Sternbild Adromeda - lat. Andromeda, Andromedae, Kurzbezeichnung And.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Andromeda liegt zwischen den Sternbildern Dreieck, Fische, Pegasus, Eidechse, Cassiopeia und Perseus. In der Liste der 88 Sternbilder nimmt es mit seiner Fläche von 722 Quadratgrad die 19. Position ein. Es ist größer als jedes der berühmten Sternbilder Cepheus, Cassiopeia, Perseus oder Orion. Doch da die hellen Sterne des Sternbilds Andromeda vorwiegend im südlichen Teil des Sternbilds liegen und sein hellster Stern von den Beobachtern meist als ein Stern des Sternbilds Pegasus wahrgenommen wird, fallen den Beobachtern am Himmel große Teil des Sternbilds Andromeda gar nicht auf.

 

Geschichte und Mythologie

Den antiken Sagen zufolge war Andromeda die einzige Tochter des Königs Cepheus und seiner Königin Cassiopeia. Cassiopeia war sehr schön, aber auch sehr eitel, denn sie hielt sich und ihre Tochter für die schönsten Frauen der Welt. Sie verstieg sich sogar öffentlich zu der Behauptung, dass sie und ihre Tochter schöner seien als jede der Nereiden. Diese Behauptung kam einer der Nereiden zu Ohren, und so nahm das Unglück seinen Lauf.
Die Nereiden waren die 50 Töchter des Titanen Nereus und seiner Gattin Doris. In der Antike galt jede einzelne dieser Nereiden als ein Inbegriff von Schönheit und Liebreiz, und Männer jeden Alters sollen schon in der  Gegenwart nur einer einzelnen Nereide völlig aus dem Häuschen geraten sein. Die Nereiden waren sich ihrer besonderen Wirkung auf Männer wohl bewusst und sehr stolz darauf, und sie duldeten in diesem Feld keine Konkurrenz. Eine der Nereiden hieß Amphitrite, sie war die Gattin des Meergottes Poseidon. Folglich erschienen 50 empörte bildschöne Nereiden gemeinsam vor ihrem Schwager Poseidon und forderten ihn sehr nachdrücklich auf, dieser unverschämten Königin und ihrem Töchterchen ein für allemal Manieren beizubringen. 
Daher ließ Poseidon das riesige Seeungeheuer Cetus frei. Dieses Untier verwüstete fortan die Küstenregionen des Königreichs und fügte der dortigen Schifffahrt und dem Handel großen Schaden zu. Die erschrockenen Untertanen forderten ihren König Cepheus auf, rasch für Abhilfe zu sorgen. In seiner Not befragte Cepheus das berühmte Zeus-Orakel von Siwa. Dort teilte man ihm mit, er müsse seine Tochter Andromeda mit Ketten an einen Küstenfelsen schmieden und sie dem Cetus opfern, denn nur dadurch seien Poseidon und der düstere Zorn der Nereiden zu besänftigen.
Also ließ Cepheus seine zarte Tochter mit Ketten an den Küstenfelsen schmieden: Blass stand sie da und erwartete in stummer Angst ihr entsetzliches Schicksal. Das Ungeheuer hatte die Jungfrau bereits entdeckt und näherte sich, um aus dem Wasser zu kriechen und die Jungfrau zu verspeisen.
Doch dazu kam es nicht. Denn zufällig kam auf dem Heimweg von seiner letzten Heldentat der junge Held Perseus vorbei, der Sohn des Zeus und der Danae. Der römische Dichter Ovid schildert anschaulich, wie Perseus die blasse und unbewegte Gestalt des Mädchens zunächst für eine Marmorstatue hält, wie er dann seinen Irrtum bemerkt, nun mit dem schüchternen Mädchen ins Gespräch kommt, wie er dabei wahrnimmt, wie schön, wie sanft und wie unschuldig sie ist, und wie er sich bis über beide Ohren in sie verliebt. Wie er dann entschlossen sein von Hephaistos geschmiedetes Zauberschwert aus der Schwertscheide zieht, die Eisenketten durchtrennt, die Andromeda fesseln, wie er sprühend vor Zorn und Kraft über den verdutzten Cetus herfällt und das Untier mit mächtigen Schwerthieben in Stücke hackt, und wie er die schöne  Andromeda danach gegen alle wilden Widerstände ihrer Familie schließlich heiratet.
Der Sage nach wurden die beiden ein glückliches Paar, Perseus gab für seine Andromeda sein Heldendasein auf und wurde ein glücklicher Familienvater mit einer wachsenden und munteren Kinderschar.
Seit Jahrtausenden erinnern uns die Sternbilder Cepheus, Cassiopeia, Andromeda, Perseus und Cetus an diese romantische Geschichte.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern des Sternbilds ist der 2,0m helle Alpheratz (Alpha Andromedae). Alpheratz ist der linke obere Eckstern des Pegasusquadrats, daher wird Alperatz meist für einen Teil des Sternbilds Pegasus gehalten, was aber nicht zutrifft. Alpheratz ist ein blauweißer Stern von 160 Sonnenleuchtkräften, er ist ca. 100 Lichtjahre entfernt. Von Alpheratz aus zieht sich in östliche Richtung eine Kette aus drei hellen Sternen, die bei Betrachtung mit dem bloßen Auge das auffälligste Element dieses Sternbilds darstellen.Ca. 7° östlich von Alpheratz liegt der 3,3m helle Stern Delta Andromedae. Delta ist ein Roter Riese mit hundert Sonnenleuchtkräften in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° östlich von Delta liegt der 2,1m helle Mirach (Beta Andromedae). Mirach ist ein Roter Riese in 75 Lichtjahren Entfernung. Ca. 12,5° östlich von Mirach liegt der 2,2 m helle Alamak (Gamma Andromedae). Alamak ist ein heller Doppelstern, dessen beide Partner einen kräftigen Farbkontrast bilden, was man auch in kleinen Fernrohren bei hoher Vergrößerung sehr schön beobachten kann.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das bekannteste Objekt im Sternbild Andromeda ist die „Andromeda-Galaxie“ M31. Bei dunklem Himmel ist ihre Kernregion schon mit bloßem Auge wahrnehmbar. Sie steht nahe bei dem 4,5m hellen Stern Ny Andromedae, der sich ca. 6,5° nördlich von Mirach befindet. M31 überspannt am Himmel fast 4° und ist wegen ihrer Ausdehnung für das Gesichtsfeld üblicher Fernrohre zu groß. Daher kann man im Fernrohr nur den hellen Zentralbereich und die beiden Begleitgalaxien M32 und M110 sehen. Bei sehr dunklem Himmel und mit einem lichtstarken Fernrohr niedriger Brennweite kann man im Okular auch Staubbänder der Spiralarme dieser Galaxie wahrnehmen. M31 liegt in einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren, das sind ca. 24 Trillionen Kilometer.
Wer im Sternbild Andromeda auch eine schwächere Galaxie sehen möchte, kann sein Fernrohr auf IC 404 richten. Diese 10m helle elliptische Galaxie steht sieben Bogenminuten nördlich von Mirach. Hier kann man sie im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung bei dunklem, klarem Himmel und mit hoher Vergrößerung wahrnehmen.
Das Sternbild Andromeda bietet dem Fernrohrbeobachter den sehenswerten Planetarischen Nebel NGC 7662. Um ihn aufzufinden, startet man beim Stern Scheat (Beta Pegasi): Ca. 14° nördlich von Scheat stößt man auf den 3,6m helle Stern Omikron Andromedae. 6,3° östlich von Omikron Andromedae findet man den 4,5 m hellen Iota Andromedae. Zieht man in Gedanken eine Linie von Omikron nach Iota, trifft man von Omicron ausgehend nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3 m hellen Stern 13 Andromedae. Wir finden NGC 7662 nun 25 Bogenminuten südwestlich dieses Sterns. Der Nebel ist schon im Fernglas als blaues Sternchen wahrnehmbar, doch erst bei hoher Vergrößerung im Fernrohr sieht man, dass NGC 7662 ein blaugrün schimmernder, kugeliger Nebel ist. Er ist auch als der „blaue Schneeball“ bekannt.
Ca. 4,5° südlich von Alamak kann man im Fernglas den Offenen Sternhaufen NGC 752 beobachten. Für die Beobachtung mit dem Fernrohr ist NGC 752 zu groß. Er enthält über 80 Sterne und liegt 1300 Lichtjahre von uns entfernt.

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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