Missionsende

Das Ende der Cassini-Huygens-Mission ist für den 15. September 2017 vorgesehen, aus Treibstoffmangel. Bis dorthin wird Cassini noch viele weitere, wertvolle Daten an uns senden. Für das „Grand Final“, wie es die NASA nennt, haben sich die Wissenschaftler etwas besonderes ausgedacht. Und zwar wird Cassini insgesamt 22 mal durch die rund 2.400KM breite Lücke zwischen dem Saturn und seinem innersten Ring, dem D-Ring, hindurch fliegen. Dieses Manöver stellt für die Sonde ein hohes Risiko da, weil sich in dieser Zone kleinste Steine und Staubteilchen befinden könnten, die Cassini beschädigen können. Die Wissenschaftler der NASA gehen zwar davon aus, dass dieser Bereich weitestgehend frei von solchen Objekten ist, ganz ausschließen kann man es aber dennoch nicht. Das ist der Grund, warum dieser Teil der Mission auch zum Schluss durchgeführt wird. Das Manöver begann am 22. April 2017 mit einem sehr nahen, 22.000 Km/h schnellen und ca. 1.000 km weit entfernten Vorbeiflug an dem Saturnmond Titan, dessen Schwerkraft Cassini auf einen Orbit brachte, der Cassini genau in die Lücke zwischen dem Saturn und den Ringen steuerte. Während des Vorbeifluges untersuchten die Wissenschaftler die Interaktion zwischen Titans Ionosphäre und Saturns Magnetfeld.

Zum Schutz vor einer möglichen Kollision mit Fremdkörpern hat Cassini seine Parabol-Antenne in Flugrichtung ausgerichtet. Sie dient als eine Art Schutzschild, um die sensiblen Computer und Instrumente an Board der Sonde zu schützen, während sie mit ca. 122.000 km/h durch die gefährliche Zone fliegt. Dabei wird Cassini in einem Bereich zwischen der Saturnoberfläche und etwa 300 km vor Beginn des sichtbaren Bereichs des D-Rings fliegen. Dieser Bereich scheint größtenteils frei von Partikeln zu sein. Um den Kurs der Sonde vor allem in dem anvisierten Bereich zu bestimmten, verwenden die Wissenschaftler ihre besten Rechenmodelle der Saturnringe. Selbst wenn es zu einer Kollision zwischen Cassini und einem Fremdkörper kommt, der Cassini so stark beschädigt, dass kein weiterer Kontakt zwischen der Sonde und den Wissenschaftlern mehr möglich ist, wurde die Abstiegsbahn so ausgelegt, dass Cassini nach 22 Umrundungen kontrolliert in den Saturn stürzen wird. Spätestens am 15. September wird der Sturz in den Saturn aber in jedem Fall erfolgen. Die Wissenschaftler lassen Cassini bewusst in den Saturn stürzten. Zum einen, um Daten über seine Atmosphäre zu sammeln, und zum anderen, um einen Absturz auf einen der Monde zu verhindern, welcher eventuell mikroskopisches Leben beherbergt. Eine Kontamination mit irdischen Mikroben durch die Sonde soll nämlich in jedem Fall ausgeschlossen werden.
Am 27. April 2017 um 9.00Uhr MESZ meldete Cassini den ersten erfolgreichen Durchflug der Passage. Die Sonde lieferte bei diesem Durchflug hochauflösende Bilder von den Ringen und im nahen Infrarot von Saturns sechsseitigem Wolkenmuster am Nordpol.

Cassini soll bei dieser letzten Mission vor allem die Ringe sowie die Atmosphäre des Saturns untersuchen. Dazu wird Cassini sowohl von Ringpartikeln als auch von der Atmosphäre Proben nehmen sowie Nahaufnahmen machen.

Hydrothermale Quellen auf Enceladus?

Der Saturnmond Enceladus - ein Eismond - ist der 6. Mond des Saturn. Er Umkreist den Ringplanet in ca. 1 Tag und 8 Stunden in einem Abstand von etwa 177.680 km. Im Jahr 2005 flog Cassini mehrere male sehr nah an Enceladus vorbei, um Ihn genauer zu Untersuchen. Dabei entdeckten die Wissenschaftler ein Magnetfeld sowie eine dünne Wasserdampf-Atmosphäre. Im Jahr 2015 ist Cassini durch die auf Enceladus entdeckten Eisfontänen am Südpol geflogen, um die Bestandteile des ausgestoßenen Wasserdampfs und die Eispartikel genauer zu Untersuchen und so Einblicke in das Innere des Ozeans zu erhalten, der unter Enceladus´ dicken Eisschicht liegt. Ursprung dieser Eisfontänen sind vier ca. 130 km lange und 2 km breite Einschnitte in der Eisdecke. Der sogenannte „Tigerstreifen“. Die Messungen ergaben, dass der ausgestoßene Wasserdampf bis zu 1,4 Volumenprozent molekularen Wasserstoff und bis zu 0,8 Volumenprozent Kohlendioxid enthält, wie die NASA auf einer Pressekonferenz am 13.04.2017 mitteilte. Laut den Forschern lässt diese Zusammensetzung auf fortdauernde hydrothermale Reaktionen schließen. Aufgrund der relativen Häufigkeit von molekularem Wasserstoff in den Fontänen wird ein thermodynamisches Ungleichgewicht vermutet, welches die Entstehung von Methan aus Kohlendioxid im Ozean von Enceladus ermöglicht. Es wären damit ähnliche Biotope auf Enceladus möglich, wie man sie um hydrothermale Quellen in Ozeanen bei uns auf der Erde findet. Auf der Erde reagiert in hydrothermalen Systemen eisenhaltiges Gestein mit Wasser und erzeugt so molekularen Wasserstoff. Dieser molekulare Wasserstoff dient Mikroorganismen als Energiequelle. Der molekulare Wasserstoff reagiert dazu mit Kohlendioxid und produziert Methan.
Diese geochemischen Energiequellen treiben Ökosysteme selbst bei völliger Abwesenheit von Sonnenlicht an. Damit besitzt Enceladus eventuell die Drei wichtigen Bausteine für primitives Leben: Wasser, Wärme und organische Chemikalien.

Weitere Untersuchungen werden sich leider in Zukunft als schwierig erweisen, da die Mission Ihrem Ende zugeht und somit keine weiteren Daten gesammelt werden können. Die Wissenschaftler konzentrieren sich daher auf die bisher gesammelten Daten.

Die nächsten und damit auch leider letzten Wochen von Cassini werden sehr spannend werden und es darf auf eine Vielzahl neuer Erkenntnisse gehofft werden. Sobald es neue Informationen gibt, können Sie diese hier nachlesen.

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