Lage, Größe und Sichtbarkeit

Mit seiner Fläche von 867 Quadratgrad nimmt das Sternbild Schütze in der Liste der 88 offiziellen Sternbilder die 15. Position ein. Im Osten grenzt es an die Sternbilder Steinbock und Mikroskop, im Süden an die Sternbilder Indianer, Teleskop und Südliche Krone, im Westen an die Sternbilder Skorpion und Schlangenträger und im Norden an die Sternbilder Schlange, Schild und Adler.
Das Sternbild Schütze ist ein Tierkreissternbild und hat im Tierkreis die südlichste Deklination aller Tierkreissternbilder. Im Dezember findet hier die Wintersonnenwende statt. Das Sternbild Schütze kann am Besten im Mai und Juni beobachtet werden.
Von Mitteleuropa aus sind die Sternbilder Mikroskop, Indianer, Teleskop und Südliche Krone und der südlichste Teil des Sternbilds Schütze wegen ihrer südlichen Deklination nicht gut sichtbar, weil Horizontdunst sie verdeckt, oder weil sie unter dem Horizont liegen.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Schütze ist eines der 48 Sternbilder, die schon in der Antike bekannt waren. Da es ein Tierkreissternbild ist, hatte es seit dem Anbeginn der Menschheitsgeschichte eine besondere Bedeutung, da Sonne, Mond und die Planeten regelmäßig durch das Sternbild wandern.
Die Wurzeln des Sternbilds Schütze reichen bis in die Anfänge der geschriebenen Geschichte zurück. Die Menschen im Land Sumer verehrten vor 6000 Jahren zwei mythische Wesen, die sie "Girtablulu" nannten. Diese Wesen hatten Oberkörper wie Menschen, aber einen Unterleib und einen Stachel wie ein Skorpion, sie wurden beide als Bogenschützen dargestellt. In der Mythologie der Sumerer bewachten die Girtablulu den Eingang zum Mashu-Gebirge, den der Sonnengott täglich morgens und abends durchwanderte. Diesen beiden Wesen waren am Himmel die Sterne zugeordnet, die zu den heutigen Sternbildern Schütze und Skorpion gehören.
Um 2600 v Chr teilten die Akkader dieses Himmelsareal bei der Festlegung des Tierkreises in das Sternzeichen Girtab (Skorpion) und das Sternzeichen Pa (Schütze) auf.
1400 Jahre später nannten die Babylonier das Sternbild Schütze PA BIL DAG.
Über Persien und Phönizien gelangte außer den Waren aus Babylon auch das astronomische Wissen der Babylonier nach Griechenland. Die griechischen Astronomen dieser Zeit nahmen die Sternbilder der Babylonier auf. Ihre Nachfolger deuteten die Darstellung dieser Sternbilder im Laufe der Jahrhunderte mehrfach um. Einige sahen im Sternbild Schütze einen Zentauren mit Bogen, andere einen Zentauren ohne Bogen. Andere sahen im Sternbild Schütze gar keinen Zentauren, sondern den Krotos, den Sohn des Pan und der Nymphe Eupheme. Krotos galt als der Erfinder des Bogenschießens, er galt als ein lebensfroher und tatkräftiger Geselle, der das Singen und die Künste liebte und gerne in der Gesellschaft der Musen war. Aus Begeisterung für ihre Darbietungen erfand er den Applaus. Von dieser  Erfindung waren wiederum die Musen so begeistert, dass sie ihm einen Ehrenkranz zu Füßen legten und Zeus baten, den Krotos als Sternbild an den Himmel zu versetzen. Auf diese Weise kamen die beiden Sternbilder Schütze und Südliche Krone (welches den Kranz der Musen darstellt) an den Himmel.
In späteren Epochen setzte sich schließlich in den Darstellungen des Sternbilds Schütze die Vorstellung vom vierbeinigen Zentauren mit Bogen wieder durch.

Markante Sterne

Die hellsten Sterne des Sternbilds Schütze sind am Himmel in einer Weise angeordnet, die uns heute an den Umriss einer bauchigen Teekanne mit Deckel erinnert. Daher trägt das Sternbild in Amerika die Bezeichnung „teapot“. Der Stern Nash (Gamma Sagittarii) bildet die Spitze der Ausgusstülle, die Sterne Epsilon, Delta, Phi, Sigma und Zeta bilden den Körper den Kanne, und Lambda markiert die Spitze des abgeflachten Kannendeckels.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Ist der Nachthimmel dunkel und klar, kann man im Sternbild Schütze ca. 2,5° nordöstlich von Lambda mit bloßem Auge einen zarten rundlichen Lichtschimmer erahnen. Das ist M22, der hellste Kugelsternhaufen, der von der Nordhalbkugel aus sichtbar ist. Schon im kleinen Fernrohr kann man M22 bei höherer Vergrößerung mühelos in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Ca. 0,5° nordwestlich von Nash stoßen wir auf zwei weitere kleinere Kugelsternhaufen: NGC 6522 und NGC 6528. Auch sie sind schon im kleinen Fernrohr erkennbar, lassen sich aber nur in Fernrohren größerer Öffnung in Einzelsterne auflösen.Ca. 6° nördlich von Nash stoßen wir auf M8, den berühmten „Lagunennebel“. Dieser Nebel ist bei guten Beobachtungsbedingungen schon mit dem bloßen Auge sichtbar. Im lichtstarken Fernglas kann man in M8 eindrucksvolle Dunkelwolken sehen, in welche der Offene Sternhaufen NGC 6530 eingebettet ist. Im Fernrohr bietet NGC 6530 zahlreiche nadelfeine Sterne. Ca. 1,5° nordwestlich von M8 liegt der „Trifidnebel“ M20. Schon im kleinen Fernrohr zeigt er sich als eine leuchtende Nebelwolke, die von dunklen Staubbändern in drei Teile aufgespaltet erscheint. Ca. 5° nördlich von My Sagittarii liegt der Galaktische Nebel M17. Der Nebel ist auch als „Schwanennebel“ oder  „Omeganebel“ bekannt und einer der hellsten Emissionsnebel am Himmel. Das Sternbild Schütze enthält die Zwerggalaxie NGC 6822, die auch als „Barnards Galaxie“ bekannt geworden ist. Wenn der Himmel sternenklar und der keine Lichtverschmutzung die Beobachtung behindert, kann diese 700000 Lichtjahre entfernte Zwerggalaxie schon in einem mittelgroßen Fernrohr mit Weitwinkelokular bei niedrigen Vergrößerungen wahrgenommen werden. Zwischen dem hellen Lagunennebel M8 und dem schönen Omeganebel M17 liegt die große Milchstraßenwolke M24, die am besten mit dem Fernglas zu beobachten ist. Sie bietet ein 2° großes Fenster in der Staubverteilung der Milchstraßenscheibe, durch das 10000 Lichtjahre tief auf einen Ausschnitt der Milchstraße nahe dem galaktischen Zentrum schauen kann. Im Fernrohr kann man im Norden von M24 den Offenen Sternhaufen NGC 6603 auffinden. Östlich von M24 findet man den Offenen Sternhaufen M25, er enthält viele helle Sterne und ist in kleinen Fernrohren gut zu beobachten.Im Sternbild Schütze liegt das Zentrum unserer Milchstraße. In diesem Himmelsfeld kann man auch in kleineren Fernrohren ein Dutzend Kugelsternhaufen wahrnehmen, sofern der Nachthimmel ausreichend dunkel und sternklar ist. Zu diesen Kugelsternhaufen zählen z. B. die Messier–Objekte M28, M54, M55, M56, M28, M69, M70, M75.
In keinem Sternbild am Himmel kommt die Pracht der Milchstraße besser zur Geltung als im Sternbild Schütze. In einer mondlosen und sternklaren, milden Sommernacht ist die Beobachtung des Sternbilds mit jedem lichtstarken Fernglas und Fernrohr ein Genuss.

Taxt von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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