Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Walfisch wird im Westen vom Sternbild Wassermann, im Norden von den Sternbildern Widder und Fische, im Osten von den Sternbildern Stier und Eridanus und im Süden von den Sternbildern Chemischer Ofen und Bildhauer begrenzt.
Es nimmt am Himmel eine Fläche von 1231 Quadratgrad ein und ist das viertgrößte Sternbild am Himmel. Das Sternbild Walfisch ist am besten im Winter während der ersten Nachthälfte zu beobachten.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Walfisch ist seit der griechischen Antike bekannt. Es soll an das mythologische Seeungeheuer Cetus erinnern, welches Poseidon zur Strafe für die prahlerische Eitelkeit der Königin Cassiopeia in die Küstengewässer ihres Königreiches schickte. Cetus versenkte dort Schiffe, zerstörte die Häfen und überschwemmte die fruchtbaren Küstenebenen mit Salzwasser, so dass die Ernte zugrunde ging. Darauf wandte sich der König Cepheus Rat suchend an das Orakel von Delphi. Dort teilte man ihm mit, dass er seine Tochter Andromeda dem Cetus opfern müsse, um den Zorn Poseidons zu besänftigen. Schweren Herzens ließ König Cepheus ließ seine  Andromeda an die Küstenfelsen von Jaffa anketten, dem Cetus zum Fraß.
Während sich das Ungeheuer freudig seinem Opfer näherte, kam zufällig der Held Perseus am Strand vorbei. Perseus verliebte sich unsterblich in Andromeda, zerriss ihre Ketten, tötete den Cetus mit seinem Zauberschwert und heiratete sie umgehend.
Auf alten Sternkarten wird der Cetus als ein Ungetüm mit einem klobigen Kopf und mächtig bezahnten Kiefern dargestellt, welches seine krallenbewehrten Vorderpranken auf dem Ufer eines Flusses aufstützt, während der schuppige geringelte Schwanz im Wasser liegt und in einer Schwanzflosse endet. Somit erscheint Cetus in den alten mythologischen Darstellungen nicht als Wal, sondern als ein Mischwesen, ähnlich dem im Sternbild Steinbock, das in alten Sternkarten als eine Ziege mit geringeltem Fischschwanz dargestellt ist.
Die Ursprünge des Sternbilds Walfisch liegen in der Schöpfungsmythologie des Zweistromlands. In diesen alten Mythen wird von Tiamat berichtet, der gestaltlosen Mutter-Göttin, die im Zuge der Schöpfung das Universum gebar. Der Name Tiamat bedeutet „Sie, die sie alle gebar“. In Babylon stellte man Tiamat als eine riesige gehörnte Seeschlange dar, in Assur hingegen als ein Mischwesen mit Pferdeleib, Löwenpranken, Adlerläufen und Raubvogelflügeln.

Markante Sterne

Der hellste Stern in diesem Sternbild ist mit 2,0 m Deneb Kaitos (Beta Ceti). Er wird auch Diphda genannt. Deneb Kaitos liegt im Schwanz des Walfischs. Der 2,8 m helle Baten Kaitos (Alpha Ceti) ist der zweithellste Stern im Sternbild, er heißt auch Menkar und liegt im Kopf des Walfischs. Nur 15 Bogenminuten nördlich von Menkar liegt der 5m helle Stern 93 Ceti, trotz ihrer scheinbar großen gegenseitigen Nähe sind diese beiden Sterne kein physisches Doppelsternsystem. Ca. 4,7° westlich von Menkar liegt der 3 m helle Doppelstern Gamma Ceti. Seine beiden Partnersterne sind blauweiß und weiß, sie stehen in 2,7 Bogensekunden Abstand voneinander.
14,5° östlich von Deneb Kaitos steht der 3,5 m helle Stern Tau Ceti. Er ist einer der nächsten Sterne unserer Sonne, nur 16 Lichtjahre von uns entfernt Menkar zeigt gemeinsam mit Gamma Ceti, My Ceti, Ny Ceti sowie Xi1 und Xi2 Ceti die Position des klobigen Kopfes. Delta Ceti und Mira bilden den Hals, Tau Ceti und Zeta Ceti die Brust, Ypsilon Ceti die eine und Epsilon mit Pi Ceti die andere Vorderpranke. Den Rücken sehen wir bei Theta Ceti und Eta Ceti. Phi 1 und Phi 2 Ceti, Deneb Kaitos und Iota Ceti bilden den Schwanz.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der berühmteste Stern im Sternbild Walfisch heißt Mira (Omicron Ceti). Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riese, dessen Helligkeit regelmäßig zwischen 2,5m und 9m schwankt, mit einer Periode von 300 ... 350 Tagen. Im Minimum entspricht seine Leuchtkraft der unserer Sonne, im Maximum werden 8000 Sonnenleuchtkräfte überschritten.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Ca. 3° südlich von Gamma Ceti liegt die Galaxie M77. Ihr heller Kern ist schon im kleinen Fernrohr deutlich wahrnehmbar, größere Fernrohre können auch die Halo dieser Galaxie zeigen. Ca 3° südlich von Deneb Kaitos liegt die ausgedehnte, aber lichtschwache Galaxie NGC 247. Um sie am sternklaren Himmel beobachten zu können, benötigt man ein Fernrohr mit großer Öffnung.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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