Eine Bino-Montierung

Beim ITT auf der Emberger Alm hatte ich die Gelegenheit, verschiedene Binos zu testen. Das 20x90 von Wolfgang Ransburg hat mir sowohl vom Preis als auch von der optischen Leistung am besten gefallen. In der Woche nach dem ITT hab ich das Teil bei Wolfgang bestellt und in der gleichen Woche noch erhalten.

Das riesige, ca. vier Kilo schwere Teil in den Händen, stellte sich mir die Frage: Wie damit praktisch beobachten?

Als erstes habe ich einen geeigneten Unterbau gesucht und in Form eines ausrangierten Vermesserstatives (zum Schrottpreis) auch gefunden. Zerlegt, gereinigt, Lager neu gefettet ist es jetzt fast wieder wie neu und für meine Zwecke ideal.

Infos für eine geeignete Montierung habe ich im Forum von Astronomie.de gesucht und auch gefunden. Das Prinzip des Parallelauslegers mit Gegengewicht war mir bis dahin unbekannt. Ich dachte da eher an eine große Gabelmontierung.

Von den Bildern in diversen Links war ich aber sofort überzeugt. Nur die Konstruktionen - teilweise aus Holz oder dünnen Aluprofilen - ließ in allen Fällen zu wünschen übrig und waren auch immer nur mit kleinen Ferngläsern abgebildet.

Nach ein paar schnellen Skizzen stand fest: Es müssen für die zu tragenden Gewichte zwei parallele Parallelogramme sein, aus entsprechend steifen Profilen und von der Konstruktion her als Selbstbau ausführbar sein.

Also erst mal auf den Schrottplatz Material sammeln. Ein paar dickere Alubleche (zwischen acht und 15 mm) und einige Vierkantrohrreste waren die Ausbeute, die langen Profile sind Reststücke von einem Schlosser. Neu sind nur die Schrauben und Beilagen. Mit dem vorhandenen Material habe ich dann die Konstruktion auf CAD ausgearbeitet und exakt nach Plan umgesetzt.

Ausführung

Die Originalschraube für die Befestigung der Vermesseroptik mit dem undefinierbaren Gewinde wurde durch eine M 16- Schraube mit angeschweißtem Knebel ersetzt.

Alle runden Aluteile sind mit der Stichsäge geschnitten und nachbearbeitet. Das Gegengewicht unter dem Bino ist ein Stück einer Nirowelle. Die Gegengewichte auf der anderen Seite sind Hantelscheiben, die ich noch aus meiner "aktiveren" Zeit rumliegen hatte. Die Schweißarbeiten habe ich bei einem Schlosser machen lassen. Alle Gelenke sind mit selbstklebender Teflonfolie unterlegt und mit selbsthemmenden Muttern verschraubt. Der Handgriff ist eine Gewindestange mit einem aufgeschraubten Feilenheft.

Funktion

Das zentrale Gelenk (Bild 1) ist von unten an das Stativ geschraubt, um 360 Grad drehbar und besteht ohne Schrauben aus acht Einzelteilen.

Damit sich niemand am Gegengewicht stößt und damit vor allem die Augen des Beobachters gefährdet, ist hier ein rotes Blinklicht angeklemmt (Bild 2).

Die vordere Einheit mit Fernglas, Gegengewicht und Griffstange ist in zwei Achsen drehbar und verbleibt beim Loslassen in der jeweiligen Stellung (Bild 3, Bild 4, Bild 5). Auch ein 180 Grad-Schwenk ist damit möglich, ohne um das Stativ herumlaufen zu müssen (Bild 6.jpg). Durch Verschieben des Gegengewichtes und Austausch der Hantelscheiben ist die Montierung auch für kleinere Ferngläser geeignet.

Das beste aber ist der große Aktionsradius von 1,20 m Horizontal- bis 2,10 m Zenitblick (Bild 7, Bild 8). Damit können Kinder und Erwachsene ohne viel Verstellen und Kurbeln gemeinsam und selbständig beobachten (Bild 9.jpg, Bild 10, Bild 11). Ein ideales Gerät für öffentliche Aktionen, wie sie bei uns im Verein immer wieder geboten werden.

Die montierte Konstruktion hat eine Länge von 1,80 m, zum Transport wird sie auf ein Packmaß von 115 cm mal 30 cm zerlegt (Bild 12.jpg), in einer Snowboardtasche verstaut und hat ohne Gegengewichte ca. fünf Kilogramm. An Gegengewichten kommen dann noch mal ca. sieben Kilogramm dazu.

First Light von Montierung und Glas war übrigens am 20. 11. 2003 auf dem bevorzugten Beobachtungsplatz unseres Vereins auf 800 m Seehöhe, begleitet von einem fulminanten Himmelsschauspiel des Nordlichtes, das ich mich vom Eindruck durchaus mit der Sofi von 1999 vergleichen getraue - unvergesslich.

Johannes Hairitsch, Mitglied in der
Astronomischen Vereinigung Kärntens

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