Gespreizte Deklinationsskala für eine Sky Watcher HEQ-5 Montierung

Mit dem Teleskop sowohl lichtschwache als auch hellere Deep-Sky-Objekte schnell und mühelos am Nachthimmel auffinden, fast wie mit GOTO, jedoch ohne Elektronik und dazu noch mit bezahlbaren Mitteln (Materialkosten ca. 30 EUR), ist sicherlich der Wunsch vieler Amateurastronomen, die sich mit Sucherfernrohr und Starhopping herumplagen.

Voraussetzung dafür ist die möglichst genaue Einstellung der Deklination (Winkel für die Steilheit) eines Objekts. Die Deklinationswerte können leicht aus einer Computer-Sternkarte, z. B. Cartes du Ciel, die kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden kann, abgelesen werden.

Leider ist mit dem serienmäßig vorhandenen Deklinations-Teilkreis mit Teilung 2° die erforderliche Einstellgenauigkeit nicht erreichbar. Sie reicht höchstens für ein Sucherfernrohr 8 x 50 aus, in dem aber lichtschwache Objekte, wie z. B. weit entfernte Galaxien usw., nicht sichtbar sind.

Der Autor hat deshalb nach eigenen Ideen für seine HEQ-5 Montierung eine mechanische Einstellhilfe gebastelt, die es erlaubt, die Deklination eines Objekts mit einer Genauigkeit von weniger als 15' einzustellen, ausreichend für Vergrößerungen < = 60fach. Das Prinzip ist - ggf. modifiziert - für alle parallaktischen (deutschen) Montierungen anwendbar, deren Gegengewichtsstange sich mit der Deklination dreht. Wichtig ist auch, dass keine garantierelevanten Veränderungen wie zusätzliche Bohrungen usw. an der Montierung erforderlich sind. Lediglich der Klemmhebel der Gegengewichtsstange muss abgeschraubt und die nördliche Schraube der Polhöhenverstellung durch eine kürzere ersetzt werden, um einen Crash zu vermeiden.

Und wie funktioniert das Ganze? Eigentlich recht einfach!

Eine auf der Gegengewichtsstange mittels lösbarer Klemmschraube befestigte große Zahnriemenscheibe (Alu, Z = 60 T = 2,5) treibt über einen Zahnriemen (Z = 106 L = 265 T = 2,5) eine seitlich gelagerte kleine Zahnriemenscheibe (Alu, Z = 15 T = 2,5) an, auf die eine große Skalenscheibe (Alu-Blech 1 mm Ø 114 mm) geklebt ist.

Die eigentliche Deklinationsskala ist auf weiße Klebefolie kopiert und am Umfang in 90° eingeteilt. Jedes Grad ist wiederum in 4 Teile zu je 15' aufgeteilt (Abstand 1mm). Damit wird eine extreme Spreizung von 1 : 6 gegenüber dem serienmäßig vorhandenen Deklinations-Teilkreis erreicht. Der Zahnriementrieb ist schon bei leichter Vorspannung des Zahnriemens spielfrei.

Die Stahlachse (Ø 4 mm) der kleinen Zahnriemenscheibe hat beidseitig Gewinde M 4 und ist mittels Sechskantmuttern und Scheiben mit einem Befestigungswinkel (Alu-Blech 2 mm) verschraubt. Für die Verschraubung des Befestigungswinkels mit der Montierung werden die beiden vorhandenen Innengewinde M 18 x 1 ausgenutzt, in denen versenkt die Schneckenwellen gelagert sind. Hier werden kurze Gewinderohre aus Metall eingeschraubt, die einseitig mit Zweikomponentenkleber verschlossen sind. Die Verschraubung erfolgt dann mit entsprechenden Sechskantmuttern.

Am Befestigungswinkel ist außerdem mittels Schraube M 4, Sechskantmuttern und Scheiben eine U-förmig gebogene, justierbare Ablesenadel (Federstahldraht Ø 1,2 mm) mit Öse angebracht, die im Skalenbereich auf eine Dicke von 0,3...0,4 mm heruntergeschliffen ist.

Zur Bedienung

Die Bedienung dürfte jedem Amateurastronomen sofort klar sein. Die RA-Achse muss mit Hilfe des Polsucher-fernrohrs möglichst exakt auf den Himmelspol ausgerichtet werden (Beleuchtung erforderlich).

Für die Eichung wählt man aus der Sternkarte einen hellen Stern in der Nähe der gesuchten Objekte als Referenzstern (z. B. für den Virgo- Galaxienhaufen könnte dies Denebola im Löwen sein), sucht diesen mit der kleinsten Vergrößerung und zentriert ihn im Okular.

Anschließend wird die Deklinationsskala geeicht indem nach Lösen der Klemmschraube der großen Zahnriemenscheibe die Deklination des Referenzsterns auf der Deklinationsskala möglichst genau eingestellt und danach die Klemmschraube der Zahnriemenscheibe wieder angezogen wird. Eine kleine Taschenlampe oder Leuchtlupe ist hier hilfreich. Die Einstellung der Deklination des gesuchten Objekts erfolgt erst grob von Hand und dann fein mit dem Deklinationsmotor.

Das Teleskop wird dann manuell langsam um die RA-Achse durch den Bereich des Himmels geschwenkt, in dem sich das gesuchte Objekt befinden muss. Nach kurzer Zeit erscheint es im Gesichtsfeld des Okulars und kann, falls erforderlich, motorisch zentriert werden. Danach ist durch Okularwechsel eine Änderung der Vergrößerung möglich.

Woher nun eine geeignete Skala nehmen?

Sie kann man sich selbst mit einem Grafikprogramm selbst erstellen. Für diejenigen, die diese Möglichkeit nicht haben, liegt ein tif-file in einer Auflösung von 600dpi zum download bereit.

Weitere Informationen bekommen Sie beim Autor per email.

Copyright 2004 by Norbert Lichte

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