Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Luchs liegt zwischen den Sternbildern Kleiner Löwe, Großer Bär, Giraffe, Fuhrmann, Zwillinge und Krebs. Es ist 545 Quadratgrad groß und nimmt daher am Himmel eine größere Fläche ein als z. B. das Sternbild Zwillinge. Das Sternbild Luchs ist ein Sternbild des Winterhimmels. Für Standorte nördlich des 50. Breitengrades erscheint es zirkumpolar. Trotz seiner Größe ist das Sternbild Luchs ein sehr unauffälliges Sternbild, denn es enthält keine hellen Sterne.  

Geschichte und Mythologie

Da es im Sternbild Luchs keine hellen Sterne gibt, wurde die Region des Himmels, in der es liegt, bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts von niemandem beachtet. Das änderte sich, als für astronomische Himmelsbeobachtung erstmals Fernrohre zur Anwendung kamen. Mit diesen neuen Geräten konnte man auch die sternarmen Regionen zwischen den klassischen Sternbildern erfolgreich untersuchen und dort viel mehr Sterne sehen. Das tat auch der Danziger Bierbrauer und Bürgermeister Johannes Hevel, der auch als „Johannes Hevelius“ bekannt ist. Hevel hatte sich auf seinem Haus eine große Dachsternwarte gebaut, von der aus er mit seinen langbrennweitigen Selbstbaurefraktoren ausgiebig das dunkle Himmelareal zwischen den klassischen Sternbildern Krebs, Zwillinge, Fuhrmann und Großer Bär durchforschte. Über diese Himmelsregion sagte er einmal, dass man wohl Augen wie ein Luchs haben müsse, um die darin enthaltenen schwachen Sterne mit bloßem Auge erkennen zu können. Daher gab er dieser Region den Sternbildnamen „Luchs“ (lateinisch „Lynx“). Hevel war der erste Astronom, der die Himmelskoordinaten der Sterne in dem von ihm benannten Sternbilds Luchs vermaß. Im Jahre 1690 erschien das Sternbild Luchs erstmals auf einer Sternkarte, die auf der Basis der Positionsbestimmungen Hevels erstellt und nach dessen Tod veröffentlicht wurde. Damit wurde das Sternbilds Luchs zu einem offiziell anerkannten Sternbild.

Markante Sterne

Der hellste Sternim Sternbild Luchs ist der 3,1 m helle Alpha Lyncis, ein Roter Riesenstern der Spektralklasse F5. Wir finden ihn in der südöstlichen Ecke des Sternbilds. Alle anderen Sterne im Sternbild Luchs sind deutlich schwächer. Viele dieser schwachen Sterne sind jedoch sehenswerte Doppelsterne, die man in kleineren Fernrohren gut beobachten kann.
Der Doppelstern 38 Lyncis liegt ca. 2,5° nördlich von Alpha. Die beiden 3,9 m und 6,2 m hellen Partnersterne stehen im Abstand von nur 2,7 Bogensekunden voneinander und zeigen im Fernrohr bei hoher Vergrößerung einen deutlichen Farbunterschied. Der Stern 31 Lyncis ist ein 4,3m heller Riese der Spektralklasse K5, er liegt ca. 12,5° nordwestlich von 38 Lyncis. 24,5° nordwestlich von 38 Lyncis finden wir den Stern 2 Lyncis, einen 4,5m hellen weißen Stern der Spektralklasse A0. Dieser Stern liegt am östlichen Rand des Sternbilds Luchs. Somit haben wir das Sternbild seiner Länge nach durchmessen.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Ca. 1° südöstlich von 2 Lyncis finden wir den Stern 5 Lyncis, einen Doppelstern aus Roten Riesen. 2,4° nordöstlich von 5 Lyncis liegt das schöne Dreifachsystem 12 Lyncis, es besteht aus drei weißen Sternen, die schon im Fernrohr von drei Zoll Öffnung bei 120facher Vergrößerung getrennt sichtbar sind.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Im Sternbild Luchs liegen keine Offenen Sternhaufen, da sein Winkelabstand vom Band der Milchstraße zu groß ist. Es gibt es in dem Sternbild keine hellen Sterne, mittels denen man sich in dem Sternbild leicht zurechtfinden kann. Andererseits wird man hier beim Beobachten mit dem Fernrohr weder durch helle Sterne geblendet, noch durch Dunkelwolken behindert. Somit bietet das Sternbild in einer klaren Neumondnacht unter einem sternklaren Landhimmel gute Voraussetzungen für die erfolgreiche Beobachtung von Deep-Sky-Objekten, die man hier mit einem lichtstarken Fernrohr größerer Öffnung aufspüren kann
Schwenkt man vom Stern Castor im Sternbild Zwillingen ausgehend  ca. 7° nach Norden, kann man im Achtzöller kurzer Brennweite am dunklen Himmel bei 60facher Vergrößerung ein schwaches Nebelwölkchen erkennen. Dies Wölkchen ist der Kugelsternhaufen NGC 2419. Er ist 230.000 Lichtjahre von uns entfernt und ist der am weitesten von der Milchstraße entfernt liegende Kugelsternhaufen. Zugleichist er einzige Kugelsternhaufen in dieser Region des Himmels. Visuell erreicht er eine Helligkeit von 10,5m. Nur in langbrennweitigen Teleskopen mit großer Öffnung kann man bei hoher Vergrößerung einzelne Sterne von NGC2419 wahrnehmen, denn seine hellsten Sterne sind nur 13,5m hell.
Zieht man von Iota Cancri eine Linie zu Theta Ursae Majoris, findet man auf dieser Linie in einem Abstand von ca. 4,6° von Iota die helle Spindelgalaxie NGC 2683. Sie kann in Fernrohren ab 3 Zoll Öffnung gut beobachtet werden, denn ihre Flächenhelligkeit ist hoch. Man sieht sie in Kantenlage, sie hat keinen stellaren Kern, ihre Entfernung von uns beträgt ca. 20 Millionen Lichtjahre.
Hat man an seinem dunklen Beobachtungsplatz ein lichtstarkes Fernrohr großer Öffnung im Einsatz, kann man sich damit im Luchs mit Erfolg auf die Jagd nach schwachen Galaxien begeben. Ca. 40 Bogenminuten südlich von Alpha Lyncis liegt der Galaxienhaufen Abell 779. Die hellste Galaxis dieses Haufens ist die 11m helle NGC 2832. Zieht man eine Linie von Alpha Lyncis nach Kappa Ursae Majoris, stößt man ca. 6° von Alpha auf die 11,5 m helle Galaxie NGC 2872.
Mit Fernrohren ab 12 Zoll Öffnung kann man im Sternbild Luchs viele lichtschwache Galaxien wahrnehmen. Profiastronomen haben hier mit Großteleskopen Galaxien in 12 Milliarden Lichtjahren Entfernung fotografiert.  

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.