Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Paradiesvogel liegt am Südhimmel und ist daher von Europa aus nicht zu sehen. Es grenzt im Norden an die Sternbilder Altar, Südliches Dreieck und Zirkel, im Westen an die  Sternbilder Fliege und Chamäleon, im Süden an das Sternbild Oktant und im Osten an das Sternbild Pfau. Das Sternbild Paradiesvogel nimmt mit seiner Fläche von 206 Quadratgrad unter den 88 Sternbildern die 67. Position ein. Es ist ein unauffälliges Sternbild, da nur zwei seiner Sterne heller sind als 4,0m.

Geschichte und Mythologie

Im Jahre 1595 brach eine Flotte holländischer Schiffe auf, um den Seeweg zu den sagenhaften Gewürzinseln zu finden, diese Inseln für den holländischen Handel zu öffnen und damit das Handelsmonopol der Portugiesen für Gewürze zu brechen. Der Kommandant der Flotte war Cornelis de Houtman.
Diese Reise war sehr riskant, denn Seekarten der südlichen Meere hatte man damals in Holland nicht. Man hatte auch noch keine Sternkarten mit den Positionen der Sterne des Südhimmels, die man für die sichere Navigation bei Nacht brauchte. Der holländische Astronom, Theologe und Kartenzeichner Petrus Plancius hatte einen Navigator der Flotte beauftragt, während der Reise die Positionen der hellen Sterne des Südhimmels zu vermessen und ihm eine Liste ihrer Himmelskoordinaten zurück zu bringen. Dieser Navigator hieß Pieter Dirkszoon Keyser.
Während der langen Reise über den Indischen Ozean zu den Gewürzinseln vermaß Keyser die Positionen von 135 Sternen. Gemeinsam mit Frederick de Houtman, dem Bruder des Kommandanten, schuf er daraus zwölf neue Sternbilder. Eines davon nannten sie De Paradijs Voghel.
Pieter Dirkszoon Keyser kam während der Reise in Sumatra um, doch Frederick de Houtman gelangte mit den Aufzeichnungen Keysers im Gepäck heil nach Holland zurück. Nur 87 der ursprünglich 247 Expeditionsteilnehmer hatten die Reise überlebt. Im Laderaum brachten sie zwar nur ein paar Fässer mit Pfefferkörnern zurück, dennoch führte diese Reise schließlich zur Gründung der später sehr mächtigen Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC).
1598 erschien das neue Sternbild erstmals als „Paradysvogel Apis Indica“ auf dem neuen Himmelsglobus von Peter Plancius, der im Jahre 1600 von Jodocus Hondius verlegt wurde. Johann Beyer nahm das Sternbild 1603 unter den Namen „Apis Indica“ in seinen neuen Himmelsatlas Uranometria auf. „Apis Indica“ ist lateinisch und bedeutet „indische Biene“. Gemeint war offensichtlich „Avis Indica“ (indischer Vogel). Die fehlerhafte lateinische Bezeichnung des Sternbilds geht vermutlich auf ein Versehen des Kupferstechers zurück, der beim Lesen der handschriftlichen Vorlage die Buchstaben ’p’ und ’v’ verwechselte.
Dieser Schreibfehler hatte jedoch Folgen. Der lateinische Name des Sternbilds wurde von „Apis“ in „Apus“ (Mauersegler) geändert, und das Sternbild „Apes“ (Fliege) erhielt den lateinischen Namen „Musca“, um möglichen Verwechslungen mit „Apis“ vorzubeugen.

 

Markante Sterne

Der 3,8m helle Stern Alpha Apodis liegt ca. 4,6° nördlich des 3,2m hellen Sterns Delta Octantis. Alpha ist ein Roter Riese in 411 Lichtjahren Entfernung. Ca. 5° östlich von Alpha liegt der 3,8m helle Stern Gamma Apodis. Gamma ist ein Roter Unterriese in 159 Lichtjahren Entfernung.

Besondere Sterne (Doppelsterne)

Ca. 0,6° westnordwestlich vom Gamma liegt Delta Apodis. Delta ist ein visueller Doppelstern, dessen beide Komponenten im Abstand von 1,5 Bogenminuten voneinander stehen. Sie können in jedem Fernglas getrennt gesehen werden. Beide Partner sind Rote Riesensterne, der hellere Partnerstern ist 765 Lichtjahre von uns entfernt, der schwächere Partnerstern liegt jedoch nur 663 Lichtjahre von uns weg.

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.