Sternbild Fliegender Fisch - lat. Volans, Volantis (Gen.), Kurzbezeichnung Vol.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Fliegender Fisch ist nur von Orten aus zu sehen, die südlich von 14° nördlicher Breite liegen. Es grenzt im Osten an das Sternbild Schiffskiel, im Norden an die Sternbilder Schiffskiel und Malerstaffelei, im Westen an die Sternbilder Doradus und Tafelberg und im Süden an das Sternbild Chamäleon. Mit seiner Fläche von 141 Quadratgrad nimmt es unter den 88 Sternbildern den 76. Rang ein. Obwohl es ein unauffälliges Sternbild ist, kann man es relativ leicht finden, da es unmittelbar westlich des hellen Sterns Miaplacidus (Beta Carinae) liegt.

 

Geschichte und Mythologie

Im Jahre 1595 brach erstmals eine Flotte holländischer Schiffe auf, um unter dem Kommando von Cornelis de Houtman den Seeweg zu den sagenhaften Gewürzinseln zu finden und dort Handelsbeziehungen zu knüpfen. Pieter Dirkszoon Keyser war Navigator auf einem Schiff der Houtman’schen Flotte. Der Kartenzeichner Peter Plancius hatte ihn beauftragt, auf dieser ersten holländischen Forschungsexpedition die Positionen der hellen Sterne des Südhimmels zu vermessen und ihm eine Liste ihrer Sternkoordinaten zu liefern. Keyser vermaß während der Fahrt über den Indischen Ozean zu den Gewürzinseln die Positionen von 135 Sternen mit einem Jakobsstab, den er von Plancius erhalten hatte. Auf der Basis seiner Beobachtungen schuf er zusammen mit Frederick de Houtman, dem jüngeren Bruder des Kommandanten, zwölf neue Sternbilder. Eines davon nannten sie den vliegenden vis
Pieter Dirkszoon Keyser kam am Ziel der Reise ums Leben, doch Frederick de Houtman gelangte mit den Aufzeichnungen Keysers im Gepäck nach Holland zurück. 1598 übernahm Peter Plancius das Sternbild auf seinem neuen Himmelsglobus, der zwei Jahre später von Jodocus Hondius verlegt wurde. Johann Beyer nahm das Sternbild 1603 unter dem Namen „Piscis volans“ in seinen neuen Himmelsatlas Uranometria auf. Er stellte das Sternbild als einen Fisch mit Vogelflügeln dar.
Fliegende Fische leben in tropischen und subtropischen Meeren nahe der Wasseroberfläche. Sie sind schnelle Schwimmer, werden bis zu 30 cm lang und sind die bevorzugte Beute der Dorade (Gemeine Goldmakrele). Bei der Flucht vor ihren Fressfeinden schnellen sich die Fliegenden Fische aus dem Wasser und segeln mit ihren breiten Brustflossen pfeilschnell und elegant weit über die Wellen. Diesen spektakulären Fluchten der Fliegenden Fische vor den Goldmakrelen durch die Luft setzten Keyser und de Houtman mittels der beiden Sternbilder Fliegender Fisch und Doradus ein Denkmal am Himmel.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Fliegender Fisch ist der 3,8m helle Stern Beta Volantis. Beta ist ein Roter Unterriese in 108 Lichtjahren Entfernung, man findet ihn am Himmel ca. 5,6° nordwestlich von Miaplacidus. Beta repräsentiert die Brust des Fliegenden Fisches.Ca. 5,5° westlich von Beta liegt der 3,8m helle Stern Gamma Volantis. Gamma repräsentiert die tief gegabelte Schwanzspitze des Fliegenden Fischs. Gamma ist ein Doppelstern, dessen beiden Partner im gegenseitigen Abstand von 13 Bogensekunden voneinander stehen und daher schon leicht im kleinen Fernrohr getrennt gesehen werden können. Der hellere Partnerstern ist ein Roter Unterriese in 141 Lichtjahren Entfernung. Ca. 4,5° südwestlich von Beta Zeta Volantis liegt Zeta Volantis, ein 3,9m heller Roter Unterriese in 134 Lichtjahren Entfernung. Ca. 2,5° nördlich von Gamma liegt der 4,0m helle Delta Volantis, ein Weißer Riesenstern in 660 Lichtjahren Entfernung. Ca. 3,6° östlich von Beta liegt der 4,0m helle Alpha Volantis, ein Weißer Unterriese in 124 Lichtjahren Entfernung. Alpha repräsentiert den Kopf, Zeta und Delta repräsentieren die Spitzen der im Flug ausgebreiteten Brustflossen.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Im Sternbild Fliegender Fisch gibt es keine Offenen Sternhaufen, Kugelsternhaufen oder auffällige Galaxien, die mit kleinen Fernrohren oder mit Ferngläsern beobachtet werden könnten.
Die hellste Galaxie dieses Sternbilds ist die 11m helle Balkengalaxie NGC 2442, sie liegt ca. 50 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Man kann sie am Himmel ca. 2,5° östlich von Gamma Volantis im lichtstarken Fernrohr wahrnehmen.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.