Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Segel grenzt im Norden an die Sternbilder Luftpumpe und Kompass, im Westen an das Sternbild Achterschiff im Süden an das Sternbild Schiffskiel und im Osten an das Sternbild Zentaur. Mit seiner Fläche von 500 Quadratgrad nimmt es unter den 88 Sternbildern des Himmels den 32. Rang ein. Es enthält fünf Sterne, deren Helligkeit größer ist als 3m. Es liegt in der Milchstraße und bietet mehrere Offene Sternhaufen. Von Mitteleuropa aus kann man es nicht sehen. Vollständig sichtbar ist südlich des 33. Breitengrads.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Segel ist ein Teil des antiken Sternbilds „Argo Navis“ (Schiff Argo). Das Schiff Argo war das legendäre sprechende Schiff, mit dem Jason nach Kolchis aufbrach, um dort mit der Hilfe des Herkules und der Zwillinge Castor und Pollux das Goldene Vlies zu stehlen. Das Goldene Vlies war das Fell jenes Widders, den wir heute als Sternbild „Widder“ am Himmel kennen.
Das Sternbild Argo Navis war das größte Sternbild am Himmel und ist eines der 48 klassischen Sternbilder. Wenn es in Griechenland kulminierte, erhob es nur wenig über den Südhorizont und erinnerte phantasievolle Beobachter an ein aus Sternen gezeichnetes Schiff auf dem Horizont des Meeres, dessen Vorschiff von einer Nebelwolke verdeckt war. Von Mitteleuropa aus hob sich nur im Winter die nordwestliche Ecke des Sternbilds über den Horizont. Da man in Mitteleuropa vom Sternbild Argo Navis nicht viel sehen konnte, fand es unter den dortigen Astronomen wenig Beachtung.
Das blieb so bis zum Jahre 1752. Seit 1750 hatte der französische Astronom Nicolas de Lacaille am Kap der Guten Hoffnung die Sterne des Südhimmels beobachtet und dort bis 1754 die Positionen von über 10000 Sternen vermessen. Vom Kap der Guten Hoffnung aus gesehen lag das Sternbild Argo Navis jedoch nicht wie in Griechenland niedrig überm Horizont, sondern hoch im Zenit. In dieser Himmelsposition erwies sich das Sternbild wegen seiner Größe als unübersichtlich und für die praktische astronomische Arbeit als unhandlich.
Daher teilte de Lacaille es 1752 in die drei Sternbilder Schiffkiel (Carina), Segel (Vela) und Achterschiff (Puppis) auf. Durch die neuen Sternkarten, die de Lacaille nach seiner Rückkehr in Frankreich auf der Basis seiner Positionsmessungen herausgab, wurden diese Sternbilder unter Astronomen und in Seefahrtsschulen populär.

Markante Sterne

Die Sterne des Sternbilds Segel haben die Bezeichnungen behalten, die sie bereits im Sternbild Argo Navis hatten. Aus diesem Grund gibt es im Sternbild Segel weder einen Stern Alpha noch einen Stern Beta, denn diese Sterne liegen im Sternbild Carina (Schiffskiel).
Der hellste Stern des Sternbilds Segel ist Gamma Velorum, sein Eigenname ist Regor. Regor liegt im äußersten Westen des Sternbilds, er ist ein Doppelstern aus leuchtkräftigen blauen Riesensternen in 840 Lichtjahren Entfernung, der schon im kleinen Fernglas getrennt gesehen werden kann.
Der 2,0m helle A1-Stern Delta Velorum liegt 9° südöstlich von Regor. Der 2,3m helle Suhail (Lambda Velorum) liegt 6° nordöstlich von Regor. Ca. 5,5° östlich von Delta liegt der 2,5m helle Stern Kappa Velorum.
Der 2,8m helle My Velorum liegt im Osten des Sternbilds. Alle diese Sterne sind Doppelsterne.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild enthält den 6,1m hellen Kugelsternhaufen NGC 3201. Außerdem gibt es hier sehr viele Offene Sternhaufen (z. B. IC 2391, IC 2395, NGC 2547, NGC 2669, NGC 2670, NGC 2910, NGC 3228, NGC 3330 und NGC 2925). Wenn man sich südlich von 32° Nord aufhält, sollte man mindestens ein lichtstarkes Fernglas dabei haben, um sich das Sternbild Segel unterm klaren Nachthimmel in Ruhe anzuschauen.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.