Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Winkelmaß liegt am Südhimmel zwischen den Sternbildern Skorpion, Wolf, Zirkel, Südlichem Dreieck und Altar. Mit seiner Fläche von 165 Quadratgrad nimmt es unter den 88 Sternbildern den 74. Rang ein. Es ist ein unauffälliges Sternbild.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Winkelmaß wurde vom französischen Astronomen und Mathematiker Nicolas Louis de Lacaille im Zuge seiner astronomischen Beobachtungen des Südhimmels von 1750 bis 1754 definiert. Hierzu zweigte de Lacaille von den seit der Antike bekannten Sternbildern Skorpion, Wolf und Altar einige schwache Sterne ab und schuf daraus sein neues Sternbild “l’Equerre et la Regle“ (lateinisch: “Norma et Regula“). Damit wollte er am Himmel dem Winkelmaß und dem Lineal ein Denkmal setzen: denn das sind die beiden Hilfsmittel, welche Seefahrer bei der Positionsbestimmung ihres Schiffes auf Seekarten benutzten.
Im Jahre 1782 veröffentlichte Johann Eilert Bode seinen Sternatlas “Uranometria sive Astrorum Descriptio“. Die Tafel 29 dieses Sternatlasses zeigt die Sternbilder des Südhimmels einschließlich der neuen Sternbilder „nach de la Caille“. Damit wurde de Lacailles neues Sternbild in die Astronomie eingeführt und von der Wissenschaft übernommen.
Das Sternbild Winkelmaß ist von Mitteleuropa aus nicht zu sehen und enthält keine dem bloßen Auge auffälligen Sterne. Daher fristete es in der Astronomie zunächst ein Schattendasein. Dies ging so weit, dass im 19. Jahrhundert selbst über seinen Namen keine einheitliche Vorstellung bestand: Mal nannte man es “Norma“, mal “Lineal“.
Als die Sternbildgrenzen im Jahr 1930 durch die IAU neu festgelegt wurden, verlor das Sternbild Winkelmaß seinen nördlichen Teil an die Sternbilder Skorpion und Wolf, zugleich wurden seine beiden hellsten Sterne Alpha Normae und Beta Normae dem Sternbild Skorpion zugeschlagen, sie heißen nun H Scorpii bzw. N Scorpii.

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Winkelmaß ist der 4,0m helle visuelle Doppelstern Gamma2 Normae. Gamma2 ist ein 128 Lichtjahre entfernter Gelber Unterriese. Der Stern Gamma1 ist ein weißer Überriesenstern in 1470 Lichtjahren Entfernung. Diese beiden Sterne stehen im Abstand von 27 Bogenminuten voneinander.
Der 4,8m helle Epsilon Normae ist ein Doppelstern in 400 Lichtjahren Entfernung. Seine beiden Partnersterne können aufgrund ihres gegenseitigen Abstands von 23 Bogensekunden bereits mit einem kleinen Fernglas getrennt werden. Der ca. 4,9m helle My Normae ist ein 4660 Lichtjahre entfernter Blauer Überriese und somit einer der entferntesten Sterne, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Durch den Südteil des Sternbilds Winkelmaß verläuft das Band der südlichen Milchstraße. In dem Sternbild gibt es daher viele schwach leuchtende Sterne sowie einige Offene Sternhaufen. Den Offenen Sternhaufen NGC 6087 kann man schon mit dem bloßen Auge als ein Nebelchen wahrnehmen. Bekannt wurde das Sternbild durch die Hubble-Aufnahmen des hellen Bipolaren Nebels NGC 6164 und des Planetarischen Nebels Menzel3 (der “Ameisennebel“).
Im Sternbild Winkelmaß liegt hinter der Milchstraße in einer Entfernung von 220 Millionen Lichtjahren der riesige Norma-Galaxienhaufen Abell 3627. Dieser Galaxienhaufen enthält über eine Billiarde Sonnenmassen. Leider sind selbst die hellsten Galaxien des Norma-Galaxienhaufens nur in Fernrohren sehr großer Öffnung wahrnehmbar, weil die Sterne der Milchstraße im Vordergrund stehen und diese Galaxien überstrahlen.

Text von Günther Bendt

 

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.