Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Tukan liegt am Südhimmel. Es grenzt im Norden an die Sternbilder Phönix und Kranich, im Westen an das Sternbild Indianer und im Süden und Osten an das Sternbild Kleine Wasserschlange. Das Sternbild Tukan nimmt mit seiner Fläche von 295 Quadratgrad in der Liste der 88 Sternbilder die 48. Position ein. Es ist ein relativ unauffälliges Sternbild, nur zwei seiner Sterne sind heller als 4,0m. Dennoch ist es berühmt, denn in ihm liegt eine unserer nächsten Nachbargalaxien: die Kleine Magellansche Wolke. Von Europa aus ist es nicht zu sehen.

Geschichte und Mythologie

Im Jahre 1595 brach eine Flotte holländischer Schiffe auf, um unter dem Kommando von Cornelis de Houtman den Seeweg zu den sagenhaften Gewürzinseln zu finden und dort Handelsbeziehungen zu knüpfen. Pieter Dirkszoon Keyser war Navigator auf einem der Schiffe der Houtman’schen Flotte. Der Kartenzeichner Peter Plancius hatte ihm den Auftrag gegeben, die Positionen der hellen Sterne des Südhimmels während dieser ersten holländischen Forschungsexpedition zu vermessen und ihm eine Liste ihrer Himmelskoordinaten zurück zu bringen.
Während der langen Fahrt über den Indischen Ozean zu den Gewürzinseln vermaß Keyser die Positionen von 135 Sternen. Gemeinsam mit Frederick de Houtman, dem Bruder des Kommandanten, schuf er daraus zwölf neue Sternbilder. Eines davon nannten sie Den Indiaenschen Exster, op Indies Lang ghenaemt.
Pieter Dirkszoon Keyser kam während der Reise ums Leben, doch Frederick de Houtman  gelangte mit den Aufzeichnungen Keysers im Gepäck nach Holland zurück. Von den ursprünglich 247 Expeditionsteilnehmern waren 160 durch Krankheit, Schlägereien und Piratenüberfälle umgekommen, nur 87 hatten die Reise überlebt.
1598 übernahm Peter Plancius das Sternbild auf seinen neuen Himmelsglobus, der zwei Jahre später von Jodocus Hondius verlegt wurde. Johann Beyer übernahm das Sternbild 1603 in seinen neuen Himmelsatlas "Uranometria". Da er sich unter Keysers Bezeichnung "Den Indiaenschen Exster" keinen konkreten exotischen Vogel vorstellen konnte, gab er dem Sternbild den Namen „Toucan“, das ist die englische Bezeichnung für den in Süd- und Mittelamerika vorkommenden Tukan, der sich durch seinen mächtigen Schnabel auszeichnet. Unter verschiedenen Übersetzungen wurde der Name Tukan für das Sternbild in späteren europäischen Sternkarten populär. Dennoch gab es auch abweichende Bezeichnungen für das neue Sternbild. Kepler kannte es unter dem Namen „Anser Americanus“ (amerikanische Gans), denn damals wusste in Deutschland eigentlich niemand, wie ein Tukan tatsächlich aussieht.

Markante Sterne

Der hellste Stern des Sternbilds ist der 2,9m helle Stern Alpha Tucanae, er liegt am westlichen Rand des Sternbilds. Alpha ist ein Roter Riese der Spektralklasse K3, ca. 200 Lichtjahre von uns entfernt. Ca 7,6° nordöstlich liegt der 4,0m helle Stern Gamma Tucanae, ein Riesenstern der Spektralklasse F1 in 72 Lichtjahren Entfernung. Ca. 10° südöstlich von Gamma liegt der 4,2m helle Zeta Tucanae, ein Zwergstern der Spektralklasse F8, in 28 Lichtjahren Entfernung.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Ca. 2,3° nordöstlich von Zeta liegt ein Grüppchen aus drei Sternen, die Beta1, Beta2 und Beta3 heißen. Es handelt sich um drei Doppelsterne, die als ein visuelles Dreifachsystem erscheinen. Beta1 ist 140 Lichtjahre entfernt, Beta2 ist 172 Lichtjahre entfernt, Beta3 ist 152 Lichtjahre entfernt.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das auffälligste Objekt im Sternbild Tukan ist die Kleine Magellansche Wolke. Das ist eine 2,3m helle irreguläre Zwerggalaxie in ca. 200000 Lichtjahren Entfernung. Schon mit kleinen Teleskopen kann man am Südhimmel in der Kleinen Magellanschen Wolke zahlreiche Offene Sternhaufen und Nebel beobachten.
Im südlichen Bereich des Sternbilds liegen die beiden Kugelsternhaufen NGC104 und NGC362. Der 4,9m helle NGC104 ist nur 14000 Lichtjahre entfernt, er ist nach Omega Centauri der zweithellste Kugelsternhaufen des Himmels. Wegen seiner Helligkeit wurde NGC104 zunächst für einen Stern gehalten und erhielt als solcher die Flamstead-Nummer 47. Erst Nicolas de Lacaille erkannte, dass 47 Tucanae gar kein Stern ist, sondern ein Kugelsternhaufen.
Der Kugelsternhaufen NGC362 ist 6,4m hell und 28000 Lichtjahre entfernt.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.