Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Cepheus liegt zwischen den Sternbildern Schwan, Drache, Kleiner Bär, Giraffe, Cassiopeia und Eidechse. Unter den 88 Sternbildern nimmt das Sternbild mit seiner Fläche von 588 Quadratgrad den 27. Rang ein. Doch obwohl das Sternbild recht ausgedehnt ist und zudem am Himmel Mitteleuropas in jeder klaren Nacht sichtbar ist, wird das Sternbild am Nachthimmel sehr oft übersehen. Das ist erstaunlich, denn selbst unter einem durch künstliches Licht aufgehellten Stadthimmel sind die hellsten Sterne des Sternbilds mit bloßem Auge gut sichtbar. In den benachbarten Sternbildern liegen jedoch viele Sterne, die ähnlich hell sind wie Sterne wie im Sternbild Cepheus. Daher fällt  es schwer, in diesem großen Sternenfeld das Sternenmuster des Sternbilds Cepheus zu identifizieren.

 

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Cepheus ist eine Schöpfung der Astronomen der griechischen Antike. Es sollte an Cepheus erinnern, den König von Äthiopien. In der Antike war “Äthiopien“ der Name eines Landes, das an der Küste von Palästina in der Gegend des heutigen Gaza lag. Cepheus soll ein Ururenkel der schönen Io gewesen sein, nach der das Ionische Meer benannt ist, und die im alten Ägypten als die Göttin Isis verehrt wurde.
Cepheus war mit Cassiopeia verheiratet, einer außerordentlich schönen und außerordentlich eitlen Frau. Das Königspaar hatte eine hübsche Tochter mit Namen Andromeda. Königin Cassiopeia empfand sich als so schön, dass sie in aller Öffentlichkeit behauptete, sie sei schöner als jede der Nereiden. Die Nereiden waren die für ihre Schönheit, ihr Temperament und ihren Liebreiz berühmten schwarzäugigen Töchter des Titanen Nereus. Cassiopeias Behauptung kam einer Nereide zu Ohren, die das sofort an ihre Schwestern weitergab. welche daraufhin empört zu Poseidon, dem Gott des Meeres eilten. Für Poseidon war das ein ziemlicher Auflauf, denn Nereus hatte fünfzig schöne Töchter. Die empörten Nereiden forderten vehement von Poseidon, dass er unverzüglich ein Exempel statuieren müsse, um dieser unverschämten Königin Cassiopeia das freche Mundwerk zu stopfen.
Da Poseidon mit der Nereide Amphitrite verheiratet war, gehorchte er. Er ließ das furchtbare Meerungeheuer Cetus frei, das fortan in den Gewässern vor Äthiopien Schiffe angriff und versenkte. Das brachte den lukrativen Seehandel von und nach Äthiopien sowie der Fischfang vollkommen zum Erliegen. Außerdem überspülte Cetus alle Felder der fruchtbaren Küstenebene mit Meerwasser, wodurch sie versalzten und die Ernte ausfiel. Die Bewohner des Landes gerieten in Not, sie wurden zornig und setzten ihren König Cepheus wegen der Cassiopeia, die ja die Ursache für das Desaster war, mächtig unter Druck.
Cepheus ließ daher beim Orakel in Siwa nachfragen, was er tun könne, um das böse Untier los zu werden und seine Untertanen zu beruhigen. Das Orakel teilte ihm mit, er müsse dem Cetus seine Tochter Andromeda opfern, dann werde Poseidon den Cetus zurückziehen. So ließ Cepheus Andromeda mit eisernen Ketten an einen Küstenfelsen bei Jaffa fesseln. Bald hob der fürchterliche Cetus seinen grässlichen Kopf aus dem Meer und näherte sich langsam dem Ufer, um sich über die hilflose Jungfrau herzumachen. Doch zufällig kam der Held Perseus an dem Küstenfelsen vorbei, er war ein Sohn des Zeus, hatte vor Kurzem das Haupt der Medusa erbeutet, trug es in einem Sack auf seinem Rücken und war auf dem Heimweg. Als er Andromeda sah, verliebte er sich augenblicklich in sie. Er zerriss ihre Ketten, hieb den enttäuscht schnaubenden Cetus mit kraftvollen Hieben seines von Hephaistos geschmiedeten Zauberschwerts in Stücke und forderte anschließend Andromeda von Cepheus zu seiner Frau. Cepheus war einverstanden, obwohl er Andromeda längst seinem Bruder Phineus zur Frau versprochen hatte. Mitten im Hochzeitsbankett von Perseus und Andromeda tauchte Phineus jedoch mit seinem bewaffneten Gefolge auf und forderte lautstark von Perseus die sofortige Herausgabe der ihm zugesagten Andromeda. In dieser Situation verweigerte Cepheus dem erschrockenen Perseus jegliche Unterstützung im Streit mit Phineus, und so kam es zu einem heißen Kampf des Perseus gegen Phineus und sein Gefolge. Schließlich zog Perseus, voll Wut und enttäuscht von dem Verrat seines frischgebackenen Schwiegervaters, das todbringende Haupt der Medusa aus seinem Sack und hielt es vor den Augen seiner Widersacher in die Höhe. Der Anblick des fürchterlichen Gorgonenhaupts verwandelte den Phineus und sein gesamtes Gefolge alle augenblicklich in Stein.
Danach verließ Perseus mit Andromeda das Land Äthiopien und zog mit ihr zu seiner Mutter Danae, Dort gründete er mit Andromeda eine Familie und führte fortan in einer wachsenden Kinderschar ein solides Eheleben ohne nach außen sichtbare spektakuläre Heldentaten. Nach dem Tod des Cepheus wurde Perses, ein Sohn des Perseus und Enkel des Cepheus sein Nachfolger. Athene versetzte schließlich den Cepheus sowie Cassiopeia, Perseus, Andromeda und Cetus gemeinsam als Sternbilder an den Himmel.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Cepheus ist der 2,4m helle Alderamin (Alpha). Alderamin ist ein weißer Stern der Spektralklasse A7 mit 23 Sonnenleuchtkräften in 53 Lichtjahren Entfernung. In 5000 Jahren wird Alderamin am Himmel die Rolle des heutigen Polarsterns einnehmen.
Ca. 7,6° nördlich von Alderamin liegt der 3,2m helle Alphirk (Beta). Alphirk ist ein blauer Riesenstern, ca. 900 Lichtjahre entfernt, mit 4000 Sonnenleuchtkräften. Alphirk zeigt sich im Fernrohr als Doppelstern, sein Partner ist ca. 8m hell und weiß.
Ca. 11° nordöstlich von Alphirk liegt der 3,2m helle, rötliche Errai (Gamma), in 2000 Jahren wird Errai Polarstern sein.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der 3,5 m helle Iota Cephei liegt 11° südsüdwestlich von Errai, und 8° südlich von Iota liegt der 3,8m helle Delta Cephei. Delta ist ein berühmter, pulsationsveränderlicher Riesenstern und der Namensgeber der Delta-Cepheiden, die man auch kurz „Cepheiden“ nennt. Delta ändert seine Helligkeit und seine Spektralklasse in einem regelmäßigen Wechsel, präzise wie ein Uhrwerk, wobei die Maxima der Helligkeit bei Delta Cephei in einem Abstand von 5,36634 Tagen aufeinander folgen. Im Jahre 1912 entdeckte die Astronomin Henriette Leavitt, dass die absolute Helligkeit von Cepheiden direkt von der Frequenz ihrer Lichtwechsel abhängt: je weiter die Maxima auseinander liegen, desto größer ist die absolute Helligkeit des betreffenden Sterns. Wenn man die Dauer dieses Lichtwechsels genau misst, kann man die Entfernung des betreffenden Sterns und seine tatsächliche Leuchtkraft direkt über die Frequenz des Lichtwechsels ermitteln. Infolgedessen weiß man z. B. von Delta Cephei, dass er 1013 Lichtjahre entfernt ist und eine absolute Helligkeit von -2,9 aufweist.Delta Cephei ist ein Doppelstern, dessen blauweißer Begleiter eine Helligkeit von 6,3m hat und schon in kleinen Teleskopen mit schönem Farbkontrast getrennt vom eher gelblichen Delta gesehen werden kann.
Ca. 2,5°südöstlich von Delta liegt der 3,3m helle gelbliche Stern Zeta, ein gelber Überriese mit über 5800 Sonnenleuchtkräften. Ca. 4° westlich von Alderamin liegt der 3,4m helle Eta Cephei. Eta ist 46 Lichtjahre entfernt.
Der wohl röteste Stern im Cepheus ist der 4,5m helle µ Cephei, ein Roter Überriese der Spektralklasse M2, der ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Zeta nach Alderamin zu finden ist. My Cephei erscheint im Fernrohr rötlich wie ein Granat, weshalb sein Entdecker Wilhelm Herschel ihm den Namen „Granatstern“ gab.
Zieht man eine Linie von Alderamin nach Iota Cphei, liegt auf der Mitte dieser Linie der 4,3m helle Stern Xi Cephei. Xi ist ein schöner Doppelstern, die beiden 4,6m und 6,5m hellen Partnersterne haben voneinander einen Abstand von 5 Bogensekunden.
Die Sterne Alderamin, Alphirk, Errai, Iota und Delta bilden am Himmel ein Sternenmuster, das an eine etwas schiefe Ausgabe des „Hauses vom Nikolaus“ erinnert. Xi Cephei markiert hierbei den Schnittpunkt der beiden Diagonalen in diesem „Haus“.
Circa 1,3° südwestlich von Xi liegt in 3000 Lichtjahren Entfernung der 5m helle, veränderliche Stern VV Cephei. VV ist ein System von bedeckungsveränderlichen Sternen von absolut kolossalen Ausmaßen: Hier umkreisen einander ein Roter Überriese (VV Cephei A) und ein kleinerer, blauweißer Stern (VV Cephei B) einmal im 20,3 Jahren, wobei der Rote Überriese den kleineren Stern regelmäßig für 15 Monate vollständig verdeckt. VV Cephei A hat ca. 2,5 Milliarden km Durchmesser, eine Masse von ca. 100 Sonnenmassen und ca. 400.000 Sonnenleuchtkräfte. Der kleinere Stern, VV Cephei B ist ein Stern der Spektralklasse B0, mit 14 Millionen km Durchmesser und nur 100.000 Sonnenleuchtkräften, er ähnelt dem Stern Deneb im Sternbild Schwan.
Ein weiterer bemerkenswerter bedeckungsveränderlicher Stern im Cepheus ist U Cephei. Dieser 5,2m helle Stern  steht hoch im Norden des Sternbilds und ist am Himmel leicht zu finden, indem man die Linie von Delta Ursae Minoris zum Polarstern über den Polarstern hinweg um 5,5° verlängert. Nach jeweils zwei Tagen, elf Stunden, 49 Minuten und 50 Sekunden fällt die Helligkeit von U für zwei Stunden auf 9,2m ab.


Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild Cepheus liegt am Himmel nahe zum Milchstraßenband und enthält daher einige sehenswerte Offene Sternhaufen. Zieht man eine Linie vom Polarstern nach Errai, liegt dort in einem Abstand von 4° zum Polarstern der Offene Sternhaufen NGC 188. Er enthält nur schwache Sterne, ist in kleinen Teleskopen daher meist nicht zu sehen und ist auch im Achtzöller nicht sehr auffällig. Mit seinem Alter von über sieben Milliarden Jahren ist NGC 188 jedoch der älteste bekannte Offene Sternhaufen der Galaxis.
Deutlich jünger ist der Offene Sternhaufen NGC 7510, den man ca. 1° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Zeta Cephei nach Beta Cassiopeiae auffinden kann. NGC 7510 ist ein kompakter Haufen, für dessen Beobachtung Fernrohre ab acht Zoll Öffnung mit hoher Vergrößerung erforderlich sind.
Ca. 2,3° südwestlich von Eta Cephei liegt der Offene Sternhaufen NGC 6939. Bei niedriger Vergrößerung ist er in mittleren Fernrohren nur als ein nebliges Fleckchen zu sehen, bei höherer Vergrößerung im lichtstarken Fernrohr zeigt er eine dichte Gruppe schwacher Sterne. Wenn der Himmel dunkel und klar ist, kann man versuchen, südlich von NGC 6939 im lichtstarken Fernrohr bei niedriger Vergrößerung die ausgedehnte, aber matte Galaxie NGC 6946 zu sehen.

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.