Sternbild Giraffe - lat. Camelopardalis, Camelopardalis (Gen.), Kurzbezeichnung Cam.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Giraffe liegt mitten zwischen den auffälligen Sternbildern Cassiopeia, Perseus, Fuhrmann, Kleiner Bär und Großer Bär. Das Sternbild Giraffe reicht vom Sternbild Perseus bis zum Sternbild Kleiner Bär. Es ist zirkumpolar und umfasst am Himmel eine Fläche von 757 Quadratgrad. Damit ist es flächenmäßig etwa so groß wie die Cassiopeia oder der Fuhrmann. Es ist jedoch so unauffällig, dass man es nicht wahrnimmt. Was ihm fehlt, sind helle Sterne.

 

Geschichte und Mythologie

Die Astronomen im klassischen Griechenland beachteten das Himmelsareal zwischen den Sternbildern Cassiopeia, Perseus, Fuhrmann, Kleiner Bär und Großer Bär nicht. Die unauffälligen Sternchen, die sie dort in klaren Nächten sahen, inspirierten sie nicht zu einem Sternbild. Ebenso wie die Griechen ließen auch die Römer dieses Stück Himmel links vom Sternbild Cassiopeia liegen, und so blieb diese Himmelsareal bis zum Beginn der Neuzeit unbeachtet.
Nachdem das Fernrohr erfunden worden war, wurde das neue Gerät hin und wieder auch am Himmel eingesetzt. Mit dem Fernrohr konnte man zur Verblüffung der damaligen Beobachter viel mehr Sterne sehen als ohne, hatte jedoch nur ein enges Gesichtsfeld zur Verfügung. Wenn man sich mit diesem neuen Gerät mit Erfolg am Himmel zurechtfinden wollte, benötigte man dazu detaillierte Sternkarten. Den Herstellern dieser Sternkarten fiel das „leere Stück Himmel“ links vom Sternbild Cassiopeia nun störend auf.
Jakob Bartsch, Mathematikprofessor in Straßburg und Schwiegersohn von Johannes Kepler, erstellte im Jahre 1624 eine drehbare Sternkarte, auf welche er in das Areal zwischen den Sternbildern Cassiopeia, Perseus, Fuhrmann, Kleinem Bär und Großem Bär das neue Sternbild Giraffe einsetzte. Im antiken Griechenland hatte man für das Tier, das wir heute „Giraffe" nennen, die Bezeichnung „Camelopardalis“. Dieser Name umschreibt ein Kamel, das wie ein Leopard gefleckt ist. Die Griechen des klassischen Altertums kannten Giraffen nicht aus eigener Anschauung und stellten sich Giraffen als eine Art „Kamel im Leopardenkostüm“ vor. Da Griechisch auch noch im Jahre 1624 eine Sprache der Wissenschaft war, kam das Sternbild Giraffe als „Camelopardalis“ in die astronomische Welt.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern des Sternbilds ist Alpha Camelopardalis, ein 4,3m heller Stern der Spektralklasse B0. Beta Camelopardalis ist ein 4,3m heller Stern der Spektralklasse G0. Gamma Camelopardalis ist ein 4,6m heller Stern der Spektralklasse A0. Diese drei schwachen Sterne sind die drei hellsten Sterne des Sternbilds, sie haben keine Eigennamen.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Da das Sternbild Giraffe nahe dem Band der Milchstraße liegt, findet man in dem Sternbild auch einige Offene Sternhaufen. Sehenswert ist der Offene Sternhaufen NGC 1502. Man findet ihn auf der Linie von Alpha Camelopardalis nach Gamma Persei, in etwa 1/3 des Abstands zu Gamma Persei von Alpha Camelopardalis entfernt. Im Fernrohr zeigt er mehrere helle Doppelsterne. Betrachtet man diese Himmelsregion in einem lichtstarken Fernglas, fällt einem dort eine ca. 2,5° lange Sternenkette auf, die direkt auf NGC 1502 zielt: Das ist „Kemble`s Kaskade“. Vor allem bei dunklem Himmelshintergrund bietet diese Sternenkette im lichtstarken Fernglas einen schönen Anblick: Sie erinnert an eine funkelnde Kaskade aus Sternen, die in NGC 1502 hineinstürzt.
Im Sternbild Giraffe liegt die Spiralgalaxie NGC 2403. Sie liegt in einem sternarmen Gebiet „in the middle of nowhere" und ist daher nicht leicht zu finden. NGC 2403 ist 8,5m hell und eine der hellsten Galaxien des nördlichen Himmels. Ihre Abmessungen betragen 7 x 4 Bogenminuten, sie liegt ca. 1° westlich des Sterns 51 Camelopardalis in 10,5 Millionen Lichtjahren Entfernung von uns. Die Galaxie hat einen hellen Kern in einer ovalen Halo.
Ca. 3° südsüdwestlich von Gamma Camelopardalis liegt die große Galaxie IC 342. Diese Spiralgalaxie ist ca. 8 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie steht am Himmel „face-on“ und nimmt dort ein Areal von über 600 Quadratbogenminuten ein. IC 342 hat einen kleinen, recht hellen Kern, der von einer ausgedehnten Halo mit einer extrem niedrigen Flächenhelligkeit umgeben ist. Der Winkeldurchmesser dieser Halo ist größer ist als die des Vollmondes. Um die Halo von IC 342 wahrnehmen zu können, muss der Sternenhimmel sehr klar und mondlos sein, und die Luft muss sehr transparent sein. Für diese Beobachtung ist ein lichtstarkes Fernglas mit großer Öffnung das ideale Beobachtungsgerät.
In der äußersten Nordostecke des Sternbildes ist im Fernrohr bei dunklem, klarem Himmel die Galaxie NGC 2655 erkennbar. Sie liegt in der Nähe des Himmelsnordpols, ca. 3,5° südsüdwestlich des 4,3m hellen K2-Sterns PPM 001634, welcher die Schwanzspitze des Sternbildes Drache markiert. Der Kern der 10,5m hellen Galaxie ist als kleiner, runder Fleck in Fernrohren von 10 Zentimetern Öffnung erkennbar. In Fernrohren ab 30 cm Öffnung kann man auch die Halo dieser Galaxie wahrnehmen.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.