Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Südlicher Fisch bedeckt am Himmel nur 245 Quadratgrad und ist ein kleines Sternbild. Nördlich von ihm liegen die bekannten Tierkreissternbilder Wassermann und Steinbock, im Osten liegt das unauffällige Sternbild Bildhauer, im Süden liegt das Sternbild Kranich und im Westen des Sternbild Mikroskop.
Wenn man im August nach Mitternacht von einem erhöhten Standort aus den Sternenhimmel betrachtet und dabei den Blick zum südlichen Horizont wandern lässt, fällt einem ein heller Stern auf, der niedrig über dem Horizont steht. Das ist Fomalhaut, der Hauptstern im Sternbild Südlicher Fisch.
Das Sternbild Südlicher Fisch wird von den Beobachtern in Mitteleuropa in der Regel übersehen, da es sich bei seiner Kulmination in unseren Breiten nur um 10° über den Horizont erhebt und dadurch leider häufig im Horizontdunst verborgen bleibt.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Südlicher Fisch ist eines der 48 klassischen Sternbildern der Antike, und es ist eines der ältesten dieser Sternbilder, denn schon bei den griechischen Astronomen des 8. Jahrhunderts v. Chr. galt es als altes Sternbild. Es existierte bereits, bevor das Sternbild Fische erfunden wurde. Das Sternbild Südlicher Fisch wird auf den babylonischen Fruchtbarkeitsgott Oannes zurückgeführt, der vor 3500 Jahren verehrt wurde. Oannes war ein Wesen, das als ein bärtiger Mann mit einem Fischschwanz dargestellt wurde, wobei der Fischschwanz ein Symbol der Fruchtbarkeit war. Man hat Statuen des Fischgotts auch in Ninive und in Assur gefunden. 800 Jahre später verehrten die Philister ihren fischschwänzigen Fruchtbarkeitsgott Dagon in einem mächtigen Tempel, der der Bibel nach durch Samson zum Einsturz gebracht wurde.

Markante Sterne

Der mit Abstand hellste Stern in all diesen Sternbildern ist Fomalhaut. Der Name des Sterns geht auf seine arabische Bezeichnung „Fum al Hut“ zurück, was „Maul des Fisches“ bedeutet. Im Reich des Perserkönigs Darius galt Fomalhaut als einer der vier königlichen Sterne des Himmels (neben Regulus, Aldebaran und Antares). Fomalhaut ist ein 1,2m heller Stern der Spektralklasse A3 und ist 23 Lichtjahre von uns entfernt. Er wird von einem Planeten von ca. acht Jupitermassen umkreist, der in einem Abstand von ca. 6 Milliarden Kilometern um Fomalhaut wandert. Untersuchungen mit dem Hubble Teleskop haben gezeigt, dass Fomalhaut von einer ausgedehnten Staubscheibe umgeben ist.
Die übrigen Sterne im Sternbild sind maximal 4,6m hell, sie sind daher erheblich schwächer als Fomalhaut und sind daher selten zu beobachten.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Das Sternbild zeigt einige Doppelsterne, die man unter günstigen Beobachtungsbedingungen auch im kleinen Fernrohr gut beobachten kann. Einfach zu trennen ist Beta, seine Partnersterne sind weiß, sie sind 4,5m und 7,5m hell und stehen in einem Abstand von 30 Bogensekunden voneinander. Bei den Doppelsternen Gamma und Delta liegen die jeweiligen Partner in einem gegenseitigen Abstand von 5,9 bzw. 4,5 Bogensekunden. Ein sehr enger Doppelstern ist Eta, seine beiden 5,5m und 6,5m hellen Partner sind voneinander durch einen Abstand von nur1,6 Bogensekunden getrennt und können daher nur in Teleskopen ab 5 Zoll Öffnung und langer Brennweite eindeutig getrennt gesehen werden.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.