Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Kleiner Hund liegt unterhalb des Sternbilds Zwillinge zwischen den Sternbildern Krebs, Wasserschlange und Einhorn, östlich des Sternbilds Orion.
In der Liste der 88 Sternbilder steht das Sternbild Kleiner Hund mit seiner Fläche von 182 Quadratgrad an 71. Position. Es ist somit ein sehr kleines Sternbild.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Kleiner Hund ist eines der 48 klassischen Sternbilder der Antike. Es wird manchmal behauptet, dass es einen der Jagdhunde des Orion darstellt, doch in den Sagen des klassischen Altertums gibt es keinen Hinweis darauf, dass Orion bei seinen Jagden mit Jagdhunden arbeitete.
Einer Erzählung des römischen Dichters Hyginus zufolge stellt das Sternbild den Hund Maira dar, den treuen Hund des Ikarios. Ikarios hatte von Dionysos die Kunst der Weinherstellung erlernt. Ikarios war von seinem ersten, selbst gekelterten Wein so begeistert, dass er gleich damit loslief, um ihn den nächst besten Leuten auf seinem Weg zum Verkosten zu geben. So kam er zu einigen Hirten auf einem Feld, die dort ihre Schafe hüteten. Da der Tag sehr heiß war, waren die Hirten sehr durstig und tranken den von Ikarios so freigebig angebotenen leckeren Wein gerne und reichlich. Doch als sie die ihnen bislang unbekannte Wirkung des Alkohols zu spüren begannen nahmen sie an, der Ikarios habe sie vergiftet. Wutentbrannt fielen sie über den Ikarios her und schlugen ihn tot. Die Leiche verscharrten sie unter einem Baum und machten sich mit ihren Schafen auf den Heimweg.
Da Ikarios nicht nach Hause zurückkehrte, machte sich sein Hund Maira auf die Suche nach seinem Herrchen. Der Hund folgte schnüffelnd der Spur, fand die Leiche und lief darauf spornstreichs zur Erigone, der Tochter des Ikarios. Der Hund winselte und flehte und zog dabei mit den Zähnen vorsichtig immer wieder an Erigones Gewand, bis diese begriff, dass sie dem Hund folgen müsse. So führte Maira die Tochter zur Leiche des Vaters. Erigone war dadurch so verzweifelt, dass sie sich an dem Baum erhängte, unter dem der Vater verscharrt worden war, und der treue Hund Maira ertränkte sich in einem nahen Brunnen.
Das Sternbild enthält nur zwei helle Sterne. Der Hellere der beiden Sterne ist der 0,4m helle Prokyon, der andere ist der 2,8m helle Gomeisa.
Der griechische Name „Prokyon“ bedeutet „Vor dem Hund“. Der Name soll zum Ausdruck bringen, dass Prokyon über dem Osthorizont stets kurz vor Sirius, dem hellen Hundsstern aufgeht. Den Namen „Hundstern“ hat Sirius nicht von seiner Position als Hauptstern im Sternbild Großer Hund, denn im Alten Ägypten war das Sternbild Großer Hund unbekannt. Dort galt Sirius als eine himmlische Verkörperung des hundsköpfigen Gottes Anubis.
Der Name „Gomeisa“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „die mit den von Tränen erfüllten Augen“. In der Antike bestand das Sternbild Kleiner Hund nur aus dem hellen Stern Prokyon.

 

Markante Sterne

Procyon ist ein Stern der Spektralklasse F5. Er ist der achthellste Fixstern am Himmel und ca. 11,4 Lichtjahre von uns entfernt. Damit ist Prokyon einer der nächsten Fixsterne.
Seine Oberflächentemperatur beträgt 6000°C, er leuchtet mit sechs Sonnenleuchtkräften. Prokyon hat einen 13m hellen Weißen Zwerg von 0,64 Sonnenmassen als Begleiter, der den Prokyon einmal in 40 Jahren umrundet. Da Prokyon 15.000-mal heller leuchtet als sein Begleiter, überstrahlt er diesen in jedem Amateurteleskop, wodurch man den Stern Prokyon B mit Amateurmitteln nicht beobachten kann. Gomeisa ist ein Hauptreihenstern der Spektralklasse B7, ca. 165 Lichtjahre entfernt. Er leuchtet mit 195 Sonnenleuchtkräften.
Wilhelm Herschel beachtete den Aufgang Prokyons als Hinweis auf die Tatsache, dass bald danach auch der Sirius aufgehen würde. Für Herschel war dies das Signal zum baldigen Abbruch seiner aktuellen nächtlichen Deep-Sky-Durchmusterung, weil der folgende Aufgang des strahlenden Sirius nach seiner Erfahrung die optimale Dunkeladaption seiner Augen beendete.

Text von Günther Bendt

 

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.