Sternbild Jagdhund - lat. Canes Venatici, Canis Venaticorum (Gen.), deutsch: Jagdhunde, Kurzbezeichnung CnV.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Jagdhunde liegt zwischen den Sternbildern Bärenhüter, Großer Bär und Coma Berenices. Es nimmt am Himmel eine Fläche von 465 Quadratgrad ein und ist somit etwas größer als das Sternbild Widder und doppelt so groß wie das Sternbild Leier. In der Liste der 88 Sternbilder des Himmels steht an der 38. Position. Während die Sternbilder Bärenhüter und Großer Bär durch die einprägsame Anordnung ihrer hellen Sterne leicht zu finden sind, ist das beim Sternbild Jagdhunde nicht der Fall. Daher wird es häufig übersehen. Es befindet sich am Himmel unterhalb der Deichselsterne des Großen Wagens.

 

Geschichte und Mythologie

In der klassischen Antike galten die hellsten Sterne des heutigen Sternbilds Jagdhunde nicht als besonders helle Sterne. Claudius Ptolemäus führte sie in der Sternenliste seines Buches Megiste Syntaxis als zwei Sterne ohne Sternbildzugehörigkeit auf, die unterhalb des Sternbilds Großer Bär liegen. Im Mittelalter hielt man diese Sterne aufgrund eines Übersetzungsfehlers für die Hunde des Bärenhüters.
Einige Sterne im Sternbild Bärenhüter galten seit der Antike als Abbild seines Knüppels. Als das Buch Megiste Syntaxis im 9. Jahrhundert vom Griechischen ins Arabische übersetzt wurde, fehlte dem Übersetzer Hunayn ibn Ishaq ein passendes arabisches Wort für „Knüppel“. Er verwendete daher die Umschreibung „al-`asa dhat al-kullab“, was wörtlich bedeutet: „die Stange mit einem Haken“. Als dieser arabische Text Jahrhunderte später ins Lateinische übersetzt wurde, verwechselte der Übersetzer das Wort „Kullab“ mit „Kilab“. „Kilab“ bedeutet „Hund“. Folglich lautete seine Übersetzung: „hastile habens canes“, auf Deutsch „Stange mit Hunden“. Dadurch kam im Mittelalter die Idee auf, dass zum Bärenhüter zwei Hunde gehören, mit denen er den Großen Bären beständig um den Himmelspol herumtreibt.
Das Sternbild Jagdhunde wurde im Jahre 1688 von Johannes Hevel (auch als Hevelius bekannt) erfunden, indem er für sein neues Sternbild einige Sterne vom Sternbild Großer Bär abzweigte. Mit seiner Himmelskarte von 1690 präsentierte er sein neues Sternbild Jagdhunde (Canes Venaticorum) seinem astronomisch interessierten Publikum, und da sich das Sternbild gut in den Reigen der klassischen Sternbilder einfügte, wurde es von den Astronomen übernommen.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Jagdhunde ist der 2,9m helle Cor Caroli (Alpha Canes Venaticorum). Dieser Stern hatte ursprünglich den Namen „Chara“. Den heute gebräuchlichen Namen „Cor Caroli“ (Das Herz Karls) erhielt Alpha Canes Venaticorum von Edmond Halley, und zwar auf Anregung des mit ihm befreundeten Hofarztes des englischen Königs Charles II. Der Stern soll nach Ansicht dieses Hofarztes am Abend des 29. Mai 1660 besonders hell geleuchtet haben. An dem Tag war der von Oliver Cromwell verbannte Königs Charles II triumphal nach London zurückgekehrt und hatte den Thron wieder bestiegen. Cor Caroli ist ein sehr schöner Doppelstern. Die beiden ungleich hellen Partner sind weiß und stehen im Abstand von zwanzig Bogensekunden voneinander. Der hellere Partner ist ein Veränderlicher Stern einer besonderen Klasse, der „Magnetisch Veränderlichen“, diese Sterne haben ein besonders starkes Magnetfeld und entwickeln dadurch auf ihrer Oberfläche besonders große dunkle Sternflecken, sodass sich die Helligkeit des Sterns im Zuge seiner Rotation verändert. Cor Caroli ist ca. 110 Lichtjahre von uns entfernt.
Der Stern Beta Canes Venaticorum ist ein 4,3m heller Hauptreihenstern in 27 Lichtjahren Entfernung. Er hieß bislang Asterion, heißt aber seit 2016 offiziell „Chara“.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der Stern Y Canes Venaticorum ist ein roter, unregelmäßig veränderlicher Stern, der in klarer Nacht mit bloßem Auge gesehen werden kann. Zieht man eine Linie von Cor Caroli zu Megrez (Delta Ursae Majoris), findet man Y Canes Venaticorum nach dem ersten Drittel der Strecke. Die Helligkeit von Y schwankt sehr langsam zwischen 4,3m und 6,1m. Er strahlt den größten Teil seiner Energie im Infraroten ab, leuchtet aber auch im sichtbaren Licht um 9 Größenklassen heller als im Ultravioletten. Das Spektrum von Y ist so außergewöhnlich, dass der italienische Astronom Pater Secchi den Stern im 19. Jahrhundert deswegen „La Superba“ nannte. Y ist ein Roter Riesenstern, dessen äußeren Schichten sehr reich an Kohlenstoff sind. Er hat einen Durchmesser von 300 Millionen Kilometern, seine Oberflächentemperatur beträgt nur 2800 Kelvin und er ist ca. 1000 Lichtjahre von uns entfernt.
Der Doppelstern 2 Canes Venaticorum liegt ca. 3,3° westlich von Chara. In 11 Bogensekunden Abstand voneinander stehen hier ein roter Stern (5,6m) und ein weißer Stern (8m). Ca. 2,6° östlich von Cor Caroli liegt ein weiterer Doppelstern, bestehend aus den beiden Sternen 15 und 17 Canes Venaticorum. 15 Canes Venaticorum ist ein 6m heller blauer Stern, 17 Canes Venaticorum ist ebenfalls 6m hell und weiß. 17 Canes Venaticorum ist seinerseits ein enger Doppelstern, seine beiden 6m und 10m hellen Partnersterne stehen in einem Abstand von 1,8 Bogensekunden voneinander.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Im äußersten Süden des Sternbilds Jagdhunde liegt der Kugelsternhaufen M3, er ist 6m hell und gilt als einer der schönsten Kugelsternhaufen des nördlichen Himmels. Charles Messier entdeckte ihn 1764. Man findet M3 ungefähr auf der Mitte der Verbindungslinie von Arktur zu Cor Caroli. Mit einem Fernrohr ab 5 Zoll Öffnung, kann man bei hundertfacher Vergrößerung die Randbereiche von M3 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M3 ist ca. 45000 Lichtjahre von uns entfernt.Das Sternbild Jagdhunde liegt in der Nähe des galaktischen Pols, abseits von den großen Dunkelwolken unserer Milchstraße. Daher kann man im Sternbild Jagdhunde tief in den Weltraum blicken, und hier kann man schon in relativ kleinen Fernrohren einige sehenswerte und recht helle Galaxien beobachten. Zieht man z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) zu Chara, findet man auf der Mitte dieser Linie mit einem lichtstarken Fernglas einen länglichen, nebeligen Fleck. Das ist die Galaxie M106. Die 8,2 m helle, rundliche Galaxie M94 finden wir in 2° Abstand über der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Chara, in Richtung zu den Deichselsternen des Großen Wagens. Zieht man eine Linie von Cor Caroli zu Gamma Comae Berenices, fällt einem bereits im dreizölligen Fernrohr an einem Punkt südlich der Mitte dieser Linie die große, 9,2m helle „Heringsgalaxie“ NGC 4631 auf. Weitere sehenswerte Galaxien sind NGC 4490, die ca. 40 Bogenminuten westlich von Chara liegt, die „Sonnenblumengalaxiel“ M63, die südlich der Mitte der Linie von Benetnash (Eta Ursae Majoris) nach Cor Caroli zu finden ist, sowie NGC 4449, ca. 2,5° nördlich von NGC 4490. Die berühmte Galaxie M51 (Lord Ross gab ihr den Namen „Whirlpool-Galaxy") finden wir auf der Linie von Benetnash (Eta Ursae Majoris) zu M94, ca. 3,5° von Benetnash entfernt. Die Spiralarme dieser fernen Galaxien werden aber erst mit lichtstarken Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung unter einem dunklen, klaren Himmel wahrnehmbar.
Man kann im Sternbild Jagdhunde mit lichtstarken Fernrohren großer Öffnung Dutzende Galaxien niedriger Helligkeit beobachten. Mit Großteleskopen wurden hier Himmelsaufnahmen gemacht, die in den Tiefen des Sternbilds ausgedehnte Galaxienhaufen zeigen, die Hunderte von Galaxien in Entfernungen von mehreren hundert Millionen Lichtjahren enthalten.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.