Sternbild Großer Bär - lat. Ursa Major, Ursae Majoris (Gen.), Kurzbezeichnung UMa.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Großer Bär liegt zwischen den Sternbildern Drache, Giraffe, Luchs, Kleiner Löwe, Löwe, Jagdhunde und Bärenhüter. Es nimmt hier eine Fläche von 1280 Quadratgrad ein und ist daher das drittgrößte Sternbild am Himmel. Da es für Mitteleuropa ein zirkumpolares Sternbild ist, kann man es von dort aus ganzjährig sehen. Hier steht es im April im Zenit.

 

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Großer Bär ist eines der bekanntesten Sternbilder, doch viele Menschen kennen es nur dem Namen nach. Fast jeder kennt den „Großen Wagen“, diese markante Anordnung von sieben Sternen am nördlichen Sternenhimmel, welche ungefähr die Lage des Sternbilds Großer Bär angibt. In Europa werden diese sieben Sterne als Abbild eines Wagenkastens mit einer abwärts gebogenen Deichsel interpretiert. In den USA heißt diese Sternenanordnung „the big dipper“ (auf Deutsch: „der große Schöpflöffel“). In England nennt man sie seit alters her „Charles waine“, in Irland „Davids Charriot“. In China sah man in den sieben Sternen den Himmelspalast des Shou Lao, des Gottes der Langlebigkeit. In Babylon interpretierte man die sieben Sterne stets als einen Pflug, der von vier Ochsen gezogen wurde. Schaut man sich das Sternbild Großer Bär auf einer Sternkarte an, sieht man schnell, dass diese sieben Sterne im Sternbild den Schwanz und das kantige Hinterteil des Großen Bären darstellen. Die Sternkarte bietet eine weitere Überraschung: Auf ihr heißt das Sternbild „Ursa Major“. Das heißt auf Deutsch übersetzt: „Die große Bärin“. Der Große Bär ist in Wirklichkeit eine „Sie“.
Das Sternbild ist schon seit der griechischen Antike bekannt. Es soll an die schöne Callisto erinnern, einer der Geliebten des Zeus. Callisto war eine Priesterin der Göttin Artemis und als Priesterin zur Keuschheit verpflichtet. Zeus nahm darauf jedoch keine Rücksicht, und so wurde Callisto von ihm schwanger. Die empörte Artemis warf die schwangere Callisto wegen ihrer offensichtlichen Unkeuschheit aus ihrem Priesteramt und berichtete im Olymp von der Schmach, die sie ihrer Priesterin zu verdanken hatte. Als Hera davon hörte, keimte in ihr der Verdacht, dass ihr Gatte Zeus ein Verhältnis mit Callisto habe. Daher verwandelte Hera die Callisto zunächst in eine plumpe, haarige Bärin, um sie dadurch für Zeus möglichst unattraktiv zu machen. Anschließend wandte sich Hera an Artemis und machte diese auf die gute Gelegenheit aufmerksam, eine prächtige Bärin zu erlegen. Die jagdlustige, aber ahnungslose Artemis freute sich über diesen Tipp und tötete Callisto mit einem ihrer unfehlbaren Pfeile. Als Zeus die tote Bärin fand, erkannte er in ihr seine Callisto und versetzte sie voll Trauer nahe dem Himmelspol an den Himmel, sodass ihr Sternbild niemals untergehen könne.
Der römische Dichter Ovid erzählte diese Geschichte etwas anders. In seiner Fassung versteckt Zeus die schöne Callisto und ihr gemeinsames kleines Söhnchen zunächst im Wald, um sie dort vor Heras Eifersucht zu beschützen. Als er bemerkt, dass Hera ahnt, wo er seine  Geliebte und ihr Kind versteckt hat, verwandelt er die Callisto in ein große Bärin und ihr Söhnchen in einen kleines Bärchen. Da Hera auch diese Tarnung durchschaut, packt Zeus die beiden Bären in höchster Not an ihren Schwänzen und schleudert sie mit gewaltiger Kraft in den Himmelhinauf, wo sie für Hera auf ewig unerreichbar sind. Darum sind der Große Bär und der Kleine Bär die einzigen Bären mit einem langen Schwanz. Ovid zufolge enstanden die langen Bärenschwänze dieser Sternbilder beim Hochschleudern.

 

Markante Sterne

Das Sternbild Großer Bär enthält viele helle Sterne. Der hellste ist Dubhe (Alpha), ein 1,8m heller Roter Riese. Dubhe ist der hintere obere Kastenstern im Wagenkasten des Großen Wagens. Ca. 5,3° unterhalb von Dubhe liegt der 2,4m helle Merak (Beta). Ca. 7° östlich von Merak finden wir den 2,4m hellen Phekda (Gamma), und 4,5° nordöstlich von Phekda finden wir den 3,3m hellen Megrez (Delta). Megrez bedeutet „Schwanzwurzel“, denn hier beginnt der lange Schwanz des Großen Bären. Die Sterne Dubhe, Merak, Phekda und Megrez bilden den Kasten des „Großen Wagens“.
Zieht man eine Linie von Merak durch Dubhe und verlängert sie um das Fünffache, stößt man auf den Polarstern.
Die Deichsel des „Großen Wagens“ wird durch drei Sterne gebildet. Der 1,8m helle Alioth (Epsilon) ist  der Hellste der Deichselsterne, und steht von den Deichselsternen am nächsten zu Megrez. Der mittlere Deichselstern ist der 2,3m helle Mizar (Zeta). An der Spitze der Deichsel liegt als letzter Deichselstern der 1,9m helle Benetnash (Eta). Von den sieben hellsten Sternen des Großen Wagens gehören fünf (Merak, Phekda, Megrez, Alioth und Mizar) zu einer sehr ausgedehnten Gruppe von Sternen, die sich gemeinsam in der gleichen Geschwindigkeit und in der gleichen Richtung durchs All bewegen. Diese Sterngruppe wird als der „Bärenstrom“ bezeichnet, zu diesem Sternenstrom gehören die hellen Sterne Gemma, Sirius, Ras Alhague, Zosma und Menkalinan, aber auch zahlreiche schwächere Sterne. Unsere Sonne durchquert auf ihrer Bahn um das Zentrum der Galaxis diesen lockeren Strom aus Sternen seit vielen Jahrtausenden.
Wenn man die Figur des Großen Bären am Himmel erfassen will, muss man von Megrez nach Dubhe eine Linie ziehen und die Länge dieser Linie über Dubhe hinaus verdoppeln. Man kommt so zu den 3,0 m hellen Sternen Tau Ursae Majoris und 23 Ursae Majoris. Die stellen die Augen des Großen Bären dar. Verlängert man die Linie weiter, gelangt man zum 3,4m hellen Omikron Ursae Majoris, der die Nasenspitze des Bären markiert. Zieht man von Megrez eine Linie durch Merak und verlängert sie über Merak hinaus, gelangt man zum 3,2m hellen Stern Theta Ursae Majoris und weiter zu dem Sternenpaar Talitha und Kappa. Die Sterne Theta Ursae Majoris, Talitha (Iota Ursae Majoris) und Kappa Ursae Majoris bilden die Vorderpranke. Zieht man von Megrez eine Linie zu Phekda und verlängert sie über Phekda bis zum 3,0m hellen Psi, so bildet Psi mit dem Sternenpaar Tania Borealis (Lambda Ursae Majoris) und Tania Australis (My Ursae Majoris) die Hinterpranke.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Mizar ist ein schöner Doppelstern, dessen Partner im Abstand von 14 Bogensekunden voneinander stehen. In elf Bogenminuten Abstand von Mizar steht der 4,2m helle Alkor, den man auch als den „Augenprüfer“ bezeichnet.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Im Sternbild Großer Bär liegen viele Galaxien. Zieht man von Phekda eine Linie nach Dubhe und verdoppelt die Länge dieser Linie über Dubhe hinaus, trifft man auf die Galaxien M81 und M82, sie sind in Fernrohren ab 3 Zoll Durchmesser gut zu sehen, sie liegen ca. 12 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Auf der Linie von Theta nach Talitha findet man näher bei Theta die Spiralgalaxie NGC 2841. Dicht bei Tania Australis liegt die Spiralgalaxie NGC 3184. Zieht man eine Linie von Merak nach Phekda, findet man nach einem Viertel der Strecke dicht bei der Linie außerhalb des Wagenkastens die Galaxie M108 (NGC 3556). Ist der Himmel dunkel und klar, kann man mit lichtstarken Teleskopen im selben Feld auch den Planetarischen Nebel M97 beobachten, der allgemein als der „Eulennebel“ bekannt ist. Verlängert man die Linie über Phekda hinaus, stößt man dicht hinter Phekda auf die Galaxie M109 (NGC 3992). Nimmt man Mizar und Benetnash als zwei Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks, liegt an der Position des dritten Eckpunkts dieses gleichseitigen Dreiecks über dem Bogen der  Deichsel die Spiralgalaxie M101. Diese 7,9m helle Galaxie hat einen Winkeldurchmesser von ca. 30 Bogenminuten und hat deshalb eine sehr geringe Flächenhelligkeit. Man kann sie daher nur unter günstigen Beobachtungsbedingungen (sternklarer, mondloser Landhimmel, lichtstarkes Teleskop mit einer Öffnung ab 25 cm) erfolgreich beobachten.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.