Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Schwan ist ein markantes Sternbild des Sommerhimmels und liegt mitten in der Milchstraße in einem sehr sternreichen Gebiet. Im Norden grenzt es an die Sternbilder Cepheus und Drache, im Westen an das Sternbild Leier, im Süden an das Sternbild Füchslein und im Osten an des Sternbild Eidechse. Es nimmt am Himmel eine Fläche von 804 Quadratgrad ein und steht damit in der Liste der 88 Sternbilder an sechzehnter Position.Sein hellster Stern Deneb bildet gemeinsam mit den hellen Sterne Altair (Alpha Aquilae) und Wega (Alpha Lyrae) das so genannte Sommerdreieck.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Schwan ist eines der 48 klassischen Sternbilder und war schon in der griechischen Klassik bekannt. Im alten Griechenland hieß das Sternbild damals „Ornis“, was auf Deutsch „Vogel“ bedeutet. Erst die Römer gaben dem Sternbild den heute üblichen Namen „Cygnus“ („Schwan“). In den frühmittelalterlichen arabischen Sternkarten heißt das Sternbild nicht „Schwan“, sondern „Haushuhn“. Andere antike Völker sahen in dem Sternbild eine Wachtel, eine Taube oder einen Adler. Das Sternbild Schwan bildet am Himmel ein leicht erkennbares Muster aus hellen Sternen, das an ein großes Kreuz erinnert. Daher wird es manchmal auch als das „Kreuz des Nordens“ bezeichnet. Derart markante Sternanordnungen haben alle Völker der Antike dazu angeregt, sie als Verkörperungen der Gestalten aus ihrer Mythologie zu verstehen. Daher existieren zu dem Sternbild Schwan mehrere reizvolle Erklärungen.
Eine berichtet von Cygnos, der ein enger Freund Phaetons war. Der junge Phaeton hatte sich von seinem Vater, dem Sonnengott Helios, den Sonnenwagen ausgeliehen, um einmal wie Papa die Sonne über den Himmel zu kutschieren. Leider war Phaeton kein guter Wagenlenker, dadurch kam er der Erde mit seinem feurigen Gefährt zu nahe und richtete dort mit dem gleißenden Sonnenfeuer große Schäden an. Als Zeus das bemerkte, griff er sofort ein und tötete den Phaeton mit einem Blitz, um weiteres Unheil zu verhindern. Phaetons rauchender Körper fiel aus großer Höhe in den Fluss Eridanus. Der entsetzte Cygnos eilte zum Fluss, schwamm hinaus und suchte unermüdlich am Grund des Eridanus nach seinem Freund. Zeus war davon so gerührt, dass er den Cygnos in einen Schwan verwandelte und ihn als strahlendes Beispiel für Treue und Freundesliebe an den Himmel versetzte.
Ovid hingegen erzählt von einem anderen Cygnos, der ein unverwundbarer Krieger war und auf Seiten der Trojaner am Trojanischen Krieg teilnahm. Achilles rang den Cygnos jedoch im Kampf nieder und würgte ihn zu Tode. Da Cygnos ein Sohn Neptuns war, erreichte Neptun bei Zeus, dass sein toter Sohn Cygnos als Schwan an den Himmel versetzt wurde.
Die bekannteste mythologische Geschichte zum Sternbild Schwan bezieht sich auf jenen Schwan, in den Zeus sich verwandelte, um in dieser edlen Gestalt eine schöne junge Frau zu verführen. Zeus hatte sein begehrliches Auge auf die bildschöne, aber sehr keusch lebende Nymphe Nemesis geworfen, die sein Interesse aber nicht erwiderte. Daher verwandelte sich Zeus in einen schneeweißen sanften Schwan und tat so, als werde er von einem mordgierigen Adler verfolgt. So flatterte er scheinbar erschöpft vor der Hütte, in der Nemesis lebte, zu Boden. Die eilte auch gleich herbei, nahm den  zitternden Schwan auf ihren Arm und trug ihn in ihre sichere kleine Stube. Dort hob sie ihn sanft auf ihren Schoß und streichelte tröstend und liebevoll sein warmes, seidiges Gefieder. Dadurch entspannte sich der Schwan allmählich, er kuschelte sich bei ihr ein, und Nemesis fiel mit dem großen, warmen Vogel auf ihrem Schoß glücklich über ihre gute Tat in einen entspannten Schlaf. Dass der schöne Schwan keineswegs ein Schwan war, dämmerte ihr erst als sie wieder erwachte. Von daher kommt vielleicht die Redensart: „Mir schwant etwas“.
Der Sage nach brachte Nemesis neun Monate nach diesem Ereignis ein großes, schneeweißes Ei zur Welt und versteckte es verschämt im Wald. Ein Schäfer fand es dort und brachte es zu Leda, der Königin von Sparta. Die ließ es ausbrüten, jedoch schlüpfte aus dem schönen weißen Ei kein kleiner Schwan, sondern ein schönes kleines Mädchen namens Helena, das später als die schönste Frau des Altertums der Anlass zum trojanischen Krieg wurde.
In anderen Fassungen der Geschichte schwängerte Zeus in Gestalt eines Schwans die schöne Leda in ihrer Hochzeitsnacht, bevor ihr ahnungsloser Gemahl Tyndareos zu ihr ins Bett kam. Der schlief danach ebenfalls mit ihr, und neun Monate später gebar Leda zwei Eier, aus denen zwei Mädchen und zwei Jungen schlüpften: Helena und Klytämnestra sowie Castor und Polydeukes. Polydeukes und Helena galten später als Kinder des Zeus, Klytämnestra und Castor als Kinder des Tyndareos. Castor und Polydeukes wurden später von Zeus als das Sternbild Zwillinge an den Himmel versetzt.

Markante Sterne

Schaut man sich das Sternbild an, fällt es nicht schwer, in der Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbilds einen Schwan zu erkennen, der mit ausgebreiteten Schwingen und lang gestrecktem Hals am Nachthimmel nach Süden segelt. Den Kopf bildet der 3m helle Stern Albireo (Beta Cygni), den Körper der 2,2m helle Stern Sadr (Gamma Cygni), den Schwanz der 1,3m helle Stern Deneb (Alpha Cygni). Der nördliche Flügel wird durch die beiden Sterne Delta Cygni und Iota Cygni gebildet, den südlichen Flügel markieren die beiden Sterne Gienah (Epsilon Cygni) und Zeta Cygni.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der 3m helle Stern Albireo zeigt sich schon im kleinen Fernrohr als ein schöner, farbiger Doppelstern: der eine Partner ist orange, der andere saphirblau. Zwischen Albireo und Sadr liegt ein reiches Milchstraßenfeld, ideal für die Beachtung mit Fernglas und Fernrohren aller Größen. Der hellste Stern in diesem Gebiet ist der 3,9m helle Eta Cygni. Ca. 2,5° südsüdwestlich von Eta kann man den Veränderlichen Stern Chi Cygni beobachten. Chi ist ein Stern vom Mira-Typ, seine Helligkeit schwankt regelmäßig innerhalb von ca. 409 Tagen zwischen 3,5m und 14m. Während seinem Helligkeitsminimum ist Chi auch in großen Fernrohren nicht mehr zu sehen.
5° nordwestlich von Deneb liegt das helle Sternenpaar Omicron 1 Cygni und Omicron 2 Cygni. Omicron 1 ist ein Doppelstern, der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern ist blau. Auch Delta Cygni ist ein Doppelstern, hier muss man aber hohe Vergrößerungen einsetzen, da die beiden Partnersterne von Delta nur 2 Bogensekunden Abstand voneinander haben.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild enthält den hübschen Planetarischen Nebel NGC 6826. Man findet ihn ausgehend von Delta Cygni.  Ca. 5° nördlich von Delta liegt der 4,5 m hellen Theta Cygni. 54 Bogenminuten östlich von Theta stoßen wir auf den 6,8 m hellen 16 Cygni, und 28 Bogenminuten östlich von 16 Cygni erkennen wir im dichten Sternenfeld bei hoher Vergrößerung ein rundliches, bläuliches Nebelchen. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6826. Wenn man im Fernrohr direkt auf diesen kleinen Nebel blickt, wird er im direkten Anblick unsichtbar, man nimmt dann nur noch den 10m hellen Zentralstern des Nebels wahr. Schaut man dann jedoch rechts neben den Zentralstern, wird der Nebel durch diese indirekte Sehen erkennbar. Daher wird NGC 6826 auch als der „blinkende Planetarische Nebel“ bezeichnet.
1,4° südlich von Sadr liegt der Offene Sternhaufen M29. Er enthält wenige, aber helle Sterne. Ein weiterer ausgedehnter Offener Sternhaufen mit hellen Sternen ist M39, der ca. 9° ostnordöstlich von Deneb zu finden ist.
Deutlich mehr Sterne bietet der Offene Sternhaufen NGC 6819, der ca. 7,5° westlich von Sadr liegt. Für die Beobachtung dieses Sternenhaufens benötigt man ein Fernrohr mit viel Öffnung. Im Sternbild Schwan liegen mehrere Emissionsnebel, die jedoch nur sehr schwierig zu beobachten sind, da sie nur sehr schwach leuchten. Der größte dieser Nebel ist NGC 7000, der unter dem Namen „Nordamerika-Nebel“ bekannt ist. Er liegt östlich von Deneb und ist ca. 2,5° groß. Für die Beobachtung im Teleskop ist dieser Nebel viel zu groß, man braucht ein lichtstarkes Fernglas und die Nacht muss zudem mondlos dunkel und absolut sternenklar sein, um NGC7000 mit Erfolg beobachten zu können.
Ein weiterer großer Emissionsnebel ist der Cirrusnebel, der südlich des südlichen Schwanenflügels liegt. Dieser Nebel ist der Überrest einer Supernova und kann im lichtstarken Fernglas einen fast geisterhaften Anblick bieten. Bei Einsatz eines UHC- oder OIII-Filters ist der Nebel deutlicher sichtbar.

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

Sonnenfinsternis in der Antarktis