauten diesen Reflex erzeugte.
Probieren Sie einmal folgenden Effekt aus: ein nicht ganz matter Zylinder wird draußen bei bewölktem Himmel und gleichmäßig heller Umgebung aufgestellt. Gehen Sie einmal rundherum. Sie werden erkennen, dass der Reflex Ihnen folgt, bzw. stets in der Mitte des Zylinders ist.

Sicher: Mit einem Zusatzscheinwerfer kann man diesen Reflex auch erzeugen. Allerdings zeigt die Tatsache, dass Licht im Schatten des LEM ist, sowie dieses kleine Experiment, dass ein Scheinwerfer nicht die einzige Erklärung dieses Phänomens ist. Folglich ist der Reflex kein eindeutiger Beweis für einen Studioscheinwerfer.

Weiter lesen: Retuschen und Bildmanipulationen

nach oben

Anzeige