Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Kranich grenzt im Norden an das Sternbild Südlicher Fisch, im Westen an die Sternbilder Teleskop und Indianer, im Süden an das Sternbild Tukan und im Osten an das Sternbild Phönix. Es bedeckt am Himmel eine Fläche von 366 Quadratgrad. Daher steht es in der Liste der den 88 Sternbildern an der 45. Position.Von Norddeutschland aus ist vom Sternbild Kranich nichts zu sehen. Von Süddeutschland aus ist bei sehr klarem Wetter mit guter Horizontsicht der nördlichste Stern Aldhanab (Gamma Gruis) des Sternbilds wahrnehmbar.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Kranich wurde 1595 von dem niederländischen Navigator Pieter Dirkszoon Keyser und seinem Freund Frederick de Houtman auf ihrer Forschungsfahrt zu den Gewürzinseln der Südhalbkugel als eigenständiges Sternbild erfunden. Sie nannten es Den Reygher Kranich.
Bis dahin galten die Sterne des Sternbilds Kranich als Teil des seit der Antike bekannten Sternbilds Südlicher Fisch. Da das Sternbild Südlicher Fisch von Mittel- und Südeuropa aus betrachtet bei seiner Kulmination nur wenig oberhalb des südlichen Horizonts liegt, blieben hier die südlichen Sterne des Sternbilds meist im Horizontdunst verborgen. Während Keyser und Houtman mit der Flotte zur Südhalbkugel segelten, tauchten nach und nach vor ihren Augen unterhalb des Sternbilds Südlicher Fisch helle Sterne über dem Horizont auf, die auf den in Europa verfügbaren Sternkarten nicht verzeichnet waren. Daher schufen Sie mit diesen hellen Sternen und den südlichen Sternen des Sternbilds Südlicher Fisch das neue Sternbild „Reiher Kranich“. Im Jahre 1598 nahm der Kartograph Petrus Plancius das neue Sternbild in seinen Himmelsglobus auf, der nach weiteren zwei Jahren von Jodocus Hondius verlegt wurde. Dort tauchte das Sternbild versehentlich unter dem Namen „phoenicopterus“ auf. Dieser Name bedeutet jedoch „Flamingo“ und nicht „Kranich“. Johann Beyer übernahm das Sternbild 1603 unter dem Namen „Kranich“ in seinen Himmelsatlas „Uranometria“.

Markante Sterne

Der hellste Stern des Sternbilds heißt Alnair (Alpha Gruis). Er ist ein blauweißer Unterriese in 101 Lichtjahren Entfernung, 1,71m hell. Ca. 6° östlich von Alnair liegt der 2,1m helle Stern Beta Gruis, Beta ist ein Roter Riese in 150 Lichtjahren Entfernung. Durch ihre unterschiedlichen Farben kann man die beiden Sterne Alpha und Beta gut voneinander unterscheiden. Ca. 9,5° nördlich von Alnair liegt der 3m helle Aldhanab (Gamma Gruis). Gamma ist ein blauweißer Riesenstern in 203 Lichtjahren Entfernung.
Oberhalb der Verbindungslinie von Alpha nach Beta bilden die beiden Sterne Delta1 und Delta2 Gruis ein mit bloßem Auge auffälliges Sternenpaar. Delta Gruis ist ein optischer Doppelstern und kein physisches Paar, denn Delta2 Gruis ist 300 Lichtjahre weiter von uns entfernt als Delta1 Gruis.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Ein echtes Doppelsternsystem ist Pi2 Gruis. Dieser 5,6m helle Stern zeigt sich schon im kleinen Teleskop als ein Doppelstern. Er hat einen 12m hellen Partnerstern im Abstand von 4 Bogensekunden. Ca. 4,6 Bogenminuten von Pi2 entfernt liegt der 6m helle Pi1 Gruis, auch er ist ein Doppelstern, der aus einem veränderlichen Partnerstern der Spektralklasse C (ähnlich R Coronae Borealis) und einem 11m hellen gelben Zwergstern besteht.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild Kranich liegt abseits der Milchstraße. Daher gibt es darin weder Offene Sternhaufen noch staubige Dunkelwolken, und so man kann hier ungehindert in die Tiefe des Weltalls blicken. Mit Fernrohren ab zehn Zoll Öffnung kann man im Sternbild Kranich von geeigneten Standorten aus einige ferne Galaxien beobachten. Die Galaxie NGC 7213 ist 10,1m hell. Sie ist die hellste Galaxie im Sternbild Kranich und liegt ca. 77 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Text von Günther Bendt

 

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.