Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Kompass liegt südlich des Sternbilds Wasserschlange zwischen den Sternbildern Luftpumpe und Achterschiff und nördlich des Sternbilds Segel . Es nimmt am Himmel eine Fläche von 221 Quadratgrad ein und steht damit in der Liste der 88 Sternbilder an der 65. Position.
Das Sternbild Kompass kulminiert in Mitteleuropa im Februar, doch da seine Sterne nur schwach leuchten und sich nur wenig über den Horizont erheben, ist es im Horizontdunst kaum zu erkennen.

Geschichte und Mythologie

Von 1750 bis 1754 beobachtete der französische Astronom Nicolas de Lacaille am Kap der Guten Hoffnung die Sterne des Südhimmels und vermaß dort die Positionen von über 10000 Sternen. Als de Lacaille nach Frankreich zurückgekehrt war, erschuf er im Jahre 1756 das Sternbild Schiffskompass (Pyxis nautica) aus Sternen, die oberhalb des hinteren Teils des damaligen Sternbilds Schiff Argo (Argo Navis) liegen. Der Name des Sternbilds „Schiffskompass“ wurde später zu „Kompass“ (Pyxis) verkürzt.
Das antike Sternbild Argo war bis zum Jahr 1756 das größte Sternbild des Himmels und ist eines der 48 klassischen Sternbilder. Wenn dieses Sternbild im antiken Griechenland kulminierte, erhob es sich dabei nur wenig über den Südhorizont und erschien hier als ein auf dem Horizont des Meeres aus Sternen gezeichnetes Schiff, dessen Vorschiff von einer Nebelwolke verdeckt war. Vom Kap der Guten Hoffnung aus gesehen stand das Sternbild Argo jedoch im Zenit. Dort erwies es sich durch seine enorme Größe als unübersichtlich und daher für die astronomische Arbeit als unpraktisch. Darum teilte de Lacaille es 1752 in die drei Sternbilder Schiffkiel (Carina), Segel (Vela) und Achterschiff (Puppis) auf. Im 19. Jahrhundert schlug Wilhelm Herschels Sohn John vor, das Sternbild Kompass in „Schiffsmast“ (Malus) umzutaufen, als viertes Teilsternbild des ehrwürdig alten Sternbilds Schiff Argo. Der Vorschlag John Herschels setzte sich jedoch nicht durch.

Markante Sterne

Der hellste Stern des Sternbilds Kompass ist Alpha Pyxidis, ein 3,7m heller blauweißer Stern der Spektralklasse B2, ca. 800 Lichtjahre entfernt. Der 4,0m helle Stern Beta Pyxidis ist ein gelber Riesenstern der Spektralklasse G5 in 380 Lichtjahren Entfernung. Der 4,0m helle Stern Gamma Pyxidis ist ein Roter Unterriese in ca. 200 Lichtjahren Entfernung.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

4° ostnordöstlich von Alpha Pyxidis liegt der Novastern T Pyxidis. In den Jahren 1890, 1902, 1920, 1944 und 1966 wurde beobachtet, dass seine Helligkeit jeweils binnen weniger Tage von 14m auf ca. 6,5m anstieg, um danach im Laufe mehrerer Wochen langsam wieder auf ihre Ausgangshelligkeit abzusinken. T Pyxidis ist eine "recurrent nova", er kann in Abständen von Jahrzehnten erneut als Nova aufleuchten. T Pyxidis liegt in einer Entfernung von 6000 Lichtjahren. Die expandierenden Trümmerwolken von T Pyxidis wurden 1998 mit dem Hubble-Teleskop spektakulär fotografiert.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild Kompass liegt im Band der Milchstraße. Daher gibt es in dem Sternbild nicht nur viele Sterne, sondern auch kleine Offene Sternhaufen, wie z. B. NGC 2658, NGC 2627 und NGC 2818. Der Offene Sternhaufen NGC 2118 enthält einen Planetarischen Nebel, der am 28. Mai 1826 vom schottischen Astronomen James Dunlop von Australien aus entdeckt wurde. Der Nebel ist 8,2m hell und ca. 10000 Lichtjahre entfernt. Mit dem Hubble-Teleskop wurde er spektakulär fotografiert.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.