Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Orion ist ein markantes Sternbild des nördlichen Winterhimmels. Es ist von den Sternbildern Stier, Zwillinge, Einhorn, Großer Hund, Hase und Eridanus umgeben und scheint sie alle zu dominieren.
Es ist jedoch kein besonders großes Sternbild. Mit seiner Fläche von 594 Quadratgrad ist es kleiner als jedes der Sternbilder Adler, Fische, Drache oder Wassermann.
Das Sternbild liegt mitten auf dem Himmelsäquator und dominiert dort von Oktober bis März den tropischen Nachthimmel. Daher wurde es seit vielen Jahrtausenden von allen Völkern wahrgenommen und ist dadurch in vielen Kulturen ein Bestandteil ihrer Mythen und Legenden geworden.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Orion ist eines der 48 klassischen Sternbilder, die Claudius Ptolemäus um 150 n. Chr. in seiner Liste der Sternbilder beschrieb. Das Sternbild Orion existierte bereits lange vor der Zeit des Ptolemäus, denn Homer erwähnte es bereits um 700 v. Chr.
In der Mythologie des klassischen Griechenlands erscheint Orion als ein  heldenhaft starker und geschickter Jäger. Sein Vater war Poseidon, der Gott des Meeres, seine Mutter Euryale war eine Tochter des Minos, der seinerseits ein Sohn des Zeus und der Europa war. Orion konnte so schnell laufen, dass er im Lauf jedes Tier einholen konnte. Er pflegte es dann beim Laufen mit einer schweren Keule aus Bronze zu erschlagen. Seine göttliche Abkunft machte den Orion stark und schön, er schaffte es aber nicht, mit seinen Talenten etwas Sinnvolles anzufangen.
Der junge Orion kam nach auf die Insel Chios, wo ihm Oinopion, König der Insel, den Auftrag gab, Chion in einem Tag von wilden Tieren zu säubern. Als Preis für diese Leistung versprach der König dem Orion seine Tochter Merope. Oinopion erwartete, dass Orion es nicht schaffen werde, die Aufgabe in einem Tage zu bewältigen, und wähnte seine Tochter daher in Sicherheit. Doch vor Sonnenuntergang hatte Orion alle wilden Tiere auf Chios erschlagen. Nun forderte er seine Belohnung ein, wollte Merope aber nicht zur Frau, sondern nur für eine Nacht. Hilflos ließ Oinopion die Vergewaltigung seiner Tochter durch Orion zu, doch anschließend machte er Orion betrunken, stach ihm die Augen aus und jagte ihn davon. Doch mit der Unterstützung des Gottes Hephaistos erlangte Orion sein Augenlicht zurück. Anschließend stellte Orion fünf Jahre lang den sieben schönen Töchtern des Titanen Atlas nach, bis Zeus die jungen Frauen als Plejaden an den Himmel versetzte, wo sie vor weiteren Nachstellungen des Orion geschützt waren. Nun versuchte Orion sein Glück bei Artemis, der Göttin der Jagd, doch auch hier mündete sein Streben in einem Vergewaltigungsversuch, dem sich Artemis angewidert entzog.
Nach diesem Ereignis wird von Orion nur noch berichtet, dass er zu Tode kam. Zum Tod Orions wurden verschiedene Geschichten überliefert. In einer reiste Orion auf die Insel Kreta, wo er behauptete, er könne problemlos jedes Tier zur Strecke bringen, das diese Insel bewohne. Über diese Behauptung ärgerte sich die Erdgöttin Gaia so sehr, dass sie einen Skorpion aus einer Erdspalte kriechen ließ, der den Orion mit seinem Giftstachel in die Ferse stach, wodurch der große Jäger kläglich starb.
Der Skorpion und der Orion wurden danach als Sternbilder so an den Himmel versetzt, dass sie hier nie gleichzeitig zu sehen sind: geht Orion unter, geht der Skorpion auf, und geht Orion auf, geht der Skorpion unter.
In einer anderen Fassung der Geschichte war es Artemis, die den Skorpion freisetzte, dessen Stich den Orion tötete.
Der Dichter Homer schildert den Tod des Orion ganz anders. Hier verliebt sich Eos, die Göttin der Morgenröte in den schönen Orion. Als Artemis von dieser Entwicklung erfährt, verlockt sie den Orion dazu, bei Sonnenaufgang im Meer zu baden. Danach geht sie mit Eos an den Strand und zeigt ihr ein unter der Morgenröte weit draußen im Meer schwimmendes Ziel, von dem Artemis behauptet, dass Eos es mit einem Pfeil nicht treffen könne. Um der Artemis das Gebeteil zu beweisen, spannt Eos ihren Bogen und schießt einen Pfeil ab, mit dem sie ahnungslos ihren geliebten Orion tötet.

Arabische Astronomen nannten das Sternbild Orion „Al Jauzah“, was man als „Der Riese“ übersetzen kann. Im alten Ägypten sah man in dem Sternbild eine Verkörperung des Osiris, dem Gott der Unterwelt, dem Hüter des göttlichen Lichts und der Fruchtbarkeit der Feldfrüchte.
Die ältesten bekannten Erwähnungen des Sternbilds Orion stammen aus dem Zweistromland, der eigentlichen Wiege der Astronomie. In Ur sah man in dem Sternbild um 3000 v. Chr. eine Verkörperung des Stadtgründers Gilgamesch aus der Zeit der Sintflut. In Akkad nannte man es um 2700 v. Chr. „Uru-Anna“, was „Licht des Himmels“ bedeutet. Aus dem Begriff „Uru-Anna“ wurde in Babylon mit der Zeit „Aryan“. Als „Aryan“ bezeichneten sich die Eliten des persischen Großreichs. Daraus leitete sich der heutige Begriff „Arier“ ab. Im frühklassischen Griechenland wurde aus „Aryan“ der Name „Orion“.

Markante Sterne

Das Auffälligste am Sternbild Orion sind seine hellen Sterne, die zudem sehr markant angeordnet sind. In seiner Mitte stehen drei Sterne nebeneinander in einer Reihe, sie markieren den Gürtel des Orion. Das sind, von links nach rechts betrachtet, der 1,8m helle Alnitak (Zeta), der 1,7m helle Alnilam (Epsilon) und der 2,2m helle Mintaka (Delta). Jeder dieser Sterne ist ein Riesenstern der Spektralklasse B mit mehreren zehntausend Sonnenleuchtkräften, sie sind alle ca. 1400 Lichtjahre entfernt. Links oberhalb der Gürtelsterne liegt der 0,4m helle Stern Beteigeuze (Alpha), ein Roter Überriese mit 40.000 Sonnenleuchtkräften, ca. 400 Lichtjahren von uns entfernt. Beteigeuze ist ein unregelmäßig veränderlicher Stern und eine der hellsten Infrarotlichtquellen des Nachthimmels. Er bildet im Sternbild die linke Schulter des Orion. Rechts oberhalb der Gürtelsterne liegt der 1,6m helle Stern Bellatrix (Gamma), er bildet die rechte Schulter. Heka (Lambda) ist ein 3,5m heller, ca. 30.000°C heißer Riesenstern der Spektralklasse O, in 1200 Lichtjahren Entfernung, er bezeichnet im Sternbild den Kopf des Orion.
Rechts unterhalb des Gürtels markiert der 0,1m helle Rigel (Beta) den rechten Fuß des Orion. Rigel ist ein blauweißer Überriese mit 60.000 Sonnenleuchtkräften, der siebthellste Stern des Nachthimmels. Links unterhalb der Gürtelsterne liegt der 2,1m helle Saiph (Kappa), auch er ein blauweißer Überriese mit 50.000 Sonnenleuchtkräften, über 2500 Lichtjahre von uns entfernt. Saiph markiert den linken Fuß des Orion.
Unterhalb der drei Gürtelsterne stellen die drei Sterne 42 Orionis, Theta und Saif (Iota) das so genannte „Schwertgehänge des Orion“ dar.

Besondere Sterne

Das Sternbild Orion enthält auch viel beeindruckende Doppelsterne: z. B. Heka (Kopfstern), Mintaka (rechter Gürtelstern), Alnitak (linker Gürtelstern), Eta Orions (liegt zwischen Mintaka und Rigel (Alpha)), und nicht zuletzt der helle Stern Rigel selbst. Auch die Sterne Sigma (direkt südlich von Alnitak) und Theta (im Orionnebel) sind Mehrfachsysteme: Sigma hat vier Komponenten, Theta erscheint im Fernglas als Doppelstern aus beiden Sternen Theta1 und Theta2. Theta1 zeigt sich bei mittleren Vergrößerungen als Vierfachstern: diese vier Sterne sind das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Der Stern Theta2 ist ebenfalls doppelt. Bei hohen Vergrößerungen und guter Himmelstransparenz zeigt Theta1 im Achtzöller sogar sechs Komponenten.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Bei Theta liegt der Orion-Nebel M42, der hellste Emissionsnebel des nördlichen Sternenhimmels. In M42 findet eine intensive Sternentstehung statt. Die Strukturen des Nebels sind sehr komplex und vielgestaltig, was man besonders bei Einsatz eines UHC-Filters gut wahrnehmen kann. M42 ist in jedem Fernrohr und Fernglas eine Augenweide. M42 das am häufigsten beobachtete Objekt im Sternbild Orion. Doch es gibt in dem Sternbild  noch viel mehr zu sehen. Der als „Flammnebel“ bekannte Emissionsnebel NGC 2024 ist trotz seines Namens keineswegs hell, man kann ihn im lichtstarken Fernrohr unmittelbar östlich von Alnitak (Zeta), dem östlichen Gürtelstern entdecken, solange man es schafft, den hellen Stern Alnitak außerhalb des Okulargesichtsfelds zu halten, weil Alnitak den Nebel anderenfalls vollständig überstrahlen würde. Ein weiterer recht heller Reflexionsnebel ist M78, der ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak liegt. Hier liegt ein in eine Dunkelwolke eingehülltes Sternentstehungsgebiet, dessen blaue Sterne den Staub der Dunkelwolke beleuchten. Ein wenig nördlich von M42 kann man den Reflexionsnebel M43 wahrnehmen. Ca. 2°nördlich von des Sterns Cursa (Beta Eridani) liegt der Reflexionsnebel NGC1788, bei guten Bedingungen und unter dunklem Himmel ist er auch im kleinen Fernrohr gut zu sehen. Wunderbar ist das Sternbild im lichtstarken Fernglas auf einem Stativ bei klarer Winternacht zu beobachten. Der Anblick der Menge und der Vielfalt der dabei sichtbaren Sterne werden einem stets in Erinnerung bleiben.

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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