Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Cassiopeia liegt zwischen den Sternbildern Cepheus, Eidechse, Andromeda, Perseus und Giraffe. Seine hellsten Sterne stehen am Himmel in einer Anordnung, die an den Großbuchstaben “W“ erinnert. Das Sternbild Cassiopeia nimmt am Himmel eine Fläche von 598 Quadratgrad ein. In der Liste der 88 Sternbilder hat es die 25. Position.
Es ist ein zirkumpolares Sternbild und kann von Mitteleuropa aus in jeder Nacht beobachtet werden.

 

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Cassiopeia wurde von den Astronomen der griechischen Antike zur Erinnerung an die sagenhafte Königin Cassiopeia geschaffen. Sie war die eitle und schöne Frau des Königs Cepheus, ihr einziges Kind war die schöne Andromeda. Cassiopeia prahlte, sie und ihre Tochter seien schöner als jede der Töchter des Nereus, die damals als der Inbegriff von Schönheit und Liebreiz galten. Durch diese Behauptung zog Cassiopeia sich den Zorn der Nereiden zu. Da die Nereide Amphitrite mit Poseidon verheiratet war, forderte mit ihren Schwestern von ihrem Gatten eine deutliche Bestrafung der unbotmäßigen Königin. Daher schickte Poseidon das Ungeheuer Cetus zum Königreich des Cepheus und der Cassiopeiae. Der riesige Cetus versenkte Handelsschiffe vor den Küsten des Königreichs und zertrümmerte gnadenlos die Fischerboote auf See, und überspülte die küstennahen Felder weithin mit Meerwasser. Der Seehandel und der Fischfang brachen zusammen, die Ernte  fiel aus und der Hunger drohte. Ein Orakelspruch verlangte, dass Andromeda dem Cetus geopfert werden müsse, dann werde Poseidon das Ungeheuer zurückziehen.
Andromeda wurde am Meeresstrand als Opfer an einen Felsen gekettet, doch der Held Perseus konnte Andromeda retten, indem er ihre Ketten zerriss, mit seinem Zauberschwert den Cetus tötete und Andromeda anschließend heiratete. Danach gab er sein Heldendasein auf und lebte fortan als braver und zufriedener Familienvater mit einer wachsenden  Kinderschar. Die Sagengestalten Perseus, Cetus, Andromeda, Cepheus und Cassiopeia wurden als Sternbilder an den Himmel versetzt.
Alte Himmelsatlanten zeigen die Figur der Cassiopeia auf ihrem Thron sitzend, wobei sie selbstvergessen mit ihren Locken spielt.
Das Sternbild zeigt eine markante Anordnung von fünf hellen Sternen, die an den Buchstaben „W“ erinnert, weshalb man das Sternbild auch als das „Himmels-W“ bezeichnet. Mit einer stolz auf einem Thron sitzenden Königin haben die Sterne des „Himmels-W“ keinerlei Ähnlichkeit.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Cassiopeia ist der 2,2m helle Schedir (Alpha), ein Roter Riese in 200 Lichtjahren Entfernung, Schedir markiert die rechte Spitze des „Himmels-W“. Der 2,3m helle Caph (Beta) markiert das rechte Ende des „Himmels-W“. Caph ist ein weißer Stern in ca. 45 Lichtjahren Entfernung. In der Mitte des „Himmels-W“ steht der 1,6m helle Gamma Cassiopeiae, ein blauweißer, veränderlicher Riesenstern. Der 2,7m helle  Ruchbah (Delta) ist der Stern an der linken Spitze des „Himmels-W“. Der 3,4m helle, blauweiße Seginus (Epsilon) liegt am linken Ende des „Himmels-W“.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der 4m helle Archird (Eta) ist ein hübscher Doppelstern, er liegt 1,7° nordöstlich von Schedir und ist 19 Lichtjahre entfernt. Archird entspricht in Leuchtkraft und Spektralklasse unserer Sonne. Von Archird aus betrachtet sieht unsere Sonne so aus, wie wir Archird sehen. Ca. 5° nordöstlich von Seginus liegt der 4,5m helle Dreifachstern Iota, Schon ein kleines Fernrohr zeigt ihn in drei Partnersterne aufgelöst, einer davon ist gelblich, die anderen beiden erscheinen weiß.Der 6,2m helle RZ Cassiopeiae ist ein Bedeckungsveränderlicher vom Algol-Typ. Nach jeweils einem Tag, vier Stunden und 41 Minuten fällt die Helligkeit von RZ innerhalb von zwei Stunden auf 7,8m ab. Gleich danach beginnt er wieder heller zu werden, und nach zwei Stunden hat er seine ursprüngliche Helligkeit wieder erreicht.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild Cassiopeia enthält mehrere helle Offene Sternhaufen. Einer der hübschesten ist NGC 457, der auch unter dem Namen „Eulenhaufen“ bekannt ist. Mit etwas Phantasie erkennt man in der Anordnung der Sterne eine kecke Eule, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügeln anfunkelt. NGC 457 ist leicht zu finden, denn er liegt um den 5,7m hellen Stern Phi Cassiopeiae, welcher das hellere der beiden „Eulenauge“ darstellt. Phi ist ein weißer Überriese in ca. 5000 Lichtjahren Entfernung. Ein weiterer sehenswerter Offener Sternhaufen ist NGC 281, er liegt ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha). Betrachtet man ihn mit einem Nebelfilter, erkennt man, dass dieser Sternhaufen in einen Emissionsnebel eingebettet ist. Der kleine Offene Sternhaufen M103 liegt ca. 1° nordöstlich von Ruchba (Delta). Diesen Sternhaufen sollte man mit einem lichtstarken Fernrohr beobachten, weil die individuellen Farben der Haufenmitglieder dann schön zur Geltung kommen. Unterhalb der Verbindungslinie von Ruchba nach Segin (Epsilon) liegen die reichen Offenen Sternhaufen NGC 654, NGC 663 und NGC 659. Diese Sternhaufen kann man in kleinen Fernrohren gut beobachten.Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir über Caph um den Abstand dieser beiden Sterne hinaus, findet man dort im lichtstarken Fernrohr den Offenen Sternhaufen M52. Dieser Sternhaufen enthält sehr viele Sterne, die jedoch nur sehr schwach leuchten. Daher braucht man lichtstarke Fernrohre großer Öffnung, um M52 gut beobachten zu können. Zwischen den Doppelsternen Rho und Sigma liegt der Offene Sternhaufen NGC 7889. Er enthält Hunderte lichtschwacher Sterne. Auch bei diesem Sternhaufen ist zur erfolgreichen Beobachtung ein lichtstarkes Fernrohr zwingend erforderlich.

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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