Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Phönix liegt am Südhimmel zwischen den Sternbildern Chemischer Ofen und Bildhauer im Norden, dem Sternbild Kranich im Osten, dem Sternbild Tukan im Süden und dem südlichen Ende des Sternbilds Eridanus im Osten. Mit seiner Fläche von 469 Quadratgrad liegt das Sternbild unter den 88 Sternbildern auf dem 37. Rang. Von Mitteleuropa aus ist das Sternbild Phönix nicht sichtbar. In Nordafrika steigt es im Sommer um Mitternacht über den Südhorizont. Es ist nicht imposant, enthält aber über ein Dutzend mit bloßem Auge gut sichtbare Sterne.

Geschichte und Mythologie

Im Jahre 1595 brach erstmals eine kleine Flotte von vier holländischen Schiffen mit 249 Mann Besatzung zum Indischen Ozean auf, um einen Seeweg zu den Gewürzinseln zu finden. Der holländische Kartograf Peter Plancius nutzte die Gelegenheit und beauftragte Pieter Dirkszoon Keyser, der Navigator auf einem der Schiffe war, die Positionen der Sterne des tiefen Südhimmels zu vermessen und diese Daten nach Holland zurückzubringen. Auf der langen und entbehrungsreichen Reise durch den Indischen Ozean vermaß Pieter Dirkszoon Keyser für Plancius erstmals die Positionen von 135 Sternen des Südhimmels. Dabei erstellte er nach und nach mit diesen Sternen zwölf neue Sternbilder. Eines davon nannte er „Den voghel Fenicx“. Keyser starb 1596 während der Reise in Bantam auf der Insel Java, doch Frederick de Houtman, ein Bruder des Kommandeurs, brachte Keysers Sternkatalog nach Holland zurück. Nur 87 Mann hatten die Reise überlebt.
Peter Plancius gab 1698 gemeinsam mit Jodocus Hondius auf der Grundlage des von Keyser erstellten Sternkatalogs einen neuen Himmelsglobus von 35 cm Durchmesser heraus, auf dem das Sternbild „Phoenix“ erstmals zu sehen war. 1603 erschien das Sternbild auf Blatt 49 in Bayers neuem Sternenatlas „Uranometria“ und wurde dadurch in die Astronomie eingeführt.
Der Vogel Phönix ist eine Gestalt aus der altägyptischen Mythologie. Dort galt er als der allererste Vogel der Schöpfung und als eine Personifizierung des Sonnengottes. Spätere Sagen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. erzählen, dass ein Phönix 500 Jahre lang lebte. Fühlte er den Tod nahen, baute er sich ein Nest in den hohen Zweigen einer Palme, setzte sich hinein und ging in Flammen auf. Aus seiner Asche erhob sich am folgenden Morgen ein neuer, junger Phönix. So wurde der Phönix zum Sinnbild der Auferstehung.

Markante Sterne

Der hellste Stern des Sternbilds ist der 2,4m helle Ankaa (Alpha Phoenicis), ein Roter Unterriese in 77 Lichtjahren Entfernung. Er liegt ca. 24° südlich von Deneb Kaitos (Beta Ceti). Arabische Seefahrern kannten Ankaa unter dem Namen ‚’Nair al Zaurak’, was “Strahlender des Bootes“ bedeutet. Sie interpretierten die Sterne des Sternbilds Phönix als ein kleines Fischerboot mit kurzem Mast und einer hellen Laterne am Bug.
Der zweihellste Stern im Phönix ist der 3,3m helle Beta Phönicis. Er liegt ca. 8,3° südöstlich von Ankaa. Beta ist ein Doppelstern, dessen beiden 4,0m und 4,2m hellen Partnersterne in einem Abstand von 1,5 Bogensekunden zueinander stehen. Beta ist 198 Lichtjahre entfernt.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Ca. 8,5° südlich von Beta liegt der 4,1m helle Zeta Phönicis. Zeta ist ein Dreifachsystem. Zeta 1 ist ein Bedeckungsveränderlicher vom Algol-Typ mit einer Periode von 1,66977 Tagen, dessen scheinbare Helligkeit dadurch zwischen 3,9m und 4,4m schwankt. Im Abstand von 0,8 bzw. 6,4 Bogensekunden stehen die Sterne Zeta 2 (7,2m hell) und Zeta 3 (8,2 m hell).
Ca. 6,5° westlich von Ankaa liegt der Stern SX Phönicis. SX ist ein pulsationsveränderlicher Unterzwerg der Spektralklasse A, dessen Helligkeit regelmäßig mit einer Periode von 79,166 Minuten zwischen 6,8m und 7,5m schwankt. Nach diesem besonderen Stern wurde die Zwerg-Cepheiden-Klasse der „SX Phönicis-Sterne“ benannt.

 

Text von Günther Bendt

nach oben

Anzeige

Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

Sonnenfinsternis in der Antarktis