Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Schiffskiel liegt am Südhimmel, und zwar südlich der Sternbilder Segel und Achterschiff. Westlich wird es vom Sternbild Malerstaffekei begrenzt, südlich des Sternbilds Schiffskiel liegen die beiden Sternbilder Fliegender Fisch und Chamäleon, im Osten grenzt das Sternbild Schiffskiel an die beiden Sternbilder Zentaur und Fliege. Mit seiner Fläche von 494 Quadratgrad nimmt es in der Liste der 88 Sternbilder des Himmels die 34. Position ein. Es ist kleiner als jedes der Sternbilder Wassermann, Giraffe oder Fische. Dennoch gehört es zu den beeindruckendsten Sternbildern des Himmels, denn die Milchstraße verläuft quer durch dieses Sternbild und enthält hier viele helle Sterne, helle Offene Sternhaufen und Galaktische Nebel. Wer diese Himmelsregion mit eigenen Augen am südlichen Sternenhimmel gesehen hat, wird den Anblick nicht mehr vergessen. Das Sternbild Schiffskiel kulminiert in Südafrika im Februar. Von Mitteleuropa aus ist es nicht zu sehen.

 

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Schiffskiel ist ein Teil des antiken Sternbilds „Argo Navis“ (Schiff Argo). Das Schiff Argo war das legendäre sprechende Schiff, mit dem der Held Jason nach Kolchis reiste, um dort mit der Hilfe von Herkules und den Zwillingen Castor und Pollux das Goldene Vlies zu stehlen. Das Goldene Vlies war das Fell jenes Widders, wegen dem in der  Antike das Sternbild „Widder“ geschaffen wurde. Das Sternbild Argo Navis war das größte Sternbild des Himmels und war eines der 48 klassischen Sternbilder. Wenn es in Griechenland kulminierte, stieg es nur knapp über den Südhorizont und erinnerte phantasievolle Beobachter an ein aus Sternen gezeichnetes Segelschiff auf dem Horizont des Meeres, dessen Vorschiff von einer Nebelwolke verdeckt war. Von Mitteleuropa aus gesehen hob sich jedoch nur im Winter die nordwestliche Ecke des Sternbilds über den Horizont. Da vom Sternbild Argo Navis hier wenig zu sehen war, fand es unter den Astronomen Mitteleuropas nur wenig Beachtung.
Das änderte sich im Jahre 1752. Der französische Astronom Nicolas de Lacaille hatte seit 1750 vom Kap der Guten Hoffnung aus die Sterne des Südhimmels beobachtet und bis zum Jahr 1754 dort die Positionen von über 10000 Sternen vermessen. Vom Kap der Guten Hoffnung aus gesehen stand das Sternbild Argo Navis nicht wie in Griechenland nahe zum Horizont, sondern hoch im Zenit. In dieser Stellung erwies es sich aufgrund seiner Größe als sehr unübersichtlich und zudem für die praktische astronomische Arbeit als sehr unpraktisch. Daher teilte de Lacaille es 1752 in die drei Sternbilder Carina (Schiffskiel), Vela (Segel) und Puppis (Achterschiff) auf. Durch die neuen Sternkarten, die de Lacaille nach seiner Rückkehr in Frankreich herausgab, wurden diese Sternbilder unter Astronomen und in Seefahrtsschulen populär.

 

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Schiffskiel ist der -0,7m helle Canopus (Alpha Carinae). Canopus sehen wir als den zweithellsten Stern des Himmels, nur Sirius sehen wir heller. Canopus ist ein Überriesenstern der Spektralklasse F0, er hat 13800 Sonnenleuchtkräfte und ist ca. 313 Lichtjahre entfernt.
Der 1,6m helle Miaplacidus (Beta Carinae) ist ein Unterriese der Spektralklasse A2. Er hat 110 Sonnenleuchtkräfte und liegt in 85 Lichtjahren Entfernung. Der 1,9m helle Avior (Epsilon Carinae) ist ein spektroskopischer Doppelstern in ca. 630 Lichtjahren Entfernung. Seine beiden Partnersterne sind ein Roter Riese der Spektralklasse K3 mit 5450 Sonnenleuchtkräften, und ein blauweißer B2-Hauptreihenstern mit 9700 Sonnenleuchtkräften.

 

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der berühmteste Stern des Sternbilds Schiffskiel ist Eta Carinae. Eta ist ein Veränderlicher Blauer Hyperriese der Spektralklasse O in ca. 6000 Lichtjahren Entfernung. Eta ist zudem ein Doppelsternsystem, der eine Partnerstern hat ca. 100 Sonnenmassen und vier Millionen Sonnenleuchtkräfte, der schwächere Partnerstern hat nur 80 Sonnenmassen und 500000 Sonnenleuchtkräfte. Beide Sterne umkreisen einander einmal in 5,54 Jahren. Etas Helligkeit veränderte sich im Laufe von einigen Jahrhunderten sehr langsam und unregelmäßig zwischen -0,8m und 7,9m. Von 1941 bis 2011 ist die Leuchtkraft von Eta Carinae von 6m auf 3m angewachsen und nimmt derzeit weiter zu. Die Helligkeitsveränderungen des Sterns entstehen durch Staubwolken, die sich aus dem Material bilden, das Eta Carinae durch seine intensiven Sternenwinde ins All bläst. Die Staubwolken verschlucken zunächst viel Licht, werden durch Eta Carinaes Sternwinde mit der Zeit jedoch fortgeblasen, wodurch wieder Eta heller zu sehen ist. Eta bläst mit seinem Sternwind pro Jahr 100 Trilliarden Tonnen ins All.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Schon mit bloßem Auge ist der 3m helle Emissionsnebel NGC 3372 zu sehen, der den Stern Eta Carinae umgibt. Prachtvoll im Fernglas ist der Offene Sternhaufen IC 2602, der auch unter dem Namen ‚Südliche Plejaden’ bekannt ist. Weitere auffällige und helle Offene Sternhaufen im Sternbild Schiffskiel sind NGC 2516, NGC 3532, NGC 3114 sowie NGC 3293.  Bemerkenswert ist auch der Kugelsternhaufen NGC 2808, der hier 6,9m hell in ca. 30000 Lichtjahren Entfernung liegt. Im Gegensatz zu vielen anderen Kugelsternhaufen enthält NGC 2808 mehrere Generationen von Sternen, denn er kommt nicht aus der Milchstraße, sondern wurde von dieser als Begleiter der Canis-Major-Zwerg-Galaxie eingefangen, die 2003 entdeckt wurde. Diese kleine Galaxie befindet sich im Sternbild Großer Hund hinter dem Milchstraßenband und hier ist nur für Großteleskope sichtbar. Sie liegt 42000 Lichtjahren hinter dem Zentrum der Milchstraße.

nach oben

Anzeige

Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

Sonnenfinsternis in der Antarktis