Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Perseus liegt zwischen den Sternbildern Giraffe, Cassiopeia, Dreieck, Widder, Stier und Fuhrmann. Am Himmel nimmt es eine Fläche von 615 Quadratgrad ein, damit steht es in der Liste der 88 Sternbilder an 24. Position. Es ist von Mitteleuropa aus das ganze Jahr zu sehen.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Perseus ist eines der 48 klassischen Sternbilder der Antike. Es soll an Perseus erinnern, einen der Helden aus der klassischen Mythologie.
Die Geschichte des Perseus beginnt mit Ancrisius, dem Großvater des Perseus und König von Argos. Ein Orakel hatte dem Ancrisius geweissagt, dass er durch seinen Enkel zu Tode kommen würde. Ancrisius hatte zum Zeitpunkt des Orakelspruchs nur ein Kind, nämlich seine jungfräuliche Tochter Danae, an der er ebenso hing wie an seinem eigenen Leben. Er versuchte dem ihm geweissagten Tod zu entgehen, indem er seine bildschöne Danae in ein sicheres Verlies einsperrte, wo kein Mann in ihre Nähe kommen und sie schwängern konnte. Doch da Danae jung, anmutig und reizvoll war, entdeckte der allmächtige  Zeus die Schöne trotz der dicken Mauern, hinter denen ihr Vater sie versteckt hielt. Um sie zu erreichen verwandelte sich Zeus in einen goldenen Regen, der durch die Ritzen des Mauerwerks in das Verlies sickerte und Danae schwängerte. Neun Monate später gebar Danae den kleinen Perseus.
Als Ancrisius von der Geburt des Kindes erfuhr, packte ihn die Todesangst. Er ließ Danae mit ihrem Neugeborenen in eine wasserdichte Holzkiste einsperren, die er zunageln und ins Meer werfen ließ. Die Kiste trieb übers Meer und wurde nach einigen Tagen an den Strand der kleinen Insel Seriphos angeschwemmt, wo ein neugieriger Fischer sie an Land zog und aufbrach. So fand er Danae und den kleinen Perseus, und rettete beide. Der Fischer war ein Bruder des Königs der Insel, Polydectes. Polydectes bot Danae und ihrem Söhnchen Perseus in seinem Haushalt Schutz, und so wuchs Perseus  hier zu einem schönen und kraftvollen jungen Mann heran. Währenddessen wuchs jedoch auch das Verlangen des Polydectes nach Danae, er versuchte sie immer öfter zur Heirat zu überreden, was dem Perseus weder entging noch gefiel. Polydectes log dem Perseus nun vor, dass es bei dem Gespräch um seine Heirat keineswegs um Danae gegangen sei, sondern um die Heirat mit einer ganz anderen Frau. Als Perseus das hörte, war er so erleichtert, dass er dem Polydectes für diese Heirat ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk versprach: den Kopf der Medusa.
Die Medusa war einst eine schöne junge Frau, bis sie dem betrunkenen Poseidon über den Weg lief, der sie unsittlich bedrängte. Sie floh entsetzt in den Tempel der Pallas Athene, doch er verfolgte sie und vergewaltigte sie dort. Athene empfand diese Vergewaltigung als böse Entweihung ihres Tempels. Doch sie bestrafte nicht ihren Bruder Poseidon, sondern sein Opfer Medusa. Sie verwandelte die junge Frau in ein aufgeblähtes und abstoßendes Geschöpf, dessen Haupthaar aus unzähligen, sich auf dem Kopf ringelnden Giftschlangen bestand, sie verpasste Medusa ein Gebiss mit riesigen, vorstehenden Zähnen, zwischen denen eine geschwollene Zunge heraushing, und gab ihr einen furchtbaren Blick, durch den jedermann augenblicklich in Stein verwandelte, auf den Medusa ihren Blick richtete. Als Athene erfuhr, welches Hochzeitsgeschenk Perseus dem Polydectes versprochen hatte, verschaffte sie dem Perseus eine effektive Ausrüstung, denn Athene wusste, dass Perseus ein Sohn ihres geliebten Vaters Zeus war. Mit der Ausrüstung gelang es dem Perseus, dem tödlichen Blick der Medusa zu entgehen und ihr schließlich den Kopf abzuschlagen. Der aufgeblähte Leib der Medusa gebar daraufhin das Flügelpferd Pegasus sowie einen erwachsenen Krieger in voller Rüstung, das waren beide Früchte der Vergewaltigung Medusas durch Poseidon im Tempel der Athene.
Perseus steckte den Kopf der Medusa in einen blickdichten Sack und machte sich auf den langen Heimweg nach Seriphos. Unterwegs bat Perseus um eine Übernachtungsmöglichkeit im Palast des Atlas. Da dem Atlas geweissagt worden war, dass ein Sohn des Zeus ihm Schaden zufügen werde, verwehrte er dem Perseus die Gastfreundschaft. Daher zog Perseus das tödliche Haupt der Medusa aus dem Sack: Der Anblick des Medusenhaupts verwandelte den mächtigen Atlas augenblicklich in Stein, und so entstand angeblich das Atlasgebirge.
Perseus Weg führte ihn in weiter zum Land Äthiopien in Palästina. Hier fand er am Meeresstrand eine zarte, junge Königstochter namens Andromeda vor, die dort leicht bekleidet und verzweifelt an einen Felsen gekettet war, damit sie als Bestrafung ihrer hochmütige Mutter Cassiopeia einem gefräßigen Seeungeheuer zum Fraß dienen sollte. Perseus durchschnitt die Ketten der verängstigten Königstochter, tötete das herannahende Ungeheuer mit seinem von Hephaistos geschmiedeten Zauberschwert und hielt danach bei Andromedas Vater, dem König Kepheus, um ihre Hand an. Der König hatte Andromeda jedoch schon vor Jahren seinem Bruder versprochen: Der wollte auf die ihm versprochene Braut keineswegs verzichten und versuchte den Perseus bei dessen Hochzeitsfeier mit Waffengewalt zu verjagen. Doch Perseus verwandelte den streitlustigen Nebenbuhler samt dessen angriffslustigen Gefolge mittels des Medusenhaupts kurzerhand in Stein und heiratete seine Andromeda.
Perseus kam frisch verheiratet gerade rechtzeitig nach Seriphos zurück, um den Polydectes daran zu hindern, seine Mutter Danae zu ehelichen. Polydectes hatte erwartet, dass Perseus der Medusa zum Opfer gefallen sei, sodass der ihm nicht mehr in die Quere kommen könne. Mit dem Haupt der Medusa versteinerte Perseus den Polydectes und befreite seine Mutter, danach zog er sich mit Andromeda in ein friedliches und harmonisches Familienleben zurück. Die beiden bekamen viele Kinder. Eine Enkelin von Perseus und Andromeda war Alkmene, die durch Zeus zur Mutter des Herkules wurde.
König Ancrisius freute sich über den Ruhm und das große Glück, welches die Gunst der Götter seinem einzigen Enkel Perseus beschert hatte. Seinem vom Orakel verkündeten Schicksal entkam er dennoch nicht. Als Ancrisius ein Sportfest besuchte, wo diverse Helden ihre Künste als Diskuswerfer präsentierten, traf ein von Perseus geschleuderter Diskus den König so unglücklich am Kopf, dass Ancrisius starb.
Die mythischen Gestalten der Andromeda, Cassiopeia, Kepheus und Pegasus stehen nahe dem Sternbild Perseus als Sternbilder am Himmel.

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Perseus ist der 1,8m helle Stern Mirfak (Alpha Persei). Er stellt im Sternbild den rechten Ellenbogen des Perseus dar. Mirfak ist ein Riesenstern der Spektralklasse F5, der ca. 540 Lichtjahre von uns entfernt ist und mit 4000 Sonnenleuchtkräften strahlt. Betrachtet man Mirfak im Fernglas, sieht man ihn umgeben von zahlreichen hellen, blauweißen Sternen, das ist der Sternhaufen Melotte 20. Ca. 4,6° nordwestlich von Mirfak liegt der 2,9m helle Algenib (Gamma Persei). Algenib ist ca. 150 Lichtjahre entfernt und ist ein sehr enger Doppelstern, der Abstand der Partner beträgt maximal 0,4 Bogensekunden. Ca. 3° südöstlich von Mirfak liegt der 3m helle Stern Delta Persei, auch er ist ein blauer Riesenstern in 560 Lichtjahren Entfernung, er strahlt mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Ca. 8° südsüdöstlich von Delta liegt der 2,9m helle Epsilon Persei, auch er ist ein Blauer Riese mit 2500 Sonnenleuchtkräften. Epsilon ist ein Doppelstern, sein 8m heller Partner steht im Abstand von neun Bogensekunden.Ca. 8°südlich von Epsilon liegt Zeta Persei. Zeta stellt den Fuß des Perseus dar und ist ein Blauer Riesestern mit 6500 Sonnenleuchtkräften, ca. 1000 Lichtjahre entfernt. Zeta ist der Hauptstern einer Gruppe leuchtkräftiger blauer Sterne, deren gemeinsame UV-Strahlung eine ausgedehnte Wasserstoffwolke zum Leuchten anregt, die unter dem Namen „California-Nebel“ bekannt ist.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Algol (Beta Persei) liegt 9.3° südlich von Mirfak. Algol stellt im Sternbild Perseus das grauenvolle Haupt der Medusa dar. Er ist ein bekannter Veränderlicher Stern: Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für zehn Stunden von 2,1m auf 3,5m ab, denn Algol ist ein Doppelstern, dessen unterschiedlich helle Partner einander von unserem Standort aus betrachtet regelmäßig verdecken. Der Name kommt aus dem Arabischen „Al Ghul“, auf Deutsch heißt das „Teufel“.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Fünf Grad nordwestlich von Algol findet man im Fernglas den ausgedehnten Offenen Sternhaufen M34. Für die Beobachtung mit dem Teleskop ist M34 zu groß, mit dem Teleskop kann man in M34 jedoch einige schöne Doppelsterne wahrnehmen.
3,6° südlich von M34 kann man im Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die kleine Galaxie NGC 1023 entdecken. Ca. 2,2° ostnordöstlich von Algol liegt die elliptische Galaxie NGC 1275. Sie ist die hellste Galaxie des „Perseus 1“ Galaxienhaufens, der ca. 200 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Man braucht einen dunklen, klaren Himmel und ein Fernrohr ab 8 Zoll Öffnung, um diese Galaxie  wahrnehmen zu können.
Auf der Mitte einer Linie von Ruchba (Delta Cassiopeiae) nach Gamma Persei liegen die beiden prächtigen Offenen Sternhaufen „h und chi“, die schon zu den Zeiten des Astronomen Ptolemäus als „kleine Wölkchen“ bekannt waren. Diese beiden Sternenhaufen sind sehr eindrucksvoll in jedem Fernrohr und Fernglas, das ein großes Gesichtsfeld bietet. Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Um ihn zu beobachten  muss man ein Fernrohr größerer Öffnung einsetzen sowie eine hohe Vergrößerung benutzen, weil dieser Haufen klein ist und viele schwache Sterne enthält. Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Man kann ihn im Fernrohr schon bei niedrigen Vergrößerungen in Einzelsterne aufgelöst sehen. Etwas schwieriger kann manchmal die Beobachtung von NGC 1513 sein. Dieser Offene Sternhaufen zeigt im Fernrohr bei höheren Vergrößerungen eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne.Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Dieser Sternhaufen sollte in kleineren Fernrohren mit höheren Vergrößerungen beobachtet werden, weil so auch seine schwächeren Sterne sichtbar werden können.An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der „Kleine Hantelnebel“ M76. Wir finden ihn am einfachsten ausgehend vom 2,3m hellen Alamak (Gamma Andromedae). Wir schwenken unser Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia und stoßen hierbei nach 7,5° auf den 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae, zwei Grad weiter nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle Stern Phi Persei. Ein Grad nördlich von Phi liegt M76. Bei mondlos sternklarem Himmel auf dem Land ist dieser kleine Planetarische Nebel auch schon im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen zu sehen. M76 erscheint rechteckig.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.