Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Pegasus grenzt im Norden an die Sternbilder Schwan und Eidechse, im Osten an die Sternbilder Andromeda und Fische, im Süden an die Sternbilder Fische und Wassermann, im Westen an die Sternbilder Füllen, Delphin und Füchslein. Es kulminiert im September um Mitternacht.
Der Pegasus ist ein großes Sternbild. Seine Fläche beträgt 1121 Quadratgrad. Unter den 88 Sternbildern nimmt das Sternbild Pegasus damit den 7. Rang ein.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Pegasus ist schon seit der Antike bekannt. Es wurde zum Andenken an das geflügelte Pferd Pegasus erfunden. Der Vater des Pegasus war Poseidon, seine Mutter war Medusa. Der betrunkene Poseidon hatte die hübsche Medusa seinerzeit in den Tempel der Athene verfolgt und sie dort vergewaltigt. Seine Schwester Pallas Athene war über diese frevelhafte Nutzung ihres Tempels empört. Um zu verhindern, dass sich dort so ein Frevel jemals wiederholen könnte, verwandelte sie die von der Vergewaltigung traumatisierte und verzweifelte Medusa in ein abstoßend hässliches Ungeheuer, dessen fürchterlicher Blick jedes lebende Wesen in Stein verwandelte. Doch eines Tages gelang es dem Perseus, die Medusa mit einem Zauberschwert zu enthaupten. Der tote Leib der Medusa gebar daraufhin den Pegasus und einen erwachsenen Krieger namens Chrysaos, beide waren das Ergebnis der Vergewaltigung der Medusa durch den Poseidon.
Nach der Tötung der Medusa machte sich Perseus mit dem tötlichen Medusenhaupt im blickdichten Sack auf seinen langen Heimweg. Pegasus jedoch flog vom Leichnam seiner Mutter weg nach Lykien, zum Helikongebirge, wo die Musen wohnten. Bei diesen munteren und geistreichen Wesen fühlte sich der junge Pegasus sehr wohl. Da es dort jedoch nirgends Wasser gab, schlug er seinen harten Huf gegen die trockenen Felsen, und schon sprudelte eine kräftige Quelle aus dem Fels hervor. Somit hatten die Musen in diesem trockenen Gebirge nun auch im heißesten Sommer stets reichlich klares und frisches Wasser zur Verfügung. Selbst Athene kam vom Olymp vorbei, um sich diese wundervolle Quelle anzusehen. Pegasus genoss sein freies Leben am Helikon, bis der Held Bellerophon kam, um ihn einzufangen.
Bellerophon galt als der Pferdeflüsterer der Antike. Der König von Lykien hatte dem Bellerophon den Auftrag erteilt, das Ungeheuer Chimaira zu töten. Die Chimaira hatte den Kopf eines Löwen, die Krallen eines Adlers, den Leib einer Ziege und den Giftschwanz eines Riesenskorpions, sie spie Feuer und ein tödliches Gift, und so richtete sie in Lykien großen Schaden an. Bellerophon hatte die Idee, dass der Pegasus das ideale Reittier sei, um den schwierigen Auftrag des Königs erfolgreich zu erfüllen, doch   Bellerophon gelang es zunächst nicht, den Pegasus einzufangen und ihn zu zähmen.
Doch dann träumte Bellerophon des Nachts, wie Athene ihm ein goldenes Zaumzeug gab, und wie er das Zaumzeug dann dem Pegasus anlegte, und in dem Traum wurde Pegasus damit zahm und ließ sich reiten. Als Bellerophon vom Traum erwachte, hielt er das Zaumzeug aus seinem Traum tatsächlich in der Hand. Voll freudiger Erwartung suchte und fand er den Pegasus, er legte ihm das Zaumzeug an, schwang sich auf seinen Rücken und flog mit ihm in den Himmel hinauf, und von dort aus tötete er die Chimaira mit sicheren Pfeilschüssen.
Bellerophon bekam daraufhin die Tochter des Königs zur Frau und galt fortan im ganzen Reich als ein Liebling der Götter.
Aufgrund der ihm entgegengebrachten hohen Wertschätzung kam der Held schließlich auf die Idee, auf dem Rücken des Pegasus zum Olymp zu fliegen, sich dort unter die Götter und Göttinnen zu mischen und seinen Status als Liebling der Götter zu testen. Doch als Zeus den Bellerophon auf Pegasus   heranfliegen sah, sandte er ihm eine Pferdebremse entgegen. Dieses Tierchen stach den Pegasus, der daraufhin erschrak und so plötzlich scheute, dass Bellerophon von seinem Rücken in die Tiefe stürzte. Zwar überlebte der diesen furchtbaren Sturz, doch er war fortan gelähmt und blind, daher er fand nie mehr nach Hause zurück und starb schließlich verlassen und einsam in der Wildnis. Den Pegasus jedoch versetzte Zeus als Sternbild an den Himmel.

Markante Sterne

Das auffälligste Merkmal des Sternbilds Pegasus ist eine Anordnung von vier hellen Sternen, die man in Astronomenkreisen als „Pegasusquadrat“ bezeichnet. Diese hellen Hauptsterne Markab (Alpha, rechts unten), Scheat (Beta, rechts oben) und Algenib (Gamma, links unten) stellen gemeinsam mit Alpheratz (Alpha Andromedae, links oben) den Rumpf des Flügelpferdes dar, das seinen Bauch am Himmel nach Norden reckt und ein Vorderbein in nördliche Richtung erhebt.
Ca. 17° westlich von Algenib finden wir den 2.5m hellen Stern Enif (Epsilon Pegasi), er markiert im Sternbild den Kopf des Pegasus. Enif ist ein oranger Überriesenstern mit 6700 Sonnenleuchtkräften, ca. 700 Lichtjahre von uns entfernt. Seine Helligkeit schwankt im Laufe einiger Jahrzehnte unregelmäßig. Enif ist ein Dreifachstern. Seine Partnersterne sind bereits in einem kleinen Fernrohr deutlich zu sehen.
Markab ist ein 2,5m heller Stern der Spektralklasse A0.
Der 2,4m helle Scheat ist ein Roter Riesenstern, dessen Helligkeit irregulär schwankt. In einem Sternspektroskop zeigt Scheats Sternspektrum sehr schöne breite, dunkle Absorptionslinien.
Der 2,8m helle Algenib ist ein blauweißer Riesenstern mit 1900 Sonnenleuchtkräften.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Ca. 3° westlich von Enif liegt der schöne Kugelsternhaufen M15. Er ist im Fernglas bereits als ein mattes rundliches Nebelchen wahrnehmbar, Fernrohre ab vier Zoll Öffnung zeigen M15 schön in Einzelsterne aufgelöst.
Richten wir von Scheat ausgehend den Blick ca. 4° nach Nordwesten, stoßen wir auf den 3m hellen Stern Matar (Eta). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar liegt die Spiralgalaxie NGC 7331. In kleinen Fernrohren ist die nur 10m helle Galaxie leider kaum wahrnehmbar. Das ist nicht verwunderlich, denn sie ist fast 65 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Man braucht daher ein lichtstarkes Teleskop mit größerer Öffnung, damit man sie deutlicher sehen kann. Mit einem derart leistungsfähigen Fernrohr kann man in der unmittelbaren Umgebung von NGC 7331 weitere, kleinere Spiralgalaxien wahrnehmen, die zusammen mit NGC 7331 eine Galaxiengruppe bilden.
Ca. 2,8° südlich vom Markab kann man in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 7479 entdecken. Sie ist 10,5m hell und ca. 100 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Text vcon Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.