Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Pfeil grenzt im Norden an das Sternbild Füchslein, im Westen an das Sternbild Herkules, im Süden an das Sternbild Adler und im Osten an das Sternbild Delphin. Es ist das drittkleinste Sternbild am Himmel. Seine Fläche beträgt nur 80 Quadratgrad.
Das Sternbild Pfeil kulminiert im August. Es enthält nur schwache Sterne und ist daher unauffällig. Die fünf hellsten diese schwachen Sterne bilden ein Muster, das an einen kurzen Pfeil erinnert. Der Name Pfeil ist für das Sternbild sehr passend.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Pfeil war schon in der klassischen Antike bekannt. Es ist in der Liste der 48 klassischen Sternbilder des Astronomen Ptolemäos aus dem 2. Jahrhundert nach Christus enthalten. Die älteste bekannte Erwähnung des Sternbilds findet man in im Lehrgedicht „Phainomena“ des Dichters Aratos von Soloi aus dem 3. Jahrhundert vor Christus.
Aus der klassischen griechischen Mythologie sind mehrere Erzählungen zu dem Sternbild überliefert. Eine davon wird dem Schriftsteller Eratosthenes von Alexandria zugeschrieben, der im 2. Jahrhundert vor Christus lebte. Ihr zufolge erinnert das Sternbild an den Pfeil, durch den der Arzt Asklepios, Sohn des Apollon, zu Tode kam. Der Zentaur Cheiron hatte den Asklepios zu einem hervorragenden Arzt ausgebildet. Durch seine Beobachtung einer Schlange entdeckte Asklepios, wie man mittels eines Krautes Tote wieder zum Leben erwecken kann. Durch diese Entdeckung wurde er zu einem Gegner des Hades, dem Herrn der Unterwelt. Hades fürchtete, dass durch die Tätigkeit des Asklepios fortan keine weiteren Toten mehr in sein Totenreich kommen könnten, und um das zu verhindern, bat Hades seinen Bruder Zeus, er möge den Asklepios töten lassen. Zeus kam der Bitte seines Bruders nach und ließ den Asklepios mit einem Pfeil durch einen Zentauren erschießen. Um den vor Trauer und Wut zerrissenen Vater Apollon zu besänftigen, versetzte Zeus den Asklepios zusammen mit der Schlange an den Himmel, wo sie heute noch als die Sternbilder Schlangenträger und Schlange zu sehen sind.
Eine Geschichte aus späterer Zeit bringt das Sternbild "Pfeil" mit der Prometheus-Sage in Verbindung. Prometheus hatte den Menschen gegen den Willen der Götter das Feuer gebracht. Als Strafe für diese Tat ließ Zeus den Prometheus nackt an einen einsamen Felsen im Kaukasus schmieden, zu dem jeden Tag ein Adler flog, um ein Stück von der Leber des wehrlos gefesselten Prometheus zu fressen. So litt Prometheus endlose Qualen, bis Herkules ihn fand, den Adler mit einem Pfeil erschoss und den erschöpften Prometheus von seinen Ketten befreite.
Der römische Feldherr und Schriftsteller Caesar Germanicus interpretierte das Sternbild sehr poetisch als den Pfeil Amors, der das Herz des Zeus in leidenschaftlicher Liebe zum Knaben Ganymed entflammt hatte. Um die Wiederholung eines solcher Vorkommnisses zu verhindern, muss der Pfeil auf ewig am Himmel von dem Adler bewacht werden, den wir dort als Sternbild Adler sehen.

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Pfeil ist der 3,5m helle Gamma Sagittae. Er bezeichnet die Spitze des Pfeils. Gamma ist ein Roter Riese in 274 Lichtjahren Entfernung. Ca. 3° westlich von Gamma Sagittae liegt der 3,7m helle Delta Sagittae. Delta ist 445 Lichtjahre entfernt, er ist ein spektroskopischer Doppelstern, der aus einem Roten Riesen und einem Zwerg der Spektralklasse A besteht, die einander in einem gegenseitigen Abstand von 8,8 Astronomischen Einheiten alle 10,2 Jahre einmal umkreisen. Gamma und Delta stellen den Schaft des Pfeils dar. Ca. 1,5° westlich von Delta liegt ein Paar aus schwachen Sternen, das die Spitzen der Steuerfedern des Pfeils bezeichnet. Der nördliche der beiden Sterne ist 5,1m hell, er heißt Sham (Alpha Sagittae), Sham ist 475 Lichtjahre entfernt und ist ein Gelber Riese. Der südlichste hellere Stern im Sternbild Pfeil ist der 4,4m helle Beta Sagittae), er ist 475 Lichtjahre entfernt und ist ebenfalls ein Gelber Riese.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Ca. 2° westlich des Kleiderbügelhaufens liegt der 6,2m helle, blauweiße Stern U Sagittae. Das ist ein bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Helligkeit regelmäßig nach 81 Stunden für 1 Stunde und 40 Minuten ziemlich abrupt von 6,2m auf 9,2m abfällt, weil er von einem Partner verdeckt wird, der ihn eng umkreist.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae stoßen wir im Fernglas auf einen ungewöhnlich geformten Offenen Sternhaufen, dessen helle Mitglieder in Form eines Kleiderbügels angeordnet sind. Dieser „Kleiderbügelhaufen“ heißt offiziell „Collinder 399“, er liegt knapp jenseits der Grenze des Sternbilds Pfeil im Sternbild Füchslein.
Ca. 1,5° östlich von Delta Sagittae finden wir im lichtstarken Fernglas ein Nebelfleckchen, das sich bei höherer Vergrößerung in lichtstarken Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung als ein dichter, dreieckiger Sternhaufen aus schwachen Sternen entpuppt. Das ist der Kugelsternhaufen M71. Er wurde bereits 1749 durch den französischen Astronomen de Cheseaux entdeckt. M71 hat eine niedrige Flächenhelligkeit und ist im Fernrohr nur bei dunklem, sternklarem Himmel gut erkennbar.
Das Sternbild Pfeil enthält keine hellen Deep-Sky-Objekte. Der Stern Gamma Sagittae ist jedoch eine ideale Aufsuchhilfe für den hellen Planetarischen Nebel M27 im Sternbild Füchslein. M27 (auch als „Hantelnebel“ bekannt) liegt 3,15° nördlich von Gamma Sagittae und ist dort leicht zu finden.

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.