Sternbild Fliege - lat. Musca, Muscae (Gen.), Kurzbezeichnung Mus.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Fliege liegt am Südsternhimmel. Im Westen grenzt es an das Sternbild Schiffskiel, im Süden an das Sternbild Chamäleon, im Osten an die Sternbilder Paradiesvogel und Zirkel, im Norden an die Sternbilder Kreuz des Südens sowie Zentaur. Mit seiner Fläche von 135 Quadratgrad liegt das Sternbild Fliege in der Liste der Sternbilder auf dem 43. Rang. Es ist klein, aber auffällig.

 

Geschichte und Mythologie

Im Jahre 1595 brach eine Flotte holländischer Schiffe auf, um unter dem Kommando von Cornelis de Houtman den Seeweg zu den sagenhaften Gewürzinseln zu finden und  Handelsbeziehungen zu knüpfen. Der Navigator auf einem der Schiffe der Houtman’schen Flotte hieß Pieter Dirkszoon Keyser. Er hatte von dem Kartenzeichner Peter Plancius den Auftrag erhalten, auf dieser Forschungsexpedition die Positionen der hellen Sterne des Südhimmels zu vermessen und ihm eine Liste ihrer Himmelskoordinaten zurück zu bringen. So vermaß Keyser während der Fahrt über den Indischen Ozean die Positionen von 135 Sternen. Später schuf er daraus zusammen mit Frederick de Houtman, dem Bruder des Kommandanten, zwölf neue Sternbilder. Eines davon nannten sie De Vlieghe (Fliege)  Pieter Dirkszoon Keyser kam während der Reise ums Leben, doch Frederick de Houtman  gelangte 1597 mit den Aufzeichnungen Keysers im Gepäck nach Holland zurück. Von den ursprünglich 247 Expeditionsteilnehmern hatten nur 87 die Reise überlebt.
Schon 1598 stellte Peter Plancius das Sternbild erstmals unter dem Namen „Apes“ (Biene) auf seinem neuen Himmelsglobus dar, und Johann Beyer nahm das Sternbild 1603 unter dem Namen „Apes“ in seinen neuen Himmelsatlas Uranometria auf. 1752 erschien das Sternbild auf einer Himmelskarte von Nicolas Louis de Lacaille unter dem Namen „La Mouche“ (Fliege). Später nannte man es „Musca Australis“ (Südliche Fliege), um es von dem Sternbild „Musca Borealis“ (Nördliche Fliege) abzugrenzen, das Johannes Hevel 1690 am Himmel in der Nähe des Sternbilds Widder eingeführt hatte. Das Sternbild Nördliche Fliege kam Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Mode, seine Sterne wurden schließlich dem Sternbild Widder zugeordnet. Seitdem heißt das Sternbild „Südliche Fliege“ nun einfach „Fliege“.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Fliege ist der 2,7m helle Stern Alpha Muscae. Alpha ist ein Blauweißer Riese in 305 Lichtjahren Entfernung. Er liegt ca. 6° südlich von Acrux, dem südlichen Stern im Kreuz des Südens. Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)Ca. 1,3° nordöstlich von Alpha Muscae liegt der 3,7m helle Beta Muscae, ein Doppelstern in 311 Lichtjahren Entfernung. Seine Partnersterne haben derzeit einen Abstand von 1,3 Bogensekunden voneinander. Verlängert man die Linie von Alpha nach Beta um 3,5° über Beta hinaus, stößt man auf den 5,6m hellen Stern Theta Muscae. Auch Theta ist ein Doppelstern seine Komponenten stehen 5 Bogensekunden auseinander und zeigen einen schönen Farbkontrast.  Sehenswerte Deep-Sky-ObjekteDas Band der Milchstraße verläuft durch das Sternbild Fliege. Der Nordteil des Sternbilds wird durch eine große galaktische Dunkelwolke beherrscht, die bis in die Sternbilder Zentaur und Kreuz des Südens reicht und den treffenden Namen „Kohlensack“ trägt.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild Fliege enthält einige sehr sehenswerte Deep-Sky-Objekte, die schon in kleinen Fernrohren gut sichtbar sind. An der Grenze zum Sternbild Kreuz des Südens findet man den kompakten Offenen Sternhaufen NGC 4833, der schon im kleinen Fernglas in einzelne Sterne aufgelöst gesehen werden kann. Ca. 3,6° südlich von Alpha Muscae liegt der 7,8m helle Kugelsternhaufen NGC 4372. Ca. 2,6° östlich von Theta Muscae liegt der 10m helle Planetarische Nebel NGC 5189. Sein Anblick im Fernrohr erinnert an eine S-förmig geschwungene Galaxie, NGC 5189 liegt aber nur 2600 Lichtjahre entfernt.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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