Sternbild Hase - lat. Lepus, Leporis (Gen.), Kurzbezeichnung Lep.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Hase liegt unmittelbar südlich des Sternbilds Orion. Es nimmt am Himmel eine Fläche von 290 Quadratgrad ein und steht damit in der Liste der 88 Sternbilder an der 51. Position. Das Sternbild Hase ist ein kleines Sternbild und ist seit der griechischen Antike bekannt.
Der Hase ist ein gut getarntes Tier: Wenn er sich nicht rührt, wird er sehr leicht übersehen. Mit dem Sternbild Hase verhält es sich ähnlich. Schaut man auf das Sternbild, wird der Blick unweigerlich nach Norden zu den hellen Sternen Orions oder nach Osten zum Sternbild Großer Hund mit dem darin funkelnden Sirius abgelenkt.

Geschichte und Mythologie

Wie der Hase zu den Füßen des Orion an den Himmel kam, ist nicht mehr eindeutig zu klären. Der römische Astronom Huyginus gibt an, dass die Hasenjagd eine Leidenschaft des Orion gewesen sei und man dem großen Jäger Orion deshalb einen Hasen an den Himmel mitgegeben habe. Andere antike Autoren führen das Sternbild Hase auf die Geschichte der Hasen von Leros zurück. Leros ist eine kleine ägäische Insel, auf der es zunächst keine Hasen gab, bis ein Besucher eine trächtige Häsin mit auf die Insel brachte. Den Inselbewohnern gefiel die Häsin sehr, und so kam auf Leros die Hasenhaltung in Mode. Binnen weniger Jahre vermehrten sich die Hasen hier so stark, dass sie die kleine Insel praktisch kahl fraßen. Die Inselbewohner konnten die vollständige Vernichtung ihrer Ernte und eine dadurch drohende Hungersnot nur durch eine intensive Bejagung ihrer Hasen abwenden. Das Sternbild Hase soll daraufhin als allgemeine Warnung vor der gefährlichen Fruchtbarkeit der Hasen an den Himmel gesetzt worden sein. In Indien gab es eine andere Erklärung für das Sternbild Hase. Indra, der mächtige Gott des Krieges, verkleidete sich als Bettler, um so die Wesen der Erde zu prüfen. Hier traf er auf einen Gruppe von drei Tieren: einen Hasen, einen Affen und einen Fuchs. Der Hase war aber niemand anderes als Buddha, in einer Inkarnation als Hase. Da Indra hungrig war, bat er die drei Tiere um etwas Essbares. Die hatten nichts, aber der Hase entzündete rasch ein Feuer und warf sich selbst in die Glut, um sich Indra als Speise anzubieten. Daraufhin versetzte Indra den selbstlosen Hasen an den Himmel.In Ägypten sah man in dem Sternbild keinen Hasen, sonders das kleine Boot des Osiris, in dem dieser jährlich einmal den Nil befuhr. In späteren Zeiten wurden die vier hellsten Sterne des Sternbildes als vier Kamele gedeutet, die am Himmel gemeinsam nach Westen zu ihrer Tränke am Fluss Eridanus ziehen.Markante SterneDer hellste Stern des Sternbilds Hase ist Arneb (Alpha), ein 2,5m heller Überriese der Spektralklasse F. Arneb hat ca. 5700 Sonnenleuchtkräften und liegt in 900 Lichtjahren Entfernung. Etwas näher (115 Lichtjahre) zu uns und lichtschwächer (70 Sonnenleuchtkräfte) steht Nihal (Beta), ein enger Doppelstern, dessen schwacher, bläulicher Partner neben dem 2,8 m hellen gelben Primärstern nur in Fernrohren größerer Öffnung bei hoher Vergrößerung getrennt gesehen werden kann.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der 3,5m helle Stern Gamma Leporis ist ein schöner Doppelstern, dessen beiden Partner verschiedenfarbig sind und die schon im kleinen Fernrohr sehr gut getrennt zu sehen sind. Beeindruckend ist auch R Leporis, ein tiefroter, langsam regelmäßig veränderlicher Stern (6,5m – 11m), dessen Anblick im Fernrohr an einen Funken glühender Kohle erinnert.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Der kleine Kugelsternhaufen M79 liegt im südlichen Bereich des Sternbilds. Bei Vergrößerungen ab 100x kann der 50000 Lichtjahre entfernte Sternenhaufen im Sechszöller teilweise aufgelöst gesehen werden. Ca. 5° nordnordwestlich von Arneb kann man schon in kleinen, langbrennweitigen Fernrohren den Planetarischen Nebel IC 418 auffinden. Wegen seiner hohen Flächenhelligkeit verträgt IC 418 eine hohe Vergrößerung. Im Achtzöller kann bei 200-facher Vergrößerung der 10,5m helle Zentralstern in dem Nebel erkannt werden. Ca. 1,7° östlich von Arneb liegt der von Wilhelm Herschel entdeckte Sechsfach-Stern h3780, der im NGC-Katalog als NGC 2017 geführt wird. Man kann ihn schon im Fernglas erkennen. Im Fernrohr ab acht Zoll Öffnung kann man die unterschiedlichen Farben der Mitglieder dieses Mehrfachsterns gut wahrnehmen.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.