Sternbild Chemischer Ofen - lat. Fornax, Fornacis (Gen), deutsch: Chemischer Ofen, Kurzbezeichnung For.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Chemischer Ofen liegt am Himmel eingebettet in einer großen Schleife des Sternbilds Eridanus. Hierbei grenzt es im Norden an das Sternbild Walfisch und im Westen an das Sternbild Bildhauer. Die hellsten Sterne des Sternbilds Chemischer Ofen liegen auf einer Deklination von -30°, und somit auf der gleichen Breite wie der helle Stern Fomalhaut. Das Sternbild Chemischer Ofen ist somit von Mitteleuropa aus sichtbar. Da seine hellsten Sterne nur um 4m hell sind und im Horizontdunst kaum auffallen, wird das Sternbild Chemischer Ofen von Mitteleuropa aus selten beobachtet.
Es nimmt am Himmel eine Fläche von 398 Quadratgrad ein und steht unter den 88 Sternbildern an 41. Position. Es ist größer als das Sternbild Großer Hund, hat jedoch keinen hellen Stern wie den Sirius zu bieten.

Geschichte und Mythologie

„Fornax“ ist die lateinische Bezeichnung für einen Schmelzofen. Das Sternbild ist keine Schöpfung der Antike oder der Renaissance. Sein Erfinder war der französische Mathematiker und Astronom Nicolas Louis de Lacaille. Von 1750 bis 1754 beobachtete er in der Nähe von Kapstadt in Südafrika den südlichen Sternenhimmel, vermaß von dort die Positionen von über 10.000 Sternen und den Lauf von Mond und Mars, um dadurch die Parallaxe dieser Himmelskörper und damit deren Entfernung genauer bestimmen zu können. Da am Südhimmel damals noch nicht genug Sternbilder existierten, die er zur leichteren Orientierung am Himmel und zur präzisen Vermessung der Sternpositionen benötigte, schuf er 14 Sternbilder. Eines davon ist das Sternbild Chemischer Ofen. De Lacaille war Lehrer an der Eliteschule ‘College Mazarín‘. Als er 1754 seine Lehrtätigkeit an dieser Schule wieder aufnahm, benannte er das Sternbild 1756 nach dem Laborofen seines von unstillbarem Forscherdrang getriebenen dreizehnjährigen Schülers mit Namen Antoine Laurent de Lavoisier. Das Sternbild verdankt seinen Namen somit der Begeisterung eines Schülers für Naturwissenschaften. Später entdeckte Lavoisier das Element Sauerstoff, er begründete die wissenschaftliche Methodik der Chemie, entwickelte die Theorie der Oxidation und fand das Gesetz der Massenerhaltung. Während der Französischen Revolution wurde er trotz seiner wissenschaftlichen Verdienste zum Tode verurteilt und mit der Guillotine hingerichtet. Sein damaliger Richter befand, dass die Revolution keine Wissenschaftler brauche.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Chemischer Ofen heißt Dalim. Dieser Stern ist 3,8m hell und ein Doppelstern, ca. 40 Lichtjahre entfernt. Seine beiden verschiedenfarbigen Partner haben die Spektralklassen F7 und G7, sie umkreisen einander einmal in mehreren hundert Jahren. Zu Wilhelm Herschels Zeiten betrug ihr gegenseitiger Abstand 5,2 Bogensekunden. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert waren die beiden Sterne nur noch in Fernrohren großer Öffnung getrennt zu sehen, 2010 war der Abstand zwischen ihnen schon wieder auf zwei Bogensekunden angewachsen.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Die Beobachter am Südhimmel finden im Sternbild Chemischer Ofen schöne Beobachtungsobjekte. Dazu gehören der große, aber lichtschwache Planetarische Nebel NGC 1360 und der große Fornax-Galaxienhaufen, der in 60 Millionen Lichtjahren Entfernung liegt. Seine schönste Galaxie ist die Balkengalaxie NGC 1365. Da das Sternbild abseits der Milchstraße liegt, kann man hier sehr tief ins Weltall blicken. Mit dem Hubble Space Teleskop wurde hier das Hubble Ultra Deep Field aufgenommen, anhand der gemessenen Rotverschiebung konnte die Entfernung zur fernsten Galaxie in diesem Feld mit 12,3 Milliarden Lichtjahren bestimmt werden.

 Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.