Sternbild Eridanus - lat. Eridanus, Eridani (Gen.), Kurzbezeichnung Eri.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Eridanus liegt zwischen den Sternbildern Orion, Stier, Walfisch und Chemischer Ofen. Es ist eines der größten Sternbilder. Mit seiner Fläche von 1168 Quadratgrad ist doppelt so groß wie das Sternbild Orion. Es ist ein unauffälliges Sternbild aus relativ lichtschwachen Sternen. Wenn man auf das Sternbild schaut, wird der Blick unweigerlich von diesem Sternbild wegwandern, entweder nach Osten zum Orion, oder nach Norden zum Stier mit den auffälligen Plejaden, oder nach Westen zu den Sternen des Walfischs. Das Sternbild Eridanus wird von Beobachtern meist übersehen.
Die unauffälligen Sternbilder stammen in der Regel aus der Zeit nach der Erfindung des Fernrohrs. Das Sternbild Eridanus ist jedoch schon seit der frühen Antike bekannt.

 

Geschichte und Mythologie

Eridanus heißt der mythische Fluss, in welchem der junge Eridanus, der sterbliche Sohn des Sonnengottes Helios sein Ende fand. Helios hatte dem Eridanus erlaubt, den Sonnenwagen mit der feurigen Sonne darauf einmal über den Himmel zu fahren. Dem unerfahrenen Jüngling gingen während der Fahrt jedoch die Pferde des Sonnenwagens durch, sodass der feurige Wagen von seinem Weg abkam und der Abstand zu den Wäldern und Feldern der Erde zu gering wurde. Diese gerieten durch die Glut der Sonne weithin in Brand. Als Zeus das bemerkte, packte ihn der Zorn. Er schleuderte einen tödlichen Blitz auf den Wagen und seinen überforderten jungen Fahrer. Der Wagen stürzte mit den Pferden ins Meer, und Eridanus stürzte lichterloh brennend in einen Fluss. Seine Schwestern zogen den verkohlten Leichnam aus dem Wasser und nannten den Fluss nach ihrem toten Bruder: Eridanus. Ihre Tränen wurden dabei zu Bernstein, sie selbst wurden in ihrer Trauer in Schwarzpappeln verwandelt, die man seitdem an Flussufern stehen sieht.
Ob das Sternbild Eridanus jemals einen wirklichen Fluss repräsentieren sollte, ist unklar. Römische Schriftsteller bezeichnen den Po, ägyptische den Nil, griechische den Euphrat als die eigentliche Vorlage für das Sternbild. Findige deutsche Altphilologen haben im 19.  Jahrhundert sogar die Eider als Vorlage für den antiken Eridanus vorgeschlagen.
Vermutlich kommt die Idee zu dem Sternbild Eridanus jedoch aus dem Zweistromland. Denn der Walfisch stemmt seine bekrallten Vorderbeine auf das Westufer des Eridanus, und dieser Walfisch ist eine Schöpfung der mesopotamischen Mythologie.
In der Antike endete das Sternbild Eridanus beim Stern Theta Eridani, der damals Achernar (= „Ende des Flusses“) hieß. Heute heißt Theta Eridani jedoch nicht mehr Achernar, sondern „Acamar“, denn als portugiesische Seefahrer auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien über den Atlantik in Richtung Süden segelten, entdeckten sie dort am Himmel unterhalb des Sternbilds Eridanus auf 57° südlicher Breite einen 0,5m hellen Stern. Kurzerhand verlängerten sie das Sternbild Eridanus bis zu diesem Stern (Alpha Eridani), auf den zugleich der Name „Achernar“ überging.

 

Markante Sterne

Das Sternbild Eridanus erscheint am Himmel als lang gezogene, gewundene Kette aus vorwiegend 4m und 5m hellen Sternen, die nahe bei Rigel im Orion am Stern Cursa (Beta Eridani) beginnt und sich zunächst nach Westen bis Omicron1 Eridani wendet. Von hier geht es Richtung Ost bis Sceptrum und dann über Zaurak (Gamma Eridani), Rana (Delta Eridani), Zibal (Zeta Eridani) nach Westen bis Azha (Eta Eridani). Von dort wendet sie sich über Tau1, Tau2 und Tau3 Eridani nach Süden, dann über Tau4, Tau5, Tau6 und Tau8 Eridani nach Osten, von Ypsilon1 Eridani an wieder nach Süden, und hier verschwindet sie im Horizontdunst.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Es gibt im Sternbild Eridanus schöne Doppelsterne, z. B. Zaurak (Gamma Eridani), 66 Eridani, Chi Eridani, Tau4 Eridani, Lambda Eridani, 55 Eridani und Omikron2 Eridani. Betrachtet man Omicron2 Eridani genau, ist einer der Doppelsternpartner seinerseits ein enger Doppelstern, der aus einem Roten Zwerg und einem Weißen Zwerg besteht. Dieser Weiße Zwerg ist der einzige Weiße Zwerg, der bereits mit kleinen Amateurteleskopen beobachtet werden kann. Er ist doppelt so groß wie die Erde und 16 Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

NGC 1535 ist ein 10,5m heller kleiner Planetarischer Nebel von bläulicher Farbe, mit einem Durchmesser von ca. 0,9 Bogensekunden, ca. 4° östlich von Zaurak gelegen. Um ihn zu sehen benötigt man ein Fernrohr mit großer Öffnung. Damit ist bei höherer Vergrößerung ist in dem ringförmigen Nebel der darin eingebettete 11,5 m helle Zentralstern erkennbar.
Ca. 3° westnordwestlich von Azha liegt die kleine Galaxie NGC 1084. Um sie zu sehen, braucht man ein Fernrohr ab vier Zoll Öffnung, eine mondlose, klare Nacht, und etwas Geduld. Sie ist 10,2m hell und liegt 70 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Die 10m helle Galaxie NGC 1232 finden wir im Achtzöller ca. 3° westnordwestlich von Tau4 Eridani. Sie ist ca. 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.