Namensgebung von Sternbildern

Die heutigen Namen der 48 klassischen Sternbilder (z. B. Schwan, Leier, Adler, Herkules, Großer Bär, Orion, …)  stammen aus der Zeit des Römischen Weltreichs. Die Römer bezogen ihre Astronomiekenntnisse von den Griechen, benutzten aber nicht die griechischen Sternbildnamen. Die Griechen erlernten die Astronomie um 700 v. Chr. bei den Babyloniern, verwendeten aber nicht die babylonischen Sternbildnamen. Die Astronomie der Babylonier basierte auf der Astronomie der  Akkader, und die astronomischen Vorstellungen der Akkader stammen von den Chaldäern. Welche astronomischen Kenntnisse die Vorläufer der Chaldäer hatten, wissen wir noch nicht. 
Bei vielen klassischen Sternbildern kann man den Namen bis in die Frühzeit zurückverfolgen. So stammen z. B. die ältesten bekannten Erwähnungen des Sternbilds Orion aus dem Zweistromland. In Ur im Land Chaldäe sah man in dem Sternbild eine Verkörperung des Stadtgründers Gilgamesch, aus der Zeit vor der Sintflut. In Akkad hieß es um 2700 v. Chr. „Uru-Anna“, was „Licht des Himmels“ bedeutet. Aus dem Begriff „Uru-Anna“ wurde mit der Zeit „Aryan“. Als „Aryan“ bezeichneten sich die Eliten des persischen Großreichs, bis es im 4. Jahrhundert v. Chr. von Alexander dem Großen ausgelöscht wurde. Im frühklassischen Griechenland wurde aus „Aryan“ der Name „Orion“.

Da die Christen der Spätantike die Astronomie für ein heidnisches Überbleibsel hielten, ging in Europa die Kenntnis der klassischen Astronomie durch das Aufkommen des Christentums unter. Arabische Wissenschaftler retteten im 9. Jahrhundert n. Chr. griechische Abschriften des  Astronomiebuches „Megiste Syntaxis“ des Claudius Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und übersetzten sie ins Arabische. Diese Übersetzung wurde unter dem Namen „Almagest“ bekannt. Damit wurde das antike astronomische Wissen durch arabische Wissenschaftler gerettet und an arabischen Hochschulen gelehrt. Im 12. Jahrhundert gelangten lateinische Übersetzungen des Almagest nach Europa, bis ins 17. Jahrhundert waren sie Standardwerke der Astronomie. Dadurch wurden auch die Namen der antiken Sternbilder bekannt.

Zu Beginn der Renaissance wurde das Fernrohr erfunden. Mit diesem Gerät wurden in den unauffälligen Regionen zwischen den bekannten klassischen Sternbildern viele bis dahin übersehene Sterne entdeckt und ihre Positionen vermessen. Zu diesem Zweck fügten Astronomen in diese Regionen neue Sternbilder ein (z. B. Füchslein, Giraffe, Luchs, Eidechse, Jagdhunde, …).  Die Renaissance war auch das Zeitalter der Suche nach den Seewegen nach Indien und den Gewürzinseln. Diese Suche  führte die Segelschiffe der Entdecker unter die Sterne des bisher unbekannten Südhimmels. Damit die Schiffe ihren Weg über diese unbekannten Ozeane finden konnten, mussten sie mittels der Sterne ihre Position bestimmen können. Daher wurden in diesen vorher unbekannten Regionen des Südhimmels neue Sternbilder eingerichtet (z. B.  Kreuz des Südens,  Tukan, Pfau, Indianer, …).  Im 18. Jahrhundert teilte der französische Astronom Nicholas de Lacaille das seit der Antike bekannte Sternbild „Schiff Argo“ in drei Sternbilder  auf (Achterschiff, Schiffskiel, Segel). Er erfand dann gleich noch in unmittelbarer Nähe das Sternbild Kompass dazu .
Die Namen neuer Sternbilder wurden durch den Astronomen vergeben, der das Sternbild erfand, es in die Himmelskarten einführte und so der astronomischen Wissenschaft bekannt machte. Viele der neu eingeführten Sternbilder wurden aber nicht von allen Astronomen akzeptiert und tauchten daher in späteren Ausgaben der Himmelsatlanten nicht mehr auf (z. B. Katze, Rentier, Hahn, König Karls Eiche, Brandenburgisches Zepter, Mauerquadrant, Druckerei, Nördliche Fliege, …).

1928 wurden durch die Internationale Astronomische Union die Grenzen der Sternbilder verbindlich festgelegt.

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf vier Kontinenten hat er bislang sechs Totale Sonnenfinsternisse erlebt.